Modelleisenbahner der Offenbacher 03

Kein Spiel, sondern Fahrbetrieb

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Die Modelleisenbahner der Offenbacher 03 sind mit ins neue Domizil umgezogen. Dort können sie ihrem Hobby auf mehr Raum frönen. Und Betrachter bald auf eine Reise durch Deutschland schicken. Noch am Anfang sind die Modellbauer der 03er mit ihrer Anlage im neuen Heim. Dort wird gebaut, gelötet und diskutiert. 

Bieber - „Man sieht noch gar nichts. “ Fast wirkt es, als schämten sich die Modelleisenbahner der Offenbacher 03 aktuell ein wenig ihres Hobbys. Im neuen Domizil an Waldhofs Heinrich-Krumm-Straße ist noch nicht richtig zu sehen, dass dort eine Modelleisenbahn stehen soll. Von David Heisig

Wo Berge aus Modellmasse die Blicke locken, Züge durch Bahnhöfe huschen und überall Lichter blinken sollen, ist noch nichts.

Das Herz kleiner und großer Eisenbahner schlägt dennoch höher. Denn das Grundlegende ist da – die transportable Platte für die Modellwelt und ein paar Schienen. Da zieht eine Dampflok plus Waggons die ersten Runden. Das typische Rattern ist allgegenwärtig.

2007 haben neun Mitglieder die Abteilung gegründet. Zuerst stand die Anlage bei einem von ihnen, dann im alten Vereinsheim, jetzt sind sie zu fünft. Ihrer Diskussion um Gleich- oder Wechselstrom, Schleifer und Decoder ist anzumerken: Sie haben Spaß zusammen. Das sei das Wichtigste, betonen sie.

Große Auswahl an Teilen

Gebaut wird in „H0“, einem Standard. Es gibt „C-Gleise“ oder „K-Gleise“, solche aus Kunststoff. Diese können verbunden werden. Dazu braucht es Verbindungsstücke. Ist alles da. „Wir können bauen, wie wir lustig sind“, freut sich Karl-Heinz Scheps, einer der Herren. Es wird verkabelt, es werden Signale angeschlossen. Scheps schwebt vor, dass irgendwann eine Autobahn über die Anlage führt. Der Betrachter soll auf eine Reise durch Deutschland gehen.

Norbert Frentzel hat gerade eine „111“, eine Elektrolok der Deutschen Bahn, auseinandergeschraubt. Die Schleifer mussten getauscht und die Räder ein wenig geölt werden. Alles sieht nach filigraner Handarbeit aus. Man lerne das mit der Zeit, meinen die Männer. Irgendwie müsse man das Spielzeug pflegen. Selbst die Volkshochschule biete dafür keine Kurse an, unken die vier. Immerhin sei beim Kauf eine Anleitung dabei. Scheps lacht: „Wir spielen übrigens nicht. Wir machen Fahrbetrieb.“

Die Anlage ist digital und analog. Alte Technik gibt es. Aber auch schon umgerüstete, mit dem Computer steuerbar. „Bei einem digitalen Zug können Sie innen die Einrichtung beleuchten“, ist Scheps stolz. Und hunderte Züge gleichzeitig fahren lassen. So viele werden es wohl nicht. Dafür reichen Platz und Manpower nicht.

Signalanlage in der Mache

Zurzeit basteln die Männer an einer Signalanlage. Springt das Zeichen auf Rot, müssen die Züge stoppen. „Hast du Spezialöl?“, wird Frentzel gefragt. Dieser nickt. „Wann hast du die denn zuletzt geölt?“, fragt er Dieter Scheuring mit prüfenden Blick auf die 111. „Mea culpa. Vor ein paar Jahren“, muss dieser zugeben.

Platz ist nicht das einzige Problem. Ein richtig teures Hobby sei es, was man da hat. Über Jahre gesammelt, mit wertvollen Stücken. Die Preise für Neuware sind hoch: Eine analoge Lok koste etwa 120 Euro. Die gleiche in digital 280 Euro. Sammlerstücke, etwa aus den Fünfziger-Jahren? Nahezu unbezahlbar. Zudem ist die Auswahl an Loks und Waggons riesig. Auch wenn die Hersteller in Zeiten klammer Kassen von einzelnen Produkten nur noch kleinere Stückzahlen auflegen.

Nachwuchs schwer zu begeistern

„Wir hätten gern ein paar junge Leute“, sagt Scheps. Die Begeisterung des Nachwuchses halte sich aber in Grenzen. Man müsse Nachfolger früh heranführen ans Hobby, weg von Playstation und Co. „Die Kinder müssen Interesse haben“, sagt Scheuring. „Und die Frau Verständnis“, lachen die anderen.

Bei er Eröffnung des Vereinsheims hatte Oberbürgermeister Horst Schneider gesagt, dass er sich vorstellen könne, nach der Amtszeit mit seiner Eisenbahn vom Dachboden zu den 03ern dazuzustoßen. „Mal sehen, ob er kommt“, lacht Scheps.

Spätestens im Herbst wollen sie eine Ausstellung machen. Dann kann die Öffentlichkeit die Modellbaukunst der 03er bestaunen. Wer nicht so lange warten mag: Unterstützung ist immer willkommen. Mittwochs, 18 Uhr, ist Treff.

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