Mini-Markt fehlt wegen Tunnelsperrung die Kundschaft

Stille im Untergrund

+
Warten auf ein hoffentliches pünktliches Ende der Baurabeiten: Mini-Markt-Besitzer Asjad Hussain Shah steht dieser Tage die meiste Zeit des Tages ohne Kundschaft im Laden. Weil viele Pendler auf Busse ausweichen, lohnt sich das Geschäft mit Backwaren für ihn derzeit nicht.

Offenbach - Für Fahrgäste bedeuten die Bauarbeiten im Frankfurter S-Bahn-Tunnel Verzögerungen und in vielen Fällen häufigeres Umsteigen. Für Asjad Hussain Shah bedeuten sie herbe finanzielle Verluste. Von Tonia Hysky 

Seit die Station Marktplatz von Frankfurt abgekoppelt ist, finden nur noch wenige Kunden den Weg in seinen Mini-Markt. Wer in diesen Wochen auf dem schnellsten Weg von Offenbach nach Frankfurt kommen möchte, macht um die S-Bahn-Station Marktplatz einen großen Bogen. „In den ganzen 20 Jahren hat es noch nie so wenige Kunden gegeben wie jetzt“, klagt Asjad Hussain Shah, der in der zweiten Ebene bereits seit S-Bahn-Eröffnung im Jahr 1995 einen Mini-Markt betreibt. „Selbst in Streikzeiten kamen mehr Leute als während der Tunnelsperrung.“

Seit vier Wochen bemerkt Kiosk-Betreiber Asjad Hussain Shah das Ausbleiben des Pendlerflusses nun schon. In seinen Einnahmen macht sich dies dramatisch bemerkbar. Sein Umsatz ist um 70 Prozent zurückgegangen. „Wir hatten zwar schon einen Kundenrückgang erwartet, aber dass es so wenig werden würde, ist wirklich erschreckend“, sagt er. Seit Beginn der Sommerferien werkelt die Bahn im Frankfurter S-Bahn-Tunnel an den Gleisen. Weil die Strecke zwischen Offenbach-Kaiserlei und Frankfurt Hauptbahnhof während der Arbeiten gesperrt ist, haben sich die täglichen Pendlermassen schnell andere Wege gesucht. Für die meisten bietet sich die Regionalbahn von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof an. Oder der Bus vom Marktplatz zum Kaiserlei.

Lesen Sie dazu auch:

Arbeiten in S-Bahntunnel auf der Zielgeraden

Es knirscht im U-Bahn-Betrieb: Strecken überlastet

Runter zur Marktplatz-Station und zwei Stopps später wieder nach oben? „Viel zu umständlich“, findet auch Ida Klepper aus Tempelsee. Die 23-Jährige fährt stattdessen nur noch mit dem Bus bis Kaiserlei und steigt dort um. Kiosk-Betreiber Shah hat das Nachsehen. Ihm bleibt nichts als Warten und Hoffen, dass die Bauarbeiten pünktlich enden. „Die meisten Pendler kommen gar nicht erst runter“, weiß er. Den morgendlichen Kaffee zum Wachwerden im Mini-Markt kaufen und eine Stulle auf die Hand? Derzeit bleiben solche Pendlerkäufe aus. Ganz im Gegensatz zum S-Bahn-Halt Offenbach-Ost; dort brummt angeblich das Kiosk-Geschäft...

Es gibt Zeiten, da komme in von 20 Minuten nur ein Kunde vorbei, erzählt hingegen Shahs Frau. Und der kaufe dann nur schnell eine Packung Zigaretten. Die Backstation des Mini-Markts haben Shahs für die Zeit der Sperrung still gelegt. Ohne die täglichen Pendler verkaufen sich keine Backwaren. Trotzdem hat Shah noch immer rund um die Uhr geöffnet. „Wir haben viele Stammkunden. Nachts möchte ich auch für diejenigen geöffnet haben, die hier vorbei kommen und schnell etwas brauchen“, sagt er. Und sei es nur ein Gespräch um Mitternacht... Zudem habe man so auch ein Auge auf die Station. „Das zähmt die nächtlichen Rowdies“, lächelt Shah.

Brand in S-Bahn-Tunnel: Bilder

Während der langwierigen Bahnstreiks, als die Bahnen nur im Stundentakt fuhren, sei der Umsatz nur um etwa 30 Prozent gesunken. Doch der August sei allgemein ein schwieriger Monat. Schulferien eben. „Zur Sperrung kommt in diesem Sommer die Hitze hinzu. Da gehen vor allem am Wochenende nur wenige Menschen vor die Tür“, meint seine Frau. Es ist nicht ausgeschlossen, dass auch im nächsten Jahr im Tunnel wieder gebaut wird. „Aber jetzt haben wir ja schon Erfahrung gesammelt“, versucht Shah der Sache etwas Gutes abzugewinnen. Diese Zeit könnte man dann nutzen, um den lang geplanten Umbau des Mini-Markts anzugehen. Vorausgesetzt, die Verhandlungen mit der Bahn diesbezüglich enden erfolgreich. „Wenn ohnehin niemand kommt, hätten wir dafür wenigstens Zeit“, sagt Shah.

Laut RMV-Zentrale soll die Sperrung bis kommenden Dienstag, 25. August, aufgehoben werden. Kiosk-Betreiber Shah dürfte nicht der einzige sein, der das Ende der Bauarbeiten sehnlichst erwartet. Denn wenn der Verkehr wieder wie gewohnt über die Citytrasse in Richtung Frankfurt rollt, kommen auch die Kaffee- und Stullen-Käufer wieder. Früher oder später.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare