Mit offenen Ohren und Herz

Sihem Schamsedin ist eine der ersten „Care-Guides“ in Offenbach

Helfen ist ihre Berufung: Sihem Schamsedin engagiert sich ehrenamtlich.
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Helfen ist ihre Berufung: Sihem Schamsedin engagiert sich ehrenamtlich.

Wenn es darum geht, anderen zu helfen, ist Sihem Schamsedin stets vorne mit dabei. So auch diesmal – wenn auch durch Zufall. Denn als die Integrationshelferin zu einem syrischen Flüchtlingspaar gerufen wurde, gab es die heutigen Pflegelotsen noch gar nicht. Tatsächlich aber leistete sie damals schon deren Arbeit: „Der Mann war krebskrank. Er lebte mit seiner Frau in einem Flüchtlingscamp, sie sprachen kein Deutsch, wussten nicht, an wen sie sich wenden können.“ Schamsedin kümmerte sich um einen Gutachter und den gesamten Papierkram – anders als sonst ging es hauptsächlich um die gesundheitliche Versorgung des Mannes. Dafür musste sie sich selbst erstmal einarbeiten. Und erfuhr so von dem neuen, genau auf dieses Thema bezogenem Projekt „Care-Guides“: einem Kurs, bei dem interkulturelle Pflegelotsen ausgebildet werden.

Offenbach - „Ich wusste gleich: Das will ich machen“, sagt die 46-Jährige, die in Hammersbach im Main-Kinzig-Kreis lebt. So wurde sie Teil der siebenköpfigen Offenbacher Gruppe, die vom Verein „beramí“ begleitet wurde, und wird künftig als arabischsprachige Pflegelotsin überall zur Stelle sein, wo sie gebraucht wird.

Ziel des Projektes ist es, muttersprachliche Lotsen auszubilden, die älteren Menschen mit Migrationshintergrund und deren Angehörigen beratend zur Seite stehen. Es geht darum, dass sie die verschiedenen Beratungs- und Unterstützungsangebote sowie Pflegeleistungen kennenzulernen und in Anspruch nehmen können.

„Das Gefühl zu helfen, ist einfach nur schön“, begründet Schamsedin ihr ehrenamtliches Engagement. Sie ist bereits seit mehreren Jahren als Seelsorgerin und Hospizbegleiterin tätig und Mitglied des Palliativteams „Barmherzige Begleitung“. „Eigentlich genügt es, seine Ohren und Herz dabei zu haben, viel mehr braucht es nicht“, sagt sie. Seelsorge ist für sie einfach nur ein Ausdruck von Menschlichkeit – unabhängig vom Glauben.

In ihrer Arbeit begleitet sie deshalb nicht nur, aber eben zum Großteil Muslime, allein wegen ihrer Sprachkenntnisse. „In Algerien, wo ich herkomme, wird Arabisch gesprochen. Zwar ein anderer Dialekt als beispielsweise in Syrien, aber den beherrsche ich mittlerweile auch fließend“, erzählt sie lächelnd. Mündliche und schriftliche Übersetzungen gehören ebenfalls zu ihren Aufgaben.

Die Corona-Krise wirkt sich selbstverständlich auch auf ihre Arbeit aus. Die persönlichen Kontakte sind stark zurückgegangen. „Das fehlt sehr, denn Menschen, vor allem in schwierigen Situationen, brauchen Nähe“, betont sie. Doch umso mehr klingelt jetzt ihr Telefon. „Die Leute nehmen das Telefonangebot gut an und sind unglaublich dankbar dafür.“

Als Pflegelotsin darf sie den Menschen Hilfe vermitteln, sie jedoch nicht selbst pflegen. Das will sie in Zukunft ändern und möglichst bald eine Ausbildung zur Alten- und Krankenpflegerin beginnen. „Ich habe mich auch in Offenbach beworben und hoffe sehr, dass es klappt.“

Von Veronika Schade

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