Mission-Olympic-Finale

„Das hat wirklich keiner verdient“

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Auf die Schnelle hat sich das Video- und Doku-Team einen Regenschutz gebastelt. Das sollte auch zählen...

Offenbach -  155 Nationen, eine Stadt, ein Ziel. Die Mission Olympic ist vorbei. Es wird etwas dauern, bis das Final-Ergebnis feststeht. Doch bleibt bereits festzuhalten: Selbst in der Stadt des Wetterdienstes hat Petrus kein Einsehen. Von Martin Kuhn

Gut gedacht, jedoch zu spät. Viel zu spät. Die „108 Sonnengrüße für Offenbach“ reißen’s am Samstagmorgen nicht mehr raus. Es regnet. Oder besser: Es schüttet. Zum offiziellen Start des olympischen Tages versammeln sich definitiv mehr Protagonisten auf der Bühne als davor. Der hessische Sozialminister Stefan Grüttner, früher selbst aktiver Sportler, gibt in Anschluss die Devise aus: „Ich helfe und sammle Punkte, wo Not am Mann ist...“

Zu Beginn ist’s eigentlich an jeder Station notwendig. Das Schmuddelwetter trübt die euphorische Stimmung nach dem tollen Auftakt (etwa im lokalen Strandklub) am Freitag. Erst später wird’s merklich besser – nicht allein mit dem Wetter.

Die Zwei-Mann-Abordnung aus dem westmünsterländischen Bocholt, Mitbewerber um den Titel der aktivsten Stadt Deutschlands, leidet am Morgen mit. Ullrich Kuhlmann, Geschäftsführer des städtischen Sportverbands, sagt gut beschirmt: „Das hat wirklich keiner verdient.“ Beeindruckt hat ihn und Sportamtsmitarbeiter Thomas Boekhorst die Funzelfahrt der lokalen Rudervereine auf dem Main. Dann gehen die beiden ins Hotel und später im besten olympischen Sinn an die Stationen: „Wir wollen noch ein paar Punkte für Offenbach sammeln.“

Mission Olympic: Finale in Offenbach

Mission Olympic-Finale in Offenbach

Das Mission Olympic Final-Wochenende bewegte die Massen. Unter dem Motto "155 Nationen - eine Stadt - ein Ziel" kämpfte Offenbach um den Titel "Aktivste Stadt Deutschlands". Unzählige Aktionen fanden an mehreren Orten in der Stadt statt.

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Die Bocholter sind bei der Eröffnung bereits mit auf der Bühne und „als Fremdkörper gut integriert“, wie Moderator und Illusionist Dr. Harry Keaton scherzt. Als gebürtiger Offenbacher ist Christian Siegel, Referent im Ressort Breitensport und Sporträume des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), offenbar froh, nach diversen „Krisenszenarien“ wieder den positiven sportlichen und olympischen Geist bei dieser Aktion in den Vordergrund zu stellen. Dass er sich öffentlich zu seiner alten Heimatstadt bekennt, bringt ihm ein Lob von Moderatorin Evren Gezer ein. Daumen hoch für den DOSB-Vertreter!

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Den Daueroptimisten gibt auch der Grünen-Bürgermeister Peter Schneider mit Blick zum Himmel: „Das ist schade, aber wir packen das“, lautet seine ansteckende Devise. Später ist es an Nicole Giese, Fitnesstrainerin der TSG Bürgel, die Funktionäre, Politiker, Repräsentanten und die zwölf Gäste vor der Bühne in Bewegung zu bringen. Schön mitanzusehen ist der kollektive und zumeist annähernd synchrone Gleichschritt zu fetzigen Rhythmen – von Landtagsabgeordneter Heike Habermann bis Stadtverordnetenvorsteherin Sieglinde Nöller, von Sportkreischef Peter Dinkel bis zum Coca-Cola-Unternehmensverantwortlichen Uwe Kleinert.

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Mission Olympic: Sport rund um die Uhr

Mittendrin statt nur dabei: Pascal Behrenbruch. Der Offenbacher Ausnahmeathlet kennt die Unbilden des Klimas: „Wir Zehnkämpfer müssen ja bei jedem Wetter weitermachen. Das schönste ist die Dusche danach.“ Aktuell trainiert Pascal Behrenbruch noch. Erst nach einem finalen Leichtathletik-Treffen im französischen Bordeaux geht’s in den Urlaub.

Bestens gelaunt ist Dragoslav Stepanovic. Der Kulttrainer („Lebbe geht weider“) bekennt, dass er stets davon geträumt habe, bei den Olympischen Spielen dabei zu sein: „Und heute schaff’ ich es. Endlich...“ Typisch Stepi. Aber plötzlich wird der Fußballlehrer auf der Bühne vermisst. Weg. Fort. Verschwunden. Mitten im schönsten Beat. Er winkt eine Minute später lächelnd aus einem Shuttle-Bus und ist unterwegs zur Rosenhöhe. Der serbische Fußballreisende ist mittlerweile Teamchef der hessischen Fußballauswahl für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung: „Um 11 Uhr ist Training.“ Zu spät kommen darf Stepi auf keinen Fall. „Die Jungs sind immer da und top motiviert, selbst wenn’s Steine regnet.“ So ein paar Jungs mehr hätte die Mission an diesem Morgen bestens vertragen...

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