Mitgefühl nach Foul

Hallenturnier für die Mädchenfußball-Arbeitsgemeinschaften

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Anschnitt vorm Anpfiff: Schulsportkoordinatorin Heike Nuber, die Kickerinnen und die Torte.

Offenbach - Jürgen Weil erzählt aus tristen Kapiteln der Geschichte des deutschen Frauenfußballs. Von Stefan Mangold

Von Wim Thoelke etwa, der als Moderator des Sportstudios in Herrenwitzmanier ein Spiel kommentierte: „Da hat Mutter eine wunderbare Flanke nach links gegeben“; „Nicht aufregen, die Frauen waschen doch ihre Trikots selber“. Vom DFB, der Frauenfußball bis 1970 unter seinem Dach verbot. Vom Kaffeeservice, das die Spielerinnen der Nationalmannschaft 1989 für ihren Europameistertitel als Prämie erhielten.

Ein Ereignis wie das am Samstag, als die Mädchen der Offenbacher Schul-AGs erstmals bei einem Hallenturnier in der Mathildenschule gegeneinander antreten, wäre zu früheren Zeiten undenkbar gewesen. „Insgesamt machen 200 Schülerinnen in 13 Mannschaften mit“, nennt Jürgen Weil die Zahlen. Der Leiter des Sportbüros der Stadt organisierte die Veranstaltung. Am Ende gibt es sowohl in der Altersklasse zwischen acht und elf, als auch in der von elf bis vierzehn Jahren einen Sieger.

Seit 2010 kicken die Mädchen

Seit 2010 kicken die Mädchen als Teil des Schulunterrichts in den AGs. Was Weil besonders freut, sind die 90 Prozent Mädchen aus Einwandererfamilien. Das spiegele die in Offenbach lebenden Nationen ungefähr wider. Weil will freilich nicht ausschließen, dass das eine oder andere Mädchen gerne teilgenommen hätte, von den Eltern aus religiösen oder kulturellen Gründen daran gehindert worden sei. „Um eine relevante Größe handelt es sich offensichtlich aber nicht“, meint er.

Ein Ereignis auf dem Spielfeld unterstreicht die These, Frauen seien mitfühlender als Männer. Als zwei Mädchen im Kampf um den Ball aufeinander prallen, fällt eine hin und hält sich schmerzverzerrt das Gesicht. Ihre Gegenspielerin trägt keine Schuld an ihrem Leid, eine Szene also, die zum Fußball gehört, wie das Nasswerden zum Schwimmen. Die Schülerin ist jedoch über ihr vermeintliches Foul so erschrocken, dass es wirkt, als spüre sie den Schmerz noch heftiger als das Mädchen am Boden. Das kommt jedoch rasch wieder auf die Beine.

„Wenn du mit Jungs trainierst, bekommst du die nötige Härte“

„Wenn du mit Jungs trainierst, bekommst du die nötige Härte“, spricht Mirella Junker (22) aus Erfahrung. Sie studiert in Frankfurt Sportwissenschaften und betreut als Trainerin die AGs an der Humboldt- und der Leibnizschule. Junker spielt in der U 23 des FFC Frankfurt zweite Bundesliga. Von der F- bis zur C-Jugend kickte sie für die SG Rosenhöhe bei den Jungs. Die Akzeptanz sei kein Problem gewesen: „Ich war auch Kapitän.“ Von manchem Gegenspieler habe sie jedoch den einen oder anderen mitbekommen, weil der es nicht ertragen konnte, wenn ihn ein Mädchen ausspielte.

Wesentlich verhaltener geht es bei den AGs zu, aus denen sich bisher schon 25 Vereinsspielerinnen für die SG Wiking und den OFC rekrutierten. „Es gilt in erster Linie, den Spaß am Fußball zu vermitteln“, sagt Junker.

Beeindruckende Szenen auf dem Spielfeld

Auf dem Spielfeld gibt es beeindruckende Szenen. Etwa die, bei der Amira den Ball zum 2:0 für die Edith-Stein-Schule im Spiel gegen eine Mischmannschaft aus Leibniz- und Geschwister-Scholl-Schule in die Maschen hämmert. Gern würde Amira für einen Verein spielen: „Aber mit der Schule habe ich zu viel zu tun.“ Ähnlich humorlos versenkt Janin schon nach Sekunden für die Anne-Frank-Schule gegen die Buchhügelschule.

Die neunjährige Segma im Tor hält nicht nur zupackend, sondern hat sich auch bei Nationaltorwart Manuel Neuer was abgeschaut: Sie wirft den Ball ganz schnell übers halbe Feld präzise in den Lauf einer Mitspielerin. Die bleibt jedoch an der Torfrau von gegenüber hängen.

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