Der Minister hat es schon getan

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Offenbach - „Sie haben Darmkrebs“ – jeden Tag werden rund 200 Menschen in Deutschland mit dieser niederschmetternden Diagnose konfrontiert; eine Diagnose, die das Leben schlagartig verändert. Von Peter Schulte-Holtey

Wie kann eine solche Erkrankung verhindert werden? „In Deutschland sind wir in der vorbildlichen Lage, diese Krebs-Vorsorgeuntersuchung flächendeckend anbieten zu können“, so Professor Dr. Andreas Zielke, Chefarzt der Chirurgischen Klinik I im Klinikum Offenbach und Mitglied der hessischen Krebsgesellschaft. „Die Darmspiegelung ist die einzige Untersuchung, die sowohl zur Vorbeugung als auch zur Früherkennung von Darmkrebs eingesetzt werden kann. “.

Das Gefährliche an Darmkrebs: Harmlose Polypen können sich zu bösartigen Tumoren entwickeln, ohne dass der Patient Symptome aufweist. Nur 15,5 Prozent der anspruchsberechtigten Männer haben in den Jahren 2003 bis 2008 an der kassenfinanzierten Vorsorge-Darmspiegelung teilgenommen.

Ein für Hessen einzigartiges Präventionsprojekt

In Offenbach beginnt in wenigen Wochen ein für Hessen einzigartiges Präventionsprojekt, das genau an dieser „Schwachstelle in der Gesundheitsversorgung“ ansetzen will. Am 24.  März wird im Rathaus der Startschuss gegeben für die Kampagne „1000 mutige Männer für Offenbach“. Die Vorbereitungen für die ungewöhnliche Aktionen laufen im Sozialministerium, bei der hessischen Krebsgesellschaft und der Stiftung Leben mit Krebs auf Hochtouren.

Sozialminister Stefan Grüttner hat bereits den Auftakt gemacht: Als erster der 1000 mutigen Männer unterzog er sich jüngst im Ketteler Krankenhaus in Offenbach einer Darmspiegelung. „Jedes Jahr erkranken in Offenbach über 200 Menschen an Darmkrebs, deutschlandweit sind es 70 000. Die Vorsorge-Untersuchung ist weder schlimm noch schmerzhaft, kann aber gleichzeitig Leben retten - deswegen hoffe ich, dass sich nach dem offiziellen Start noch mindestens weitere 999 Männer der Aktion anschließen werden, die den Mut zur Krebsprävention mit einer Darmspiegelung haben“, sagte er.

So funktioniert „1000 mutige Männer“

So funktioniert „1000 mutige Männer“: In Marktforschungsstudien wurde festgestellt, dass gerade bei der Darmkrebsprävention psychologische und soziale Faktoren wie Angst und Scham große Barrieren darstellen und dass das Umfeld eine überragende Rolle bei der Motivation spielt. Allen voran die Lebenspartner, Hausärzte, aber auch Freunde, Vereinskameraden, Kollegen, Gemeindemitglieder. Also gilt es, diese aktiv in den Prozess einzubeziehen.

Zusammen mit Prominenten werden alle gesellschaftlich relevanten Institutionen der Stadt - u. a. Hausärzte, Vereine, Arbeitgeber, Medien, Geschäftsleute, Kirchen – aktiviert, um ihr Umfeld zum Arztbesuch zu ermutigen. Mit der Aktion in Offenbach wird das erfolgreiche „1000-mutige-Männer-Format“ fortgeführt – beim Pilotprojekt in Mönchengladbach stieg die Inanspruchnahme der Vorsorgekoloskopien um 7,3 Prozent.

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