Modellbahnbauer gewährten seltenen Einblick

Faszination Eisenbahn: Der Miniaturbahnclub Stellwerk präsentierte gestern seine Anlage der Öffentlichkeit. - Foto: Georg

Offenbach - Auf Weihnachtsgeschenke für den männlichen Nachwuchs angesprochen, gehören für Matthias und Klaus Rein weder Spielkonsole noch Smartphone unter den Baum. Bei ihnen müssen es vielmehr Lokomotiven und Waggons im Maßstab 1:87, Modellbahnen der Größe „H0“, sein. Von David Heisig 

Diese Leidenschaft teilen sie mit den 40 anderen Mitgliedern vom Miniaturbahnclub Stellwerk am Ostbahnhof. Etwa fünfmal im Jahr zeigen sie ihre Anlage der Öffentlichkeit; so auch am Sonntag. „Wir haben uns mit den Leuten von der Museumsbahn Hanau zusammengetan“, sagt Klaus Rein. Diese fährt am selben Tag mit einem historischen Dampfzug von Offenbach nach Ober-Roden, mit Halt in Offenbach-Ost. Besucher sollen so Gelegenheit erhalten, die Modelleisenbahn zu bestaunen.

„Des einen Freud, des anderen Leid“, betont Rein mit Blick auf den ausgefallenen verkaufsoffenen Sonntag. Man konkurriere immer mit anderen Veranstaltungen. Auch der Museumszug im Kleinformat dreht auf 260 Metern Gleislänge seine Runden. 60 Quadratmeter Fläche weist die Anlage auf. Der fünfjährige Max ist begeistert. Auch sein Papa Markus bekommt große Augen beim Blick auf den alten TEE, die E-Lok 103 oder den langen Kohle-Güterzug. Eine Männerdomäne sei das Hobby, meinen die Reins mit Blick auf die Besucher. Das habe mit alten Rollenbildern zu tun: „Als Bub hatte man eine Eisenbahn...“

Generell nehme der Anteil am Spielwarenmarkt ab. Habe ein Hersteller früher eine Lok 30.000 Mal gebaut, erscheine sie heute in einer Auflage von 1000 Exemplaren. Schade, finden beide. Dabei sei die Faszination der originalgetreuen Modelle immer noch sehr groß. Die Details stimmen, die Lackierung werde eins zu eins übernommen. Die guten alten Steuereinheiten, die Trafos, sucht der Betrachter indes vergebens. „Digital ist kein Muss“, betont Matthias Rein. Aber zumindest hier hat moderne Technik bei der Modelleisenbahn Einzug gehalten. Die Offenbacher haben ihre Anlage komplett digitalisiert.

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Stefan Uhlig sitzt am Computer, steuert via Bildschirm die Züge, die wie per Geisterhand durch die Bahnhöfe huschen. Viele Mitglieder hüten wahre Schätze, bringen sie zum Spielen mit auf die Anlage. Das macht den Reiz der Freizeitgruppe aus, wie die offizielle Bezeichnung lautet. Der einzelne Modellbahner ist alles: Gleisbauer, Modellhäuslebauer und Lokführer. Bei Stellwerk hat jeder seine Domäne. Matthias Rein etwa verbringt die meiste Zeit beim Kabelziehen unter der Anlage. Ob oben neue Bäume stünden, falle ihm gar nicht so auf, meint er lachend.

Schwindlig wird dem Besucher beim Blick auf die Preise. Ein neuer Modellzug mit elf Waggons kostet 1000 Euro. Der Nachtzug ist ein solcher. Mit leisem Surren verschwindet er von der sichtbaren Anlage in das Allerheiligste – den Schattenbahnhof. Dort bewegen sich 36 Garnituren in Serpentinen in einem drei Meter hohen Gleisturm auf- und wieder abwärts, um danach wieder auf die Strecke zurückzufahren. So entsteht der Eindruck, immer andere Züge beführen die Anlage.

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