Mitmachkonzert „Klasse! Wir singen“ in der Stadthalle

Lieder ohne Lampenfieber

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Alle machen mit: Etwa 5000 Kinder waren bei dem bis ins Detail bestens organisierten Konzert „Klasse! Wir singen“ die Stars in der Stadthalle. Gemeinsam haben sie fast vergessene und zeitgenössische Lieder geschmettert. Zu jedem Hit gab’s eine eigene Choreografie. 

Offenbach - Buntes Scheinwerferlicht, rammelvolle Besucherränge, ein halbes Dutzend Tontechniker: Bei „Klasse! Wir singen“ in der Stadthalle ging es zu wie bei einem Rockkonzert. Doch statt Frontmann, Gitarrist und Co. waren etwa 5000 Kinder aus Schulen der Region die Stars. Von Sarah Neder 

Unter der Leitung von Gerd-Peter Münden sorgten sie mit fast vergessenen Liedern für Gänsehaut. Der Mann in orange ist Moderator, Vortänzer, Dirigent, Organisator: Gerd-Peter Münden steht beim Konzert seines Projekts „Klasse! Wir singen“ wortwörtlich im Mittelpunkt. Er winkt, singt, springt auf einem Podest im Zentrum der Stadthalle. Dort können ihn alle sehen. Um ihn herum: Kinder. Tausende Kinder. Kleine, Große, Jungen, Mädchen. Wo das Auge hinreicht, reihen sich kleine Köpfe wie Perlen aneinander, bewegen sich Münder zum Liedtext, der auf einer großen Leinwand angezeigt wird. Die einzelnen Stimmchen verschmelzen zu einem gigantischen Kinderchor, der nicht nur die Eltern und Großeltern im Publikum berührt.

Bei den insgesamt vier Konzerten am Freitag und am Samstag haben rund 5000 Schüler mitgemacht. Dieses Format ist nicht nur für Offenbach eine Premiere gewesen. Zum ersten Mal hat es in Hessen halt gemacht. Zuvor sorgte es aber beispielsweise in Hamburg oder Köln schon für ausverkaufte Säle. Wer bei so vielen Kindern an einen wilden Haufen Heranwachsender denkt, liegt allerdings voll daneben. Die Nachwuchs-Sänger gehorchen brav jedem Kommando, das ihnen Gerd-Peter Münden gibt. Verbeugen sich, wenn sie sich verbeugen sollen, setzen sich, wenn sie sich setzen sollen. Zwischen ihren Einsätzen sind sie mucksmäuschenstill. Und Lampenfieber fehlt auch jede Spur.

Vor zehn Jahren hat Gerd-Peter Münden die Veranstaltung gemeinsam mit Lehrern, Eltern und Chorleitern auf den Weg gebracht. Das Ziel des Projektes erläutert der ehemalige Domkantor in seiner Moderation: „In unserer Gesellschaft gibt es schon genug Wettbewerb – wir müssen wieder mehr gemeinsam machen.“ Es fällt nicht schwer, dieser Aufforderung nachzukommen. Denn der Mann mit dem orangenen T-Shirt bezieht nicht nur die Klassen und deren Lehrer ein, sondern auch Väter, Mütter, Brüder, Schwestern. Die Grenzen zwischen den kleinen Künstlern und dem Publikum verwischen – beispielsweise bei dem Lied „Bruder Jakob“, das in einen vierstimmigen Kanon ausufert, bei dem jeder mitmacht. Und Konzertleiter Münden setzt noch einen obendrauf: „Jetzt singen alle in ihrer Muttersprache!“

„Klasse, wir singen“ in der Stadthalle Offenbach: Bilder

Außerdem auf dem Programm stehen Klassiker wie „Meine Tante aus Marokko“, „Ich wollt’ ich wär ein Huhn“ oder „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ aus dem Disney-Film „Das Dschungelbuch“. Musik kann aber noch mehr, als Spaß bereiten. Nämlich wichtige Werte weitergeben. „Es gibt Lieder, die aus Kindern gute Menschen machen“, leitet Münden einen Song ein, der sich um die Bewahrung unseres Planeten dreht. Ein anderer widmet sich dem Thema Integration. In einer kleinen Aufführung zeigt eine Gruppe Kinder, wie es am besten gelingt, neue Schüler aufzunehmen, die anders aussehen oder eine andere Sprache sprechen als der Rest.

Das hinterlässt Eindruck. Genau wie die Kulisse, vor der die jungen Chormitglieder singen dürfen. „Hier hat schon Iron Maiden gespielt“, erzählt ein Junge mit großen Augen einem Klassenkameraden am Rande der Veranstaltung. Aber an diesem Tag sind sie die einzigen Stars in der Stadthalle.

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