Mittellinie als Maß der Dinge

+
Der Interessengemeinschaft ist klar: Sie haben keinen direkten Einfluss darauf, wie das künftige Fußballstadion am Bieberer Berg aussieht. Vereinfacht: Die Stadtwerke bauen es, die Kickers nutzen es.

Offenbach ‐  Der Interessengemeinschaft ist klar: Sie haben keinen direkten Einfluss darauf, wie das künftige Fußballstadion am Bieberer Berg aussieht. Vereinfacht: Die Stadtwerke bauen es, die Kickers nutzen es. Von Martin Kuhn

Von wegen! Die IG Stadionbau – derzeit etwa 50 Mitglieder stark – argumentiert eigentlich schlüssig: „Der Stadionneubau wird größtenteils durch öffentliche Gelder finanziert. Deshalb halten wir es für eine Selbstverständlichkeit, dass wir als Besucher und Steuerzahler ein Wörtchen mitreden.“ Antje Hagel nennt das gern eine „demokratische Beteiligung“. Beim OFC scheint das zu funktionieren, ein sogenannter fruchtbarer Dialog.

Der Austausch funktionierte auch mit der Stadtwerke-Holding – bis zum Ausscheiden des Prokuristen Dieter Lin dauer. „Seitdem ist die Kommunikation unterbrochen“, klagt Peter Rottschalk, einer der IG-Sprecher. Für die neue interne Ausrichtung haben alle Verständnis, hoffen aber auf baldige Kontaktaufnahme. Zu unterbreiten haben die Fans einiges, wenn’s ums zukunftsweisende Projekt geht, für das 25 Millionen Euro veranschlagt sind.

Die Hälfte der Befragten will eine Backsteinfassade, die das Image als „Arbeiterverein“ stärken soll.

Aus mehr als 400 Wünschen, die die rot-weiße Anhängerschaft auf der eigens eingerichteten Homepage äußerten, filterte das Team um Volker Goll, Peter Rottschalk, Matthias Schmidt und Bernd Stevermüer zunächst 28 Fragen. Diese beantworteten 1649 OFC-Fans – gut ein Viertel des Zuschauerschnitts bei Heimspielen auf dem Berg. Repräsentativ? Wahrscheinlich. Stevermüer gibt zu bedenken: „Wir sind zwar ein überschaubares Publikum; aber viele sind Stammgäste.“
Details zu den Teilnehmern: 86 Prozent Männer, Altersschnitt 36 Jahre, im Schnitt seit 1982 Berg-Gänger, 56 Prozent sind Dauerkartenbesitzer, 70 Prozent stehen auf der Gegengeraden. Wer ab und zu einer Drittligabegegnung beiwohnt, erkennt darin die übliche Fangemeinde.

Umsiedlung hinter die Tore lehnen die Fans ab

In einer Art Positionspapier hat die IG ihre Erkenntnisse zusammengefasst. Wichtigster Punkt: Die OFC-Fans wollen ihre Stehplätze in Höhe der Mittellinie behalten. Das stufen 73,3 Prozent als sehr wichtig ein, weitere 14,4 Prozent als wichtig. Goll: „Es ist eine Besonderheit, die man in den ersten vier deutschen Ligen sonst vergeblich sucht.“

Eine Umsiedlung hinter die Tore – der übliche Ort für Stehplätze – lehnen die Fans vehement ab. Daraus resultiert ein Stadion mit vier Tribünen – also offenen Ecken – in Anlehnung an die klassische, englische Kampfbahn (sehr wichtig: 20,2 %, wichtig: 16,4 %). Nach Meinung der IG könnten diese Kurven später geschlossen werden, was eine sinnvolle Option zur Stadionerweiterung wäre.

Alle Fragen und Antworten der Umfrage zum Nachlesen und Herunterladen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Fans in der ersten Ausbaustufe eine Kapazität von mehr als 20 000 Zuschauern fordern (sehr wichtig: 38 %, wichtig: 34,8 %). Rottschalk: „Letztlich drückt das Votum die Befürchtung vieler aus, dass man im Grunde nur für die Zweite Liga plant.“ Die Rückkehr ins Fußballoberhaus möchte mancher als Vision schon mal umgesetzt wissen.

Klingt selbstverständlich, ist es aber nicht: Freie Sicht auf das Spielfeld  (sehr wichtig: 84,2 %). Goll: „Wer schon mal in Bielefeld war, weiß so einen Punkt zu schätzen.“ Zudem denken die Offenbacher an auswärtige Fans, für die sie „gastfreundliche Bedingungen“ wünschen.

Zusammenfassend sagt Goll: „Es wäre dumm, die Fans nicht von Anfang an zu hören und einzubeziehen – wie etwa in Mainz.“ Und am Ende murmelt einer die endgültige Botschaft: „Alles, bloß nicht Paderborn...“

Kommentare