Magistrat legt Details vor

Mission Olympic: Aus dem Ruder gelaufen

+

Offenbach - Die Mission Olympic ging finanziell gründlich daneben: Offenbach hat an den Folgen der Veranstaltung im vergangenen Herbst schwer zu tragen. Nun legte der Magistrat Details vor. Von Thomas Kirstein

Die direkt beteiligten Dezernenten sind erstmal draußen. Zum Thema „Mission Olympic“ und zur Aufklärung spricht offiziell nur noch Stadtrat Dr. Felix Schwenke. Er attestiert den Kollegen Oberbürgermeister Horst Schneider und Bürgermeister Peter Schneider korrektes Verhalten.

Beide hätten sich auf die Versicherung eines erfahrenen leitenden Beamten verlassen, dass die Teilnahme an der Veranstaltung von Coca-Cola und Deutschem Olympischen Sportbund die Stadt unterm Strich nichts kosten werde; 40.000 Euro von den Brause-Amis plus Sponsoring seien ausreichend; für die Stadt sollte es bei Sieg außer Ruhm 50.000 Euro für den Breitensport geben. Als alles im Gang war, so erklärt Schwenke, habe Sportdezernent Peter Schneider mehrfach nachgefragt und sei stets beruhigt worden. Finanzdezernent Horst Schneider habe dann umgehend die notwendigen Schritte eingeleitet, als sich drei Monate nach dem zweitägigen Ereignis Eigenmächtigkeiten des Amtsleiters und nicht zu ahnende finanzielle Dimensionen offenbarten.

„Gravierender Verstoß“

Lesen Sie dazu auch:

Kommentar von Thomas Kirstein

Eingespartes für Mission Olympic verjubelt

Das früh eingeschaltete städtische Revisionsamt erkennt in seinem Bericht vom 15. Januar 2014 indes unter anderem „einen gravierenden Verstoß gegen geltendes Haushaltsrecht“: weil aufgrund der Annahme, dass Sponsorengelder ausreichend seien, auf notwendige Beschlüsse von Gremien verzichtet wurde. OB Schneider, zum Zeitpunkt der Mission-Olympic-Bewerbung im Frühjahr 2012 noch Sportdezernent, betont dagegen, es habe aufgrund der versicherten Kostenneutralität keine Veranlassung gegeben, weitergehenden Segen einzuholen. Bürgermeister Schneider, sein Nachfolger in dieser Funktion, versichert, er hätte alles sofort gestoppt, wenn Kosten für die Stadt ersichtlich geworden wären.

Auf eine Frage von CDU und FDP antwortet Stadtrat Schwenke nun, was seine Kollegen bereits offenbarten: Im August bat Sportamtsleiter Jürgen Weil die Dezernenten, sich bei Sparkasse und EVO um Beiträge für das „Finalevent“ am 7. und 8. September zu bemühen. Gleichzeitig erklärte er (wie auch später am 24. September noch einmal schriftlich), dass die Finanzierung „aus den dem Sportamt zur Verfügung stehenden Mitteln“ ohne Gefährdung anderer Veranstaltungen möglich sei, sollte das Sponsoring – das dann tatsächlich nur 17.300 Euro einbrachte – nicht ausreichen.

Mission Olympic-Finale in Offenbach

Die Schneider konnten wohl nicht ahnen, was mit den „zur Verfügung stehenden Mitteln“ gemeint war: nicht ausgegebene 96.000 Euro aus dem 2012er Budget des Sportamts (es wird immer wieder versichert, dass kein Verein darunter zu leiden gehabt habe), 100.000 aufgrund von Schutzschirm-Vorgaben von der Gebäudemanagement GmbH bei der Sportanlagenpflege eingesparte Euro, eine Gutschrift über 68.000 Euro, die der ESO eigentlich der Bauverwaltung überweisen sollte.

Lesen Sie alles zum Thema:

Vorerst keine Antworten

Koalitions-Empörung über „giftige“ Anzeige

Investition mit bescheidener Wirkung

Mission-Olympic-Skandal: Wer war wann eingebunden?

Dass vorsätzlich Geld für die Mission gebunkert wurde, erschließt sich nicht aus den Revisionsberichten. Es wird aber deutlich, dass in der Stadt, in der um viele Zuschüsse gebettelt werden muss, für dieses „Event“ wohl aufgrund der Entscheidung eines einsamen Herrn andere Maßstäbe galten. Unterlagen belegen, dass das olympische Abenteuer schon früh aus dem Ruder gelaufen und dann kurz vor den großen Tagen auf die Katastrophe zusteuerte. So hat der Amtsleiter Verträge mit einer „Eventagentur“ abgeschlossen, die sich am Ende auf 32.000 Euro summierten – monatliche Überweisungen verhinderten da noch, dass der Beamte seinen Verfügungsrahmen von 12.500 Euro überschritt.

Mission Olympic: Sport rund um die Uhr

Mission Olympic: Sport rund um die Uhr

Die Auswertung der Gesamtkosten durchs Revisionsamt legt den Schluss nahe, dass die Mission, wenn nicht von Anfang an, so doch schon bald nicht mehr als bescheiden unterstützte Mobilisierung ehrenamtlich engagierter Breitensportlern ausgelegt war. Da schlagen ein „Konzept Projektsteuerung“ mit 9520 und ein „Master- und Sponsoringkonzept“ mit 7140 Euro zu Buche, summiert sich Werbung in Zeitungen, Rundfunk und auf Frankfurter Plakatwänden auf 30.000 Euro, da kostet ein VIP-Empfang 7140 Euro, erhalten diverse Musikgruppen und Moderatoren Honorare von ingesamt über 20.000 Euro, da erhalten der Strom- und Wasser-Installateur 43.000 Euro, der Sicherheitsdienst 17.000 Euro und der Sanitätsdienst 20.000 Euro. Um nur mal einige dicke Brocken zu nennen.

In einem Beschluss hat der Magistrat gestern eine juristische Detailprüfung bezüglich haushaltsrechtlicher Vorschriften eingeleitet. Zudem soll eine Arbeitsgruppe Abläufe in der Verwaltung prüfen und Verbesserungsvorschläge machen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare