Mobiler Lesestoff für alle

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Gestern wurde sie offiziell eingeweiht: Die neue Fahrbibliothek der Stadt versorgt (wie der alte Bücherbus) die Stadtteile und fährt Schulen an.

Offenbach - (siw) Kartoffel-, Eier- und Gemüsehändler sind heute nur noch selten unterwegs, um in den Stadtteilen ihre Waren anzubieten. Doch die Versorgung mit Büchern, Spielen, CDs und DVDs ist in Offenbach gesichert. Seit 13. Februar ist eine neue Fahrbibliothek unterwegs, die diejenige beliefert, die die Bücherei in der Innenstadt nicht gut erreichen können - ältere Menschen, Mütter mit Kindern.

Gudrun Kulzer, neue Leiterin der Stadtbibliothek, versteht die rollende Bücherei deswegen auch als einen Beitrag zur Chancengleichheit in Sachen Leseförderung und Literaturversorgung. Der Bücherbus erreiche auch Schüler aus sozial schwachen Familien. Die Stadt lässt sich das 323 000 Euro kosten, während andere Kommunen sich diese Investition sparen und inzwischen Bücherbusse abschaffen. Allerdings sei die mobile Bücherei in einer Stadt ohne Zweigstelle auch unverzichtbar und immer noch preiswerter als eine Filiale, meint Kulzer.

Bestimmt wird er im Volksmund weiter so heißen, aber das neue Gefährt ist kein Bücherbus mehr: Ein Lkw von Mercedes wurde von der Firma Karosserie Hartmann aus Alsfeld mit einem Aufbau bestückt, den ein buntes Design schmückt. Eine Folie mit bunten Büchern, Schachfiguren, CDs und Scrabble-Würfeln macht das Mobil zum Blickfang. Schließlich hofft die Bibliotheksleiterin, noch mehr Kunden mit dem Lesevirus infizieren zu können.

Das neue Mobil sei bei den Nutzern bereits gut angekommen, sagt Dina Herde, Leiterin der Fahrbibliothek. Der Innenraum ist großzügiger, modern und übersichtlich gestaltet. Die neue Präsentation lenkt den Blick schnell auf DVDs, CDs und Lernsoftware. Ein Nutzer-Laptop hilft beim Suchen im Katalog.

Das Konzept Bücherbus legt großen Wert auf die Koordination zwischen Schulen und Bücherei und bietet Klassenführungen für Leseanfänger. Die Fahrbibliothek verzeichnet 42 828 Ausleihen im Jahr und hat aus einem Bestand von etwa 16 000 Medien rund 5 000 täglich an Bord. Zwei Drittel der wöchentlich rund 1000 Leser an den 13 Stopps (acht Schulen, fünf Wohngebiete) sind Stammkunden.

Im Gegensatz zum alten Bus, der 28 Jahre und 99 000 Kilometer auf dem Buckel hatte, hat das neue Mobil eine Klimananlage, eine richtige Toilette, zwei Arbeitsplätze mit Laptops, die die Wartezeiten an den Haltepunkten erheblich verkürzen. Groß ist auch die Freude bei Fahrer Ali Ganjali: „Der alte Bus musste dauernd in die Werkstatt“, sagte er. Der Reparaturaufwand hatte in keinem Verhältnis zur Neuanschaffung gestanden.

Die offizielle Einweihung des Bücherbusses, den Oberbürgermeister Horst Schneider gestern mit Mainwasser taufte, ließ sich auch der frühere Bibliotheksleiter Ernst Buchholz nicht entgehen. Schließlich ist das Gefährt „sein Kind“, wie Schneider sagte. Und über dieses werde er sich jedesmal freuen, wenn er ihm auf Offenbachs Straßen begegne, sagte Buchholz.

Der Weg zur neuen Fahrbibliothek durch die Entscheidungsebenen hatte gut drei Jahre gedauert und so manchen unplanmäßigem Stopp gebracht: Dabei waren zahlreiche finanzielle, aber auch technische Details wie Schadstoffwerte zu klären gewesen.

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