„Flaschenhals verbreitern“

So begründet Al-Wazir die Verzögerung beim A3-Ausbau

Kein Stauende in Sicht: Der Ausbau der A3 ist vorerst auf Eis gelegt. Für den in Offenbach lebenden grünen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir liegen die Prioritäten bei den Autobahnkreuzen im Rhein-Main-Gebiet und den maroden Brücken. J  Foto: Archiv
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Kein Stauende in Sicht: Der Ausbau der A3 ist vorerst auf Eis gelegt. Für den in Offenbach lebenden grünen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir liegen die Prioritäten bei den Autobahnkreuzen im Rhein-Main-Gebiet und den maroden Brücken.

Offenbach - In Rhein-Main waren viele erstaunt: Zunächst nur für 60 Prozent der hessischen Projekte, die im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans stehen, will Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) die Planung schneller vorantreiben. Von Peter Schulte-Holtey

Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir: „Noch nie ist insgesamt so viel Geld in die Straßen in Hessen geflossen wie seit meinem Amtsantritt.“

Zu den Projekten, die zunächst auf Eis gelegt werden, gehört zum Entsetzen vieler ausgerechnet der Ausbau der A3 zwischen dem Offenbacher Kreuz und der Anschlussstelle Hanau – eine der meist befahrenen Strecken in Deutschland. Der Minister aus Offenbach steht im Kreuzfeuer. Im Interview mit unserer Zeitung stellt er einiges klar:

Was antworten Sie den Kritikern Ihrer Entscheidung?
Da gibt es einiges zu erwidern. Das Wichtigste ist: Wenn Sie einen Knoten im Gartenschlauch haben und deshalb wenig Wasser am Schlauchende rauskommt, hilft es weder, den Druck am Wasserhahn zu erhöhen, noch den Schlauch zwischen Wasserhahn und Knoten zu weiten.
Sondern?
Man muss den Knoten auflösen. Im Fall der A3 bedeutet das: Erst muss das Offenbacher Kreuz umgebaut werden. Hessen Mobil hat mit sogenannten Mikrosimulationen nachgewiesen: Dort ist der Flaschenhals, und bevor man den nicht verbreitert hat, nützt auch eine zusätzliche Spur davor wenig – im Gegenteil. Deshalb machen wir zuerst das Offenbacher Kreuz leistungsfähiger, und zwar so, dass ein späterer Ausbau des A3-Abschnitts natürlich mitgedacht wird. Zum Beispiel ziehen wir den Neubau der A661-Brücke über die A3 vor, und die wird so breit gebaut, dass eine erweiterte A3 darunter durchpasst.
Mit anderen Worten: Sie verstehen die Kritik nicht.
Genau! Ich könnte es mir leicht machen und alle 92 Vorhaben, für die uns der Bund Planungsaufträge bis 2030 erteilt hat, mit derselben Dringlichkeit bearbeiten lassen. Mit allem gleichzeitig anzufangen, ist aber der sicherste Weg, mit nichts fertig zu werden, und daher wäre es unverantwortlich für einen Verkehrsminister. Also habe ich angeordnet, die Maßnahmen in eine vernünftige Reihenfolge zu bringen, in der sie den meisten Nutzen für den Verkehr bringen. Und den dringendsten Handlungsbedarf haben wir eben bei den Autobahnkreuzen im Rhein-Main-Gebiet und den maroden Brücken. Dieses Arbeitsprogramm mache ich öffentlich – ich wüsste nicht, welcher meiner Vorgänger das getan hätte.
Den lauten Ruf nach mehr Eile können Sie aber schon nachvollziehen, oder?
Natürlich kann ich verstehen, dass jedes einzelne Vorhaben mit Ungeduld erwartet wird. Aber was in Jahrzehnten verschleppt wurde, kann man nicht auf einen Schlag reparieren. Wir müssen sehr sorgfältig überlegen, wie wir unsere Planungskapazitäten optimal einsetzen.
Sie verweisen auf Hindernisse bei den Planungen, offenbar gibt es Probleme bei den Kapazitäten – es fehlen Ingenieure, Planer. Jetzt meint die Opposition, es gebe zu wenige Stellen bei Hessen Mobil ...
Die hessische Straßenbauverwaltung, heute Hessen Mobil, hatte 2003 noch mehr als 3 600 Vollzeitbeschäftigte. Bei meinem Amtsantritt 2014 waren es 500 weniger. Diesen Abbau hat kein grüner Minister zu verantworten. Lange Zeit wurden Straßenbauinvestitionen zurückgefahren, so dass man glaubte, weniger Planer zu brauchen. Seit 2010 wurden in Hessen Jahr für Jahr nicht nur Stellen beim Straßenbetrieb, sondern auch Ingenieurstellen abgebaut; damals stellte eine Partei den Verkehrsminister, die mich heute aus der Opposition heraus kritisiert. Dabei weiß sie sehr gut, wann der Richtungswechsel stattgefunden hat: 2015 wurden erstmals alle ausgeschiedenen Ingenieure wieder ersetzt, im Haushalt 2016 haben wir 25 neue Stellen für die Planung bereitgestellt, im laufenden Haushalt noch einmal zehn. Wir fahren also die Kapazitäten wieder hoch. Aber das ist nicht nur eine Frage des Geldes, denn der Arbeitsmarkt hat sich komplett gedreht. Gerade Ingenieure werden überall gesucht.

Bilder vom Brückenabriss auf der A3

Brückenabriss A3
Brückenabriss A3
Brückenabriss A3
Brückenabriss A3
Bilder vom Brückenabriss auf der A3

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