Mit der Injektion unterwegs

Mobiles Impfteam besucht Offenbacher Moschee

Ein Pieks und dann ein Pflaster drüber: Das mobile Impfteam hat in der Yavuz-Selim-Moschee Station gemacht.
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Ein Pieks und dann ein Pflaster drüber: Das mobile Impfteam hat in der Yavuz-Selim-Moschee Station gemacht.

Im Impfzentrum in der Stadthalle und mittlerweile auch bei den Hausärzten in Offenbach wird fleißig geimpft. Spätestens mit der im Juni zu erwartenden Aufhebung der Impfreihenfolge sollen die Angebote zur Immunisierung ausgeweitet werden, um das Tempo der Kampagne noch weiter nach oben zu treiben: Mobile Impfteams werden sich auf den Weg machen, um unter anderen in Vereinen, religiösen und sozialen Einrichtungen vor Ort zu impfen.

Offenbach - Am frühen Montagnachmittag wurde dieses in einem kleinen Testlauf schon mal geprobt: Zehn Offenbacher Bürgerinnen und Bürger durften sich beim Besuch des Teams aus dem Impfzentrum in der Ditib Yavuz-Selim-Moschee ihre erste Injektion mit dem Vakzin von Biontech setzen lassen.

Die improvisierte Impfstation befindet sich in dem großen Zeltpavillon neben dem eigentlichen Gebäude: Am Einlass werden Unterlagen und Daten gewissenhaft kontrolliert, dann geht es auch schon weiter zum Impfplatz. „Ich habe Angst vor der Spritze“, gibt der gestandene Mann zu, als er sich mit freigelegtem Oberarm in die Hände der in weiß bekleideten Dame begibt, die ihm einen Augenblick später den immunisierenden Impfstoff in den Muskel injiziert. Aber der Pieks geht so schnell, dass die Angst eher der Verblüffung weicht. Bei dem Herren, der im Anschluss auf dem schwarzen Stuhl Platz nimmt, schwingt offenbar eher die Freude über die anstehende Impfung mit, zumindest ist hinter seiner FFP2-Maske ein Lächeln zu erahnen. Der Moscheevorsitzende Selim Tunc schaut dabei über die Schulter.

Anderthalb Wochen zuvor war bereits ein mobiles Team zur Schnelltestung vor dem Gebet in der Moschee an der Bleichstraße sowie in der Mevlâna Gemeinde an der Sandgasse aufgeschlagen. Aus dieser Testaktion initiierte und organisierte die Offenbacher Berufsfeuerwehr, die als Teil der Katastrophenschutzbehörde für die Impfplanung unter der Federführung von Projektleiter Niko Kern zuständig ist, den auswärtigen Impftermin am Montag. Hierfür wurden von der Gemeinde zehn Mitglieder kontaktiert, die mit einem Alter von über 60 und ihrem Wohnsitz in Offenbach die Voraussetzung für die Impfberechtigung erfüllten. Drei Frauen und sieben Männer erhielten die schnelle Spritze mit der ersten von zwei Impfdosen, die vor der Infektion und schweren Verläufen von Covid-19 schützen sollen. Für das Impfteam bot dieser Testlauf gleichzeitig eine Gelegenheit, die Abläufe und Gegebenheiten bei einem solchen Auswärtstermin zu erproben.

Ein zusätzlicher Aspekt der Aktion in der Moschee ist die Möglichkeit, hier auch gezielt Bürgerinnen und Bürger mit migrantischem Hintergrund anzusprechen: „Wir sehen hier großen Bedarf“, erläutert Fabian El Cheikh, Leiter des städtischen Amtes für Öffentlichkeitsarbeit, „gerade auch wegen der Sprachbarrieren.“ Durch die direkte Ansprache können die Bürger auch jenseits der klassischen Medien abgeholt werden, um einen erheblich leichteren Zugang zu Informationen zu erhalten.

So kann etwa auf Fragen, aber auch auf Bedenken und Ängste gezielt eingegangen werden – bei der Aktion am Montag stand dem Impfteam ein türkischsprachiger Arzt zur Seite, der bei Bedarf zwischen Team und Patienten vermitteln konnte. Dieser Mehrwert nimmt eine wichtige Rolle in der Planung mobiler Impfungen ein: Neben Einrichtungen wie beispielsweise Quartiersbüros liege der Fokus auch auf migrantischen Vereinen, so Fabian El Cheikh.

Von Jan Schuba

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