Minister besucht Quartier in Offenbach

Enttäuschte Hoffnungen in Asylunterkunft

Wiesbaden/Offenbach - Hessen will Asylbewerber in Erstaufnahmeeinrichtungen weiterhin nicht nach Nationen oder Religionen trennen.

Auch nach Konflikten in Lagern in mehreren Bundesländern bleibe das Land bei einer gemischten Unterbringung und versuche, Konflikte im Vorfeld zu vermeiden, sagte Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) am Freitag in Offenbach. So werde die Ausgabe von Essen und Taschengeld besser strukturiert. Grüttner besuchte die vor einem Monat in Offenbach eröffnete Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung. Bisher sei es hier nicht zu nennenswerten Konflikten gekommen, berichtete ein Mitarbeiter des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Allerdings gebe es Enttäuschungen. So habe sich ein Flüchtling auf den Weg nach Deutschland gemacht, nachdem ein Verwandter in Bremen in einer alten Villa untergebracht worden sei und von dort ein Bild geschickt habe, hinter dem die Gewerbehalle zurückfalle.

Etliche Flüchtlinge erzählten abenteuerliche Geschichten. So habe ein junger Iraner berichtet, dass die griechische Grenzpolizei sein 15-Mann-Boot, das an der türkischen Küste mit 30 Personen besetzt worden sei, beschlagnahmt und an die Schlepper zurückverkauft habe. Täglich treffen nach den Worten von Grüttner 700 bis 1000 Asylbewerber in Hessen ein. Von den 27.000 Personen in den hessischen Erstaufnahmeeinrichtungen gäben 42 Prozent Syrien als Herkunftsland an, 16 Prozent Afghanistan. Daneben kämen Flüchtlinge vor allem aus Iran, Irak, Pakistan, Eritrea und Somalia. Die Zahl der Asylbewerber vom Westbalkan sei von 1000 auf rund 100 Personen pro Woche zurückgegangen. Neben den Personen in den Erstaufnahmeeinrichtungen seien dieses Jahr bisher mehr als 30.000 Asylbewerber den Kommunen zugewiesen worden.

Flüchtlingsunterkunft am Kaiserlei: Bilder

Nach ihrer Ankunft in den Erstaufnahmeeinrichtungen werden die Asylbewerber nach Grüttners Angaben registriert und medizinisch untersucht. Die Einsatzplanung erfolge durch den Medizinischen Dienst Flüchtlinge des Regierungspräsidiums Gießen. Dessen Leiterin Ruth Böhr erläuterte, dass hessenweit 200 Ärzte für Einsätze bereitstünden. Jeden Tag seien sechs bis 40 Ärzte mit Dolmetschern zu einer Unterkunft unterwegs. Jeder Flüchtling werde binnen 48 Stunden nach der Ankunft in Hessen untersucht, nahezu jeder geimpft und geröntgt. In der Gewerbehalle in Offenbach, die Platz für 1000 Betten bietet, seien derzeit 521 Personen untergebracht, sagte der stellvertretende Leiter Hiwa Rostami. Davon seien 109 Kinder und 36 Jugendliche. 40 Mitarbeiter des ASB kümmerten sich um sie, davon 16 Sozialarbeiter. Ehrenamtliche Helfer bereiteten Beschäftigungsangebote und Deutschkurse vor. (epd)

Bilder: Umgang mit Flüchtlingen in der Region

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