Missbrauch, Mobbing und Monsterjagd

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Rupert Steegmüller

Offenbach (kap/nb) ‐ Nein, mit fremden Männern geht die kleine Lisa nicht mit, das hat ihre Mutter ihr beigebracht. Und Max weiß, dass Gewalt verboten ist. Die Eltern von Lisa und Max achten darauf, wer die Spielgefährten ihrer Kinder sind, helfen beim Streitschlichten und schützen sie, wenn ihnen Gefahr droht.

Doch in der virtuellen Welt des Internets scheinen Regeln außer Kraft gesetzt, fühlen sich viele Eltern dem Cyberspace ausgeliefert. Wie Eltern ihre Kinder vor den Gefahren des Internets schützen können, erklärte nun Rupert Steegmüller, stellvertretender Leiter der Volkshochschule. Doch die Resonanz auf seinen Vortrag am Dienstagabend war weniger als gering. „Viele Eltern sind sich der Gefahr des Internets nicht bewusst“, meint der Referent.

Steegmüller möchte die Eltern sensibilisieren, ihnen zeigen, wie einfach Kinder und Jugendliche an gefährliches und vor allem nicht kindgerechtes Material kommen. Mit wenigen Klicks lande man bereits auf rechtsextremen, gewaltverherrlichenden oder pornographischen Seiten, erklärt er. Beim Chatten (Unterhaltung per PC) mit Unbekannten seien Kinder vor sexuellen Übergriffen meist nicht geschützt. Und auch Mobbing gehöre zu den Gefahren, die im Netz lauern. Netzwerke wie „SchülerVZ“ oder „Facebook“ fordern von Schülern häufig die Veröffentlichung persönlicher Daten. Viele junge Nutzer, die sich in Foren austauschen, sind sich nicht bewusst, dass ihre Angaben missbraucht werden können. Wer lange und oft im Internet unterwegs sei und das Interesse an der Realität verliere, sei außerdem gefährdet, onlinesüchtig zu werden, so Steegmüller. Gefährlich sei auch das Runterladen von Dateien. Ohne es zu wissen, könne man sich strafbar machen, unabsichtlich ein Abonnement abschließen oder Viren auf seinen Rechner übertragen.

Schutz bieten kindgerechte Suchmaschinen

Die Gefahren im Netz sind vielfältig. Deswegen sei es wichtig, dass Väter und Mütter mit ihren Kindern kommunizieren, meint der Experte. „Auch wenn es Eltern nicht immer gelingt, konsequent den Computer im Kinderzimmer abzuschalten, vermitteln sie Werte, in dem sie Regeln aufstellen und mit ihren Kindern über gute und schlechte Seiten sprechen.“

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Schutz bieten kindgerechte Suchmaschinen, das Installieren einer Schutzsoftware oder das Sperren bestimmter Programme. Rupert Steegmüller weiß: „Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht.“ Der Vater einer Tochter hat auch mal den Stecker gezogen und damit für einen dunklen Monitor und das Ende stundenlangen Chattens gesorgt.

Laut der Studie „Verloren im Netz“ ist jeder dritte jugendliche Internetnutzer von Online-Sucht bedroht. Vor allem Jungs seien gefährdet. Viele verbringen ihre Freizeit mittlerweile nicht mehr in Sportvereinen oder mit Freunden, sondern in Chatrooms (Gesprächsplattformen im Internet) oder mit Monsterjagd im Netz. Vor allem Online-Rollenspiele, in denen sich die Spieler eigene Charaktere erschaffen, stehen bei jungen Menschen zur Zeit hoch im Kurs. „Vielen Jugendlichen fehlt eine Aufgabe“, meint Steegmüller. „Die ganze Suchtproblematik ist eine Frage von Alternativen. In virtuellen Welten können die Jungen und Mädchen in andere Rollen schlüpfen, Identitäten verändern und Aufgaben übernehmen.“

Aufklärungsbedarf bei Müttern und Vätern

Auch Michael Schmitter, Jugendkoordinator bei der Polizei, sieht noch Aufklärungsbedarf bei Müttern und Vätern: „Wir müssen das Bewusstsein der Eltern für neue Medien schärfen.“ Der Polizeibeamte hält Vorträge vor Schulklassen und auf Elternabenden. Dabei macht er auf die Probleme sozialer Netzwerke, Datenschutzverletzungen, illegale Downloads und Cyber-Mobbing aufmerksam. „Wenn die Eltern fragen, wie man die Gefahren des Internets begrenzen kann, rate ich ihnen, sich damit zu beschäftigen.“ Dabei macht Schmitter nicht nur auf Probleme aufmerksam, sondern er bietet auch Lösungen an: So könne man über so genannte Radiotracker ganz legal die Musik von Internet-Radiostationen aufnehmen und so die Gefahr illegaler Downloads umgehen.

„Der Zugang zum Netz ist für die Kinder heute nahezu selbstverständlich. Bereits in der vierten Klasse sind 30 bis 40 Prozent der Schüler in einem sozialen Netzwerk.“ Es sei zwar möglich, Computer mit einer Sicherung zu versehen, „aber das ersetzt nicht die Verantwortung der Eltern.“ Infos gibt‘s auf der Internetseite von Klicksafe und bei der Polizei-Beratung.

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