Mit Bildung gegen Vorurteile

Buch für Offenbacher Grundschüler soll interreligiöse Kompetenzen stärken

Die 78 Seiten umfassende Publikation hat eine Auflage von 1000 Exemplaren.
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Die 78 Seiten umfassende Publikation hat eine Auflage von 1000 Exemplaren.

Interkulturelle Kompetenz ist wichtig, vor allem in einer so multikulturell geprägten Stadt wie Offenbach. Damit Kinder sich frühzeitig mit diesem Thema auseinandersetzen können, geben das Kulturamt, das Haus der Stadtgeschichte und die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen gemeinsam das Buch „Orte des Glaubens Grundschulen im interreligiösen Dialog“ heraus.

Offenbach - Mithilfe dieser Publikation sollen Lehrer an Offenbacher Grundschulen den Kindern in der dritten und vierten Klasse grundlegende Informationen zu Judentum, Christentum und Islam vermitteln können. Eingesetzt werden kann das Buch, dass eine Auflage von 1000 Exemplaren hat, im Religions-, Ethik- oder Sozialkundeunterricht.

Gerhard Grandke, Alt-OB und Vorstandsvorsitzender der Kulturstiftung, betont: „Oftmals beruhen Abneigungen gegen andere Religionsgemeinschaften auf fehlenden Kenntnissen. Dem will das Buch entgegenwirken.“ Ignoranz und Unkenntnis seien die Wurzeln vielfältiger gewalttätiger Auseinandersetzungen. „Und hier setzt die Publikation für den interkulturellen und interreligiösen Schmelztiegel Offenbach an.“ In Offenbach sei der Anteil der Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit mit über 38 Prozent am höchsten, so Grandke. Berlin liege im Vergleich nur bei 22 Prozent. „Über 150 Nationalitäten leben in Offenbach zusammen.“

Auch Kulturdezernent und Oberbürgermeister Felix Schwenke sieht das Buch „Orte des Glaubens“ als Möglichkeit, bei den Kindern eine Grundlage für mehr gegenseitiges Verständnis und Toleranz zu schaffen. „Es will jungen Menschen die Vielfalt, aber auch die Nähe zwischen den Religionen vermitteln – und damit mit an der Basis anzusetzen, sich nicht als Fremde, sondern als Schwestern und Brüder zu begegnen.“ Das Projekt zeige, dass Judentum, Christentum und Islam einen gemeinsamen Ursprung haben, der Glaube an einen Gott aber unterschiedlichen Ausdruck finde. „Sie erfahren Gemeinsamkeiten und lernen, Menschen anderer Religionen mit Achtung und Aufgeschlossenheit zu begegnen.“

Wie der Titel bereits nahelegt, geht es dabei nicht nur um allgemeine theologische Konzepte, sondern auch ganz konkret um religiöse Wirkungsstätten in Offenbach. Im Buch vorgestellt sind die Jüdische Gemeinde Offenbach, die Französisch-Reformierte Kirche, die Evangelische Stadtkirche, die Marienkirche sowie die Mevlana Moschee. Deren Vertreter haben den Machern der Publikation nicht nur gestattet, Fotoaufnahmen ihrer Gotteshäuser zu machen, sondern sich auch bereit erklärt, interessierte Grundschüler zukünftig – sobald die Corona-Situation es wieder gestattet – in ihren Räumen zu begrüßen. In der Publikation selbst spiegelt sich das beispielsweise in Form einer besondern Stadtkarte wider, die zu einer Stadtrallye einlädt, bei der die Kinder unter anderem die Gotteshäuser der drei Religionen gegenseitig besuchen.

Felix Schwenke freut sich über den psychologischen Effekt, den „Orte des Glaubens“ durch seine lokale Verankerung entfaltet: „Die Behaltensleistung ist dann am stärksten, wenn ich sie auch an Vor- und Alltagswissen an knüpfen kann. Und genau so arbeitet das Buch: Mit der Erfahrung direkt vor Ort.“

Für die Texte haben die Herausgeber sich Experten ihres Fachs geholt: So ist beispielsweise Harry Harun Behr Professor für Islamische Religionspädagogik und Fachdidaktik des Islamischen Religionsunterrichts an der Frankfurter Goethe-Uni und David Böckling pädagogischer Mitarbeiter im Amt für katholische Religionspädagogik des Bistums Limburg. Manfred Levy leitet den Bereich Bildung im Jüdischen Museum Frankfurt.

Insgesamt 24 000 Euro hat die Herstellung des Buches „Orte des Glaubens“ gekostet, Stadt und Sparkassen-Kulturstiftung stellen jeweils die Hälfte des Budgets. Die aufwändig gestaltete Publikation ist nach Vorbestellung im Haus der Stadtgeschichte, Herrnstraße 61, für Grundschullehrer kostenlos erhältlich.

Infos im Internet

t1p.de/HdS

Von Marian Meidel

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