Al-Wazir besucht Leibnizschule

Minister im Deutschunterricht

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Heimspiel: Bei einem Besuch in der Leibnizschule informierte sich Tarek Al-Wazir über den Sozialindex und das G8/G9-Angebot. Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir mit Leibniz-Schulleiter Christoph Dombrowski und der Klasse 6g.

Offenbach - Mit großen Augen schauen die Fünftklässler den Gast in Anzug und Schlips an. „Ich bin Minister in der hessischen Regierung“, stellt Tarek Al-Wazir (Grüne) sich vor. „Geil“, so die spontane Reaktion eines Schülers. Von Veronika Schade 

Dann nimmt Hessens Wirtschaftsminister, flankiert von seinem Parteifreund Bürgermeister Peter Schneider sowie Vertretern des Schulamts und Leibnizschule, selbst auf der Schulbank Platz. Unter der Überschrift „Woche der Bildung“ schickte die Landesregierung ihre Minister an Schulen, damit sie sich selbst einen Eindruck von der praktischen Umsetzung der Bildungspolitik verschaffen, deren erste Priorität stets hervorgehoben wird. Der Offenbacher Al-Wazir besucht gestern die Leibnizschule. Und setzt mehrere Schwerpunkte.

Einer davon ist der Deutsch-Differenzierungsunterricht. Der Förderbedarf in diesem Fach ist auch an Gymnasien erhöht, weshalb eine zusätzliche Deutschstunde in Kleingruppen angeboten wird. „50 Prozent unserer Abiturienten haben Migrationshintergrund, in den unteren Klassen noch deutlich mehr“, sagt Schulleiter Christoph Dombrowski. Rund ein Viertel der Fünftklässler kommt ohne Gymnasialempfehlung an die Schule. Jedes Kind durchläuft einen Einstufungstest, um das richtige Förderprogramm zu finden. Ermöglicht wird die zusätzliche Deutschstunde durch die Lehrerzuweisung über den Sozialindex. „Den brauchen wir dringend, um die hohen Anforderungen, die an uns als Gymnasium gestellt werden, erfüllen zu können“, betont Dombrowski.

Thema G8/G9

Al-Wazir interessiert sich außerdem für das Thema G8/G9. Die Leibnizschule bietet seit Beginn des Schuljahres 2014/15 als einzige Schule in Stadt und Kreis die Möglichkeit, den gymnasialen Bildungsgang sowohl nach acht als auch nach neun Jahren abzuschließen. Beide Formen werden ab der siebten Jahrgangsstufe parallel angeboten, was Al-Wazir gut gefällt: „Wahlfreiheit ist wichtig.“ Der Aufstand gegen G8 habe erst begonnen, als diese Form verpflichtend wurde. Die meisten Schulen sind mittlerweile zu G9 zurückgekehrt. „Es darf aber nicht übersehen werden, dass es auch Wünsche nach G8-Angeboten gibt“, weiß der 44-Jährige.

Laut Schulleiter Dombrowski trifft dies nur für 15 bis 20 Prozent zu. „Wir befragen in der sechsten Klassenstufe die Eltern, was sie sich wünschen. Die meisten hören auf ihre Kinder.“ Für diese sei oft das wichtigste Kriterium, in den bisherigen Klassenverbänden zu bleiben. Während sich die Fünftklässler mit Lehrerin Renate Petran in ihrer Deutsch-Differenzierungs-Stunde mit Silbenübungen und Textverständnis beschäftigen und der Minister beim Vorlesen einer Silbentabelle viel langsamer als die Schüler ist, geht es in der Ganztagsklasse 6g um adverbiale Bestimmungen. Lehrerin Thekla Bodenstein lässt ihre Schüler ein informatives Plakat erstellen. Derweil schaut ihnen Al-Wazir über die Schulter.

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Ganz anders gefordert ist er, als es in den PoWi-Leistungskurs der Jahrgangsstufe 12 geht. Die Jugendlichen löchern den hohen Besuch mit jeder Menge Fragen, die es in sich haben – vom Freihandelsabkommen TTIP über die Pkw-Maut bis hin zu Internetsicherheit sowie „Fundis“ und „Realos“ bei den Grünen. Der Offenbacher präsentiert sich gewohnt eloquent, so dass ihm die Frage gestellt wird, wie er das erlernt hat. „Politik ist kein Ausbildungsberuf. Man muss dazu eine Veranlagung haben. Viele Politiker waren zu Schulzeiten Klassensprecher. Glück und Zufälle gehören auch dazu“, antwortet er schmunzelnd. Nach zwei Stunden zwingt ihn die Pflicht als Verkehrsminister zum Aufbruch: eine Pressekonferenz zur Sperrung der Schiersteiner Brücke.

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