Modell für Klinikverbund

Offenbach - Es kommt Bewegung in die Debatte um die Zukunft des Offenbacher Stadtkrankenhauses: Der Darmstädter Klinikumschef Gerhard Becker hat dem Sozialministerium ein Modell für Verbünde kommunaler Krankenhäuser vorgeschlagen, das nach Meinung von Experten Chancen hat, umgesetzt zu werden. Von Peter Schulte-Holtey

Das Ministerium entwickelt derzeit ein Konzept, um durch regionale oder überregionale Konzernstrukturen die Zukunft der kommunalen Kliniken zu sichern, und könnte dem Vorschlag aus Darmstadt folgen.

Nach Ansicht von Becker genügen bei der Umsetzung zu Beginn drei Häuser für den Verbund. Manches deutet darauf hin, dass damit der alte Plan einer engen Kooperation der städtischen Kliniken in Darmstadt, Hanau und Offenbach wiederbelebt werden könnte. Anzeichen dafür gibt es schon seit Wochen. So sind die Kontakte der Krankenhäuser in Hanau und Offenbach enger geworden. Die Offenbacher Klinikchefin Franziska Mecke-Bilz führte schon intensive Gespräche mit Monika Thiex-Kreye, Geschäftsführerin vom Klinikum-Hanau.

In Darmstadt ist man nicht abgeneigt

Auch in Darmstadt ist man nicht abgeneigt, sollten bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. So nennt Krankenhaus-Manager Becker drei Prämissen, die Voraussetzung für den Schulterschluss nach dem von ihm favorisiertem Modell sind: 1. Ein Verbund dürfe kein Modell zum gegenseitigen Austausch von Geld sein; 2. die teilnehmenden Krankenhäuser müssten vorher entschuldet und ein Nullpunkt definiert werden und 3. müssen wirtschaftliche Mindeststandards festgelegt werden. Bei einem kommunalen Verbund, der durchaus auch zulasten des bisherigen Trägers gehen könne, müsse ein eigenständiges Unternehmen von Partnern entstehen, so Walter. Es müsse eine Standort-, aber keine Systemgarantie für die Teilnehmer-Häuser geben. Zu den Vorteilen würden nach Meinung des Darmstädter Klinikchefs die übergeordnete Steuerung medizinischer Angebote wie beispielsweise bei der Onkologie zählen.

Bei Franziska Mecke-Bilz in Offenbach wird er damit auf großes Entgegenkommen stoßen. „Viele Kliniken sind ja durch den drohenden Verkauf des Klinikums Offenbach wach gerüttelt worden. Man kann verstärkt kooperieren zum Beispiel in der Apotheken - oder Essensversorgung“, sagte sie kürzlich im Interview mit unserer Mediengruppe.

Krankenhaus im städtischem Besitz halten

Unterdessen verstärkt der Betriebsrat des Klinikums Offenbach seine Anstrengungen, um das Krankenhaus in städtischem Besitz zu halten. Beim Mainuferfest am 16. und 17. Juni wird an einem Info-Stand das Gespräch mit interessierten Bürgern gesucht. Dabei soll dargestellt werden, welche negativen Folgen eine Privatisierung fürs Klinikum haben könnte. Zudem wird eine Postkarten-Aktion vorbereitet. Für den 23. Juni ist ein Demonstrationszug durch Offenbach geplant. Betriebsratsvorsitzender Holger Renke wies gestern noch einmal auf die Verunsicherung am Klinikum hin.

Einerseits gebe es klare Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung, „Andererseits ist das laufende ,Markterkundungsverfahren’ ein Hemmschuh beim Sanierungsprozess. Es führt dazu, dass viele Jobsuchende zögern und das Klinikum große Schwierigkeiten hat, wichtige Stellen wieder- oder neu zu besetzen“, warnte Renke.

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