Verfahren gegen einen der Angeklagten eingestellt

Schmiergeld kassiert für Druckmaschinen?

Offenbach - Vor dem Landgericht Darmstadt ist gestern ein „Nebenschauplatz“ des vertagten großen Schmiergeldprozesses gegen sechs ehemalige Vertriebsleiter und Vorstände des einstigen Druckmaschinenherstellers MAN Roland eröffnet worden. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

In dem Ableger-Prozess müssen sich zwei der angeblichen Bestechungsgeldempfänger verantworten – der 64-jährige Wolfgang S. aus Bad Lauterberg, zur Tatzeit Geschäftsführer einer Harzer Druckerei, und der 55-jährige Erwin M. aus Gratkorn in der Steiermark, zur Tatzeit selbstständiger technischer Berater für verschiedene Medienunternehmen. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden vor, Schmiergelder von MAN Roland kassiert zu haben. Am 9. Oktober 2006 soll S. in Zusammenhang mit dem Kauf einer knapp acht Millionen Euro teuren Druckmaschine 80.000 Euro erhalten haben. Auf das Schweizer Konto von M. soll am 20. April 2007 die letzte von drei Teilzahlungen in Gesamthöhe von 484 000 Euro geflossen sein. Dafür habe er der Firma Fellner Medien entscheidende Empfehlungen gegeben, für eine Tageszeitung in Österreich eine Druckmaschine für 13,2 Millionen Euro von MAN Roland zu kaufen, was diese dann auch tat.

Die Schmiergeldbeträge sollen in beiden Fällen von MAN Roland zur Refinanzierung versteckt in Rechnung gestellt worden sein. Wobei das Geld nicht über die Offenbacher Zentrale floss, sondern über die Schweizer Vertriebstochter Votra in Lausanne. Statt neue Vertriebswege und Kunden zu akquirieren, soll diese Tochtergesellschaft ab 2001 nur dem Zweck gedient haben, Schmiergelder freizusetzen – was auf diese Weise geschehen sein soll: Votra stellt für nicht erbrachte Beratungsleistungen Rechnungen an die Muttergesellschaft, MAN Roland bezahlt an die Tochter. Das durch diese Scheinrechnungen freigesetzte Geld soll in mindestens acht Bestechungsfällen zur Erlangung von Aufträgen verwendet worden sein – insgesamt 1.172.900 Euro.

Demonstration der „manroland“-Mitarbeiter

Nach Verlesung der umfangreichen Anklageschrift regte der Vorsitzende Richter ein Gespräch zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigern an. Nach 30-minütiger Beratung setzte die Kammer die Verhandlung fort, in deren Folge das Verfahren gegen S. ohne Aussage des Angeklagten gegen eine Geldauflage von 30.000 Euro ohne nähere Begründung eingestellt wurde. Bleibt der Angeklagte M.: Der gelernte Drucker gibt zu, von Votra besagte Geldsumme in drei Raten erhalten zu haben, die aber alle erst nach Vertragsabschluss geflossen seien. In einer ausführlichen Einlassung erklärt er den genauen Ablauf seiner Doppelberatertätigkeit. Sehr plausibel legt er dar, dass diese Gelder keineswegs Schmiergelder gewesen seien, sondern Boni für erfolgreiche Projektabschlüsse und unbezahlte „Überstunden“. Das einzige, was man ihm anlasten könne, so M., sei sein Schweizer Konto, das er extra für diesen Zweck eröffnet habe, um Einkommensteuern zu umgehen. Der Prozess wird fortgesetzt.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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