SPD stellt Kandidaten für die Kommunalwahl auf / Kritik aus Gruppierungen

Mit Schwenke als Speerspitze

Acht der ersten zehn der sozialdemokratischen Liste: Mit Ausnahme von Spitzenkandidat Felix Schwenke (Dritter von links) werden nach aller Wahrscheinlichkeit von rechts) Yasmin Mahlow-Vollmuth, Fraktionschef Martin Wilhelm, Stadtverordnetenvorsteher Stephan Färber, Juso-Chefin Hibba Kauser, Fraktions-Vize Gertrud Marx, Parteivorsitzender Christian Grünewald und Helena Wolf im Stadtparlament vertreten sein.
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Acht der ersten zehn der sozialdemokratischen Liste: Mit Ausnahme von Spitzenkandidat Felix Schwenke (Dritter von links) werden nach aller Wahrscheinlichkeit von rechts) Yasmin Mahlow-Vollmuth, Fraktionschef Martin Wilhelm, Stadtverordnetenvorsteher Stephan Färber, Juso-Chefin Hibba Kauser, Fraktions-Vize Gertrud Marx, Parteivorsitzender Christian Grünewald und Helena Wolf im Stadtparlament vertreten sein.

Offenbach – Als „Team aus jungen Frauen, Arbeitnehmern und Felix Schwenke“ präsentieren die Offenbacher Sozialdemokraten ihre am Samstag in der Stadthalle abgesegnete Liste für die Kommunalwahl im März. Der Name des Oberbürgermeisters wird nicht ohne Grund hervorgehoben: Platzieren ihn die Genossen doch als Spitzenkandidaten und nehmen diesmal vorweg, was die Wähler vor vier Jahren durch Kumulieren und Panaschieren bewirkten. Damals hatte der als Magistratsmitglied abgewählte Schwenke die eigentliche Frontfrau Gertrud Marx überholt.

Unterbezirksvorsitzender Christian Grünewald hat in seiner Rede vor den Delegierten klar gesagt, was in der zuständigen Kommission die Zusammenstellung der Liste und das Zuordnen der aussichtsreichen vorderen Plätze beeinflusste: „Die Frage war: Wer zieht viele Stimmen und hilft dabei mit, dass die SPD vom ersten Tag der Briefwahl an bis zum 14. März 2021 die stärkste Partei wird?“

Gegenwärtig ist sie das, darf aber als Fraktion nicht mitregieren. Ihr direkt gewählter Oberbürgermeister muss sich mit der aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern gebildeten Tansania-Mehrheit arrangieren. Der attestiert SPD-Fraktionschef Martin Wilhelm in seinem Beitrag, sie agiere ohne klare Vision und Kompass, jeder Partner verfolge nur seine Einzelprojekte. Die „zupackende Arbeitsweise“ von OB Felix Schwenke werde dagegen immer wieder ausgebremst. Die SPD müsse deswegen wieder eine Regierungsmehrheit stellen.

Um das zu erreichen, soll auch die Popularität des Direktwahlsiegers von 2017 ausgenutzt werden. Es wäre dumm, seinen Bekanntheitsgrad nicht auszunutzen, sagte Parteichef Grünewald: „Ich habe ihm gesagt, dass er seine Prominenz in den Dienst für den Kampf für mehr sozialdemokratische Politik in Offenbach stellt.“ Er habe sich Bedenkzeit erbeten, dann aber als mutiger Teamplayer zugesagt.

„Je stärker meine Arbeit unterstützt wird, desto mehr kann ich erreichen. Mit einem Team ist jeder stärker als alleine, selbstverständlich auch ich“ begründete die neue Speerspitze Schwenke ihre Bereitschaft.

Wie andere Parteien auch schöpft die SPD die Höchstzahl von entsprechend der Parlaments-Größe 71 Kandidaten nicht ausgeschöpft. Die Beschränkung auf 50 liegt aber nicht an einem Mangel an Zählbewerbern, sondern an einer strategischen Rechnung: Für die Gesamtliste – und nicht auf einzelne Köpfe verteilte – Wählerstimmen kommen so den Kandidaten auf den vorderen Plätzen zugute.

Ihre aktuelle Liste bezeichnet die SPD als „deutlich runderneuert“. Erstmals seit Jahrzehnten stellten aktiv im Berufsleben befindliche Angestellten und Arbeitnehmer sowohl unter den ersten zehn als auch unter den ersten zwanzig sowie dreißig Plätzen die Mehrheit. „Besonders stolz“ präsentierte „gleich vier intelligente, junge Frauen“ unter den ersten Zehn: die Trägerin des Integrationspreises der Stadt Offenbach, Hibba Kauser, Helena Wolf, Lauren Schabacker und Yasmin Mahlow-Vollmuth. Dass die letzten beiden auch junge Mütter seien, belege, dass es die SPD schaffe, auch junge Eltern in der politischen Arbeit zu halten. Angeführt wird die Riege der Frauen von Gertrud Marx, erfahrene Sozialpolitikerin, langjährige Stadtverordnete und in Tempelsee bestens vernetzte Sozialdemokratin.

Bei den vorderen Männerplätzen gab es außer der Spitzenkandidatur von Felix Schwenke keine Überraschungen. Stadtverordnetenvorsteher Stephan Färber, ein bekennender Bieberer, sowie Parteichef Grünewald und Fraktionsvorsitzender Martin Wilhelm stehen auf den vorderen Plätzen.

Als weiterer Akzent kandieren auf der Liste der SPD auch wieder zahlreiche Parteilose, darunter der Vorsitzende des Ausländerbeirats Abdelkader Rafoud, Hrissi Goutzikidou von der griechischen und Dr. Adriana Marinescu von der rumänischen Gemeinde. Mit diesen ebenso wie mit Hibba Kauser, Carmela Dinice-Lehmann, Ida Todisco und Fatih Ayhan will die SPD auf ihrer Liste zudem die Diversität der Stadtgesellschaft zumindest in Teilen abbilden.

Außerdem erhielt der ehemalige Vorsitzende der Freien Wähler, Ingo Wernig, einen aussichtsreichen Platz. Auf den hinteren Plätzen finden sich weitere prominente Namen, beispielsweise das Rumpenheimer Feuerwehr-Urgestein Gerd Lang oder der Vorsitzende des KGV Lehmfeld Rolf Krämer.

Die Zufriedenheit der Parteispitze mit dem Namenskatalog wird freilich nicht vorbehaltlos geteilt. Kritik kam unter anderem vom Arbeitnehmerflügel und vom Ortverein Innenstadt.

Dessen Mitglied Irene Shafqat sprach sich dafür aus, die auf dem kaum Erfolg versprechenden Platz 24 gelandete Intensiv-Krankenschwester Gabriele Siefke weiter noch vorne zu setzen. Kritik gab es auch daran, dass sich der gerade erst für Grete Steiner nachgerückte, und seit Jahren engagierte Unterbezirks-Schriftführer André Veit mit Platz 31 begnügen muss.

Die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen mag sich kaum damit abfinden, dass ihr Vorsitzender Stefan Metz nur 33. ist. Verärgerung deswegen brachte auch Rolf Chiout, Vize-Vorsitzender der Gruppierung 60 plus, zum Ausdruck. Sarah Burhenne, Vorsitzende von SPDqueer, brachte ihr Befremden vor, dass niemand der bekennenden Schwulen, Lesben und Transgender auf der Liste sei.

Geändert wurde nichts. Bauexperte Alpdug Taskin war kurzfristig von der Liste gegangen, da er auch nur innerhalb der 30er Plätze nominiert worden war.

Von Thomas Kirstein

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