Fünfeinhalb Jahre Haft für Erpresser

Mit „psychopathischer Attitüde“ aufgetreten

Offenbach – Seinen 25. Eintrag ins Bundeszentralregister hat Mohammad F. (32) von der 15. Strafkammer des Landgerichts Darmstadt gestern erhalten – in Form eines Urteils wegen räuberischer Erpressung, Raub und Diebstahl (wir berichteten). Fünfeinhalb Jahre Haft inklusive Maßregelvollzug in einer Entziehungsanstalt warten nun auf den Drogenabhängigen.

„Herr F., ich hoffe, dass Sie diese Chance Ihres Lebens nutzen“, sind die Schlussworte des Vorsitzenden Richters Daniel Kästing nach einer kurzen Urteilsbegründung. Verteidiger Dino Lang hatte die acht Fälle allesamt als minderschwer eingestuft und die Forderung der Staatsanwaltschaft von sieben Jahren und einem Monat Gefängnis als überzogen gewertet. Doch im Angesicht von Straftaten unter laufender Bewährung und der vielen und einschlägigen Altlasten sah Kästing keine Möglichkeit, hier Milde walten zu lassen: Da reichten weder Geständigkeit noch einzeln servierte Entschuldigungen bei den Opfern im Zeugenstand.

Denn die leiden teilweise noch heute psychisch unter den Überfällen auf dem Marktplatz, Hauptbahnhof und der Frankfurter Straße im Herbst 2019. „Sie haben sich immer den gleichen Typus ausgesucht: Junge, zurückhaltende, schmale Männer, gerne Studenten, denen sie körperlich überlegen waren. Sie haben nicht nur genervt wie ein Straßenbettler, sondern sie massiv eingeschüchtert!“ wirft der Richter vor. F. baute vor seinen Zielpersonen eine „psychopathische Attitüde“ auf, mit pausenlosem Einreden, Gewaltandrohungen und Erklärungen - wie Staatsanwalt Alexander Betz formuliert. Und dies derart nötigend und effektiv, dass es den Männern weder einfällt um Hilfe zu schreien, noch einfach die Beine in die Hand zu nehmen und wegzurennen.

Insgesamt mehr als 2000 Euro erbeutet der Wiederholungstäter auf diese Art und Weise. Mal wird nur das Portemonnaie geöffnet, in einem Fall nimmt ein 27-jähriger Offenbacher den Wohnsitzlosen sogar mit nach Haus und händigt ihm Bankkarte plus Pin-Nummer aus. Betz resümiert: „Kein Zeuge hat hier übertrieben oder gelogen. Herr K. hat nach dem Überfall monatelang die Wohnung nicht mehr verlassen. Manche Opfer hatten solche Angst, dass sie sich erst nach einem Presseaufruf bei der Polizei gemeldet haben.“ Der psychiatrische Sachverständige Dr. Peter Haag bescheinigt F. eine Polytoxikomanie und dissoziale Persönlichkeitsstörung, jedoch keine verminderte Schuldfähigkeit - allenfalls eine Enthemmung durch den Drogenkonsum.

Von Silke Gelhausen

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