Mister Rosenhöhe geht auf Reisen

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Ehrenvorsitzender? Na und! Es gibt trotzdem kaum einen Tag, an dem Rudi Opitz nicht auf dem Gelände der SG Rosenhöhe zu treffen ist.

Offenbach - Als Rudi Opitz noch Vorsitzender des Sportvereins SG Rosenhöhe war, füllten an seinen runden Geburtstagen Gratulanten die Vereinsgaststätte. Jetzt ist er nur noch Ehrenvorsitzender, und zu seinem 80. Geburtstag macht die Gaststätte Betriebsferien. Von Lothar R. Braun

Worauf der Ehrenvorsitzende etwas irritiert beschloss, gleichfalls um diese Zeit zu verreisen. Das Ehepaar Opitz feiert fern der Rosenhöhe.

35 Jahre lang, bis 2007, hat Opitz der SG Rosenhöhe vorgestanden. Beigetreten ist er ihr schon als 15-jähriger Jung-Fußballer. Weil er Ende 1945 auch bei der ersten Versammlung in der Gaststätte Bartmann anwesend war, darf man ihn vielleicht sogar den Gründern zurechnen.

1954 wurde er erstmals in den Vorstand gewählt, mit 23 Jahren. Da war noch nicht abzusehen, dass man ihn später einmal „Mister Rosenhöhe“ und „Vater der SG“ nennen würde. Solche Bezeichnungen haben andere geprägt. Ihm selber gelang es, für die SG Rosenhöhe die Marke „Verein mit Herz“ zu erfinden und populär zu machen.

Über Jahrzehnte hat Rudi Opitz der SG Rosenhöhe ein Gesicht gegeben. Und ganz sachte knüpfte er stadtweit ein Netzwerk von Kontakten, das dem Verein auch schwer zugängliche Türen öffnen konnte. Etwa 100 Sympathisanten mit Einfluss umfasste der von ihm berufene SG-Freundeskreis, in dem die meisten Unterstützer nicht einmal Mitglieder des Vereins waren.

Sein Wirken hat ihm viele Ehrungen eingebracht. Mit Ehrennadeln, Urkunden und Medaillen dankten ihm die Stadt Offenbach und das Land Hessen, der Landessportbund und der Turnerbund, natürlich die SG Rosenhöhe, aber auch der Hessische Fußballverband und der Sportkreis Offenbach.

Auch als er noch berufstätig war, traf man den Vorsitzenden beinahe täglich im Vereinshaus. Ehefrau Mareike ertrug es mit Geduld, dass ihm der Treffpunkt auf der Rosenhöhe mitunter zum Zweit-Wohnzimmer wurde. Konflikte konnten daraus nicht entstehen, denn auch die Ehefrau diente dem Verein. 27 Jahre lang fungierte sie als Kassiererin.

An Opitzens Präsenz auf der Rosenhöhe hat das Ausscheiden aus dem Vorstand wenig geändert. Die SG blieb sein Lebensmittelpunkt, und noch immer kann man ihn fast jeden Tag einmal dort antreffen, bei der Kontaktpflege, beim Austausch von Neuigkeiten, beim Plaudern und Erinnern. Nur am 80. Geburtstag gilt das nicht. Da sind Betriebsferien, und der Ehrenvorsitzende ist dann eben verreist.

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