Auf dem Wochenmarkt zeigen die Fastnachtsvereine Präsenz

Mit „Offenbach Hallau“ gegen die Kälte

Gut gelaunt trotz klirrender Kälte: Mit einem dreifachen „Offenbach Hallau“ begrüßte der OKV die Marktbesucher.
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Gut gelaunt trotz klirrender Kälte: Mit einem dreifachen „Offenbach Hallau“ begrüßte der OKV die Marktbesucher.

Es habe zwar groß in der Zeitung gestanden, aber offensichtlich seien dem Aufruf nicht viele gefolgt, stellt Petra Heckelmann fest, als sie ihren Blick über den Marktplatz schweifen lässt. Um für den ausgefallenen Rummel rund um die Fastnacht an diesem Wochenende ein bisschen zu entschädigen, hat sich der Verein der Offenbacher Marktbeschicker, deren Erste Vorsitzende Heckelmann ist, wenigstens ein kleines Fastnachtsbonbon einfallen lassen:

Offenbach - Jeder Marktbesucher, der kostümiert zum Einkauf auf dem Wochenmarkt am Fastnachtssamstag erscheint, soll eine kleine Überraschung erhalten. Wirklich viele sind nicht gekommen: Es sind vorwiegend Delegationen von Offenbacher Fastnachtvereinen, die der Aufforderung gefolgt sind.

Aber glücklicherweise steckt in Petra Heckelmann eine waschechte Närrin, die sich von dem ausbleibenden Zuspruch nicht die Fastnachtsfreude nehmen lässt: Im Kostüm eines Elefanten mit rosa Ballettröckchen strahlt sie auf dem Wochenmarkt mit der Wintersonne um die Wette. Die Idee der Aktion hätten sich die Marktbeschicker einfallen lassen, erzählt sie, „um ein bisschen Lockerheit in das triste Grau zu holen und vielleicht ein Lächeln in die Gesichter zu bringen.“ Als Überraschung für Kostümträger liegen Süßigkeiten wie Gummibärchen oder Lutscher bereit. Und gegen das triste Grau haben die Marktbeschicker das Wetter auf ihrer Seite: Leuchtend blauer Himmel und Sonne, deren Strahlen sogar ein wenig Wärme durch die klirrende Februarkälte schicken sind beste Voraussetzungen für ein bisschen gute Laune. Vielleicht ist die allgemeine Stimmung aber auch angesichts der noch immer so trostlosen und ungewissen Lage zu gedrückt für die meisten Bürger, um trotz allem ein wenig von der lebensfrohen Karnevalssause nachzuspüren. Gut gefüllt ist der Markt trotzdem: Vor den meisten Ständen bilden sich lange Warteschlangen. In manchen Winkeln des Wochenmarkts herrschen sogar solche „Ansammlungen“ von Besuchern, dass man – ausgehend von den neuen Coronamaßstäben – sogar von einer Art „Gedränge“ sprechen könnte. Den Mindestabstand hier einzuhalten, gelingt daher nicht immer. Immerhin wird die Maskenpflicht beherzigt.

Dass es sich um einen Fastnachtssamstag handelt, würde man nicht vermuten – würde da nicht ab und zu dennoch ein „Offebach Hallau“ über den Markplatz schallen. Das kommt von Mitgliedern aus Offenbacher Karnevalsvereinen, die sich unbeugsam geben und Präsenz zeigen, auch wenn die Fastnacht in ihrem üblichen Gewand in dieser Kampagne stark eingeschränkt werden muss: So streift Petra Heckelmann mit ihren Mitstreitern aus dem Konzert Orchester Offenbach über den Wochenmarkt. In diesem Verein wirkt sie als Kommandeur. Außerdem ist sie Koordinationsoffizier im Marschallamt von Lederanien und mittlerweile seit 53 Kampagnen fest in der Fastnacht verwurzelt. Um hier etwas närrische Stimmung zu verbreiten, dafür hat Heckelmann Zeit: Während die meisten Verkäufer beim Abwiegen und Einpacken ihrer Waren in minus sieben Grad Kälte bibbern, hat sie frei: Sie verkauft normalerweise Gemüse und Pflanzen, hat aber saisonbedingt aktuell keine Ware anzubieten. Die Narren des Konzert Orchesters nutzen den Besuch auf dem Wochenmarkt für den Beweis, dass Corona die Fastnacht im Herzen nicht bezwingen kann: „Wir sind aus Spaß an der Freud hier, aber auch, um zu zeigen: Wir sind nicht eingeschlafen“, erklärt Björn Bergmann aus dem Elferrat.

Närrisches Treiben: Petra Heckelmann (r.) hat sich als Elefant mit Tutu kostümiert.

Noch mehr Fassenachter sind aus dem Offenbacher Karneval Verein (OKV) unterwegs: Vereinsvorsitzender Simon Isser, Hofmarschall Robert Pies und Damen und Herren aus dem Komitee des OKV haben sich pünktlich um 11.11 Uhr zum „Einkaufen“ auf dem Wochenmarkt. Mit den Marktbeschickern pflege der OKV eine enge Freundschaft, erläutert Simon Isser. Die diesjährige Kampagne ist nahezu komplett in den digitalen Raum verlagert worden. Den Aufruf der Marktbeschicker haben die OKVler genutzt, um wenigstens ein bisschen „Karneval analog“ zu erleben: „Deshalb war es für uns ein großes Wiedersehen – wenn auch nur aus der Ferne, weil wir uns ja so im Laufe der Kampagne auch nicht begegnet sind.“

Närrisches im Internet: Als Ersatz für die pandemiebedingt entfallenen Umzüge hat der OKV den letztjährigen Karnevalsumzug durch Offenbach mit Playmobilfiguren nachgestellt. Das Video ist unter www.okv-web.de zu sehen.

Von Jan Schuba

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