Der erste Eindruck

Offenbach - Paris, Mailand, New York? Wer mal wie ein echtes Model über den Laufsteg stelzen möchte, muss gar nicht so weit reisen. Offenbach tut‘s auch. Am Freitag und Samstag zumindest lag der rote Teppich im dritten Obergeschoss des Modehauses M. Schneider für angehende Mannequins bereit. Und blieb nicht ungenutzt. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Rund 100 Menschen zwischen 15 und 60 Jahren aus Offenbach, Heusenstamm, Mühlheim, Frankfurt und Obertshausen folgen dem Ruf. Die Männerquote ist ordentlich, etwa zehn Prozent. Wer hier ist, nutzt die Gelegenheit, sich in überzeugendem Auftreten nach Art bekannter Supermodels zu üben. Mancher, der im ersten Versuch noch mit einem unsichtbaren, trotzdem präsenten inneren Schweinehund Gassi zu gehen scheint, lockert sich schnell. Modehaus-Geschäftsführer Stefan Becker genießt den Anblick. „Wir machen so eine Veranstaltung in dieser Form zum ersten Mal. Mit Ablauf und Beteiligung sind wir sehr zufrieden.“

Mindestens zwölf Bewerber werden gesucht

Irina Birth trägt die Nr. 47. Die 23-jährige kommt aus Rödermark, hat nach dem Abitur Industriekauffrau gelernt und nach der Ausbildung einen Job in Sprendlingen bekommen. Aber warum nicht mal was Neues ausprobieren? Vor dem Probieren kommt das Studieren; Irina muss den Bewerbungsbogen ausfüllen, der Fragen nach Alter, Konfektions- und Körpergröße stellt und auch gleich ihren Terminkalender bemüht. Als Model muss man nunmal gut organisiert und bitteschön flexibel sein. Mindestens zwölf Bewerber werden nämlich für die große Modepromotion am 8. und 9. April gesucht. Dann präsentiert M. Schneider auf allen Etagen Marken wie Tommy Hilfinger, Marc O´Polo, Opus, Rabe und Gerry Weber. Die Castinggewinner werden dann Modebotschafter heißen und die neuen Kollektionen zeigen.

Natürlichkeit ist gefragt und keine Übertreibung

Nach Abarbeitung des formellen Teils nimmt Fotograf Roland Nowak Irina in Empfang. Ein Foto für ihre Unterlagen ist schnell gemacht, sie darf jetzt endlich auf den Catwalk. Auf dem heißt es, den kritischen Blicken von Jutta Schmid von der ausrichtenden Agentur „Mode & Show“ stand zu halten. Und weil hier eben Offenbach ist nicht das gnadenlose Mode-Paris, gibt´s nach dem ersten Gang Tipps von der Expertin. Irina legt nach. Und macht nicht nur rein körperlich eine gute Figur. „Ich rechne mir auf jeden Fall Chancen aus“, schätzt die hübsche Frau selbstbewusst. Man darf gespannt sein, ob Jutta Schmid das auch so sieht. Sie beurteilt Gang und Ausstrahlung, hat den geschulten Blick dafür, ob jemand fotogen ist.

Eins haben alle Bewerber gemeinsam: Sie haben die Stylingtipps für das Casting auf der M. Schneider Website ernst genommen. Auf die stets schwierige Grundsatzfrage „Was soll ich anziehen?“ ist da Entwarnung gegeben worden: „Ziehen Sie das an, was Ihnen gefällt und in dem Sie sich wohl fühlen!“ Bei Haaren und Make-Up wird es schon anspruchsvoller. „Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance!“ Neben dem gepflegten Äußeren - für Models so selbstverständlich wie für Handwerker der Blaumann - ist Natürlichkeit gefragt und keine Übertreibung.

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