Modenschau

Chic durch die 50er-Jahre

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Käthe-Kollwitz-Schüler präsentierten im Ledermuseum eine modische Reise durch die deutschen Wirtschaftswunderjahre.

Offenbach - Susanne Erichsen gewinnt in Baden-Baden die erste Miss Germany-Wahl, wird daraufhin Botschafterin der Mode in Übersee und von den US-Amerikanern liebevoll als deutsches „Fräuleinwunder“ geadelt. Von Harald Richter

Die Jugend im Nachkriegsdeutschland trifft sich zum Tanztee und geht in die Milchbar. Aus den Musikboxen ertönen Songs von Paul Anka, Doris Day und den Andrew Sisters. Die Petticoat-Ära beginnt.

Genau diese Zeit lässt die Modenschau des Fachbereichs Textil und Bekleidung der Käthe-Kollwitz-Schule (KKS) aufleben. Vom sprühenden Optimismus der Wirtschaftswunderjahre inspiriert, haben die angehenden Maßschneiderinnen und Maßschneider aller drei Jahrgänge eine einzigartige 50er-Jahre-Modenschau arrangiert, die Leistungsquerschnitt und nostalgische Zeitreise in einem ist.

Der Theatersaal des Ledermuseum ist ideal gewählt, versprüht er doch einen ganz eigenen Charme. Das Motto des Abends „Fräuleinwunder – Stil und Stilblüten der 50er“ ziert in Leuchtschrift die Bühnenrückwand, die von den Schülern gestaltet worden ist. Nierentisch und Gummibaum lassen grüßen. Über 200 erwartungsvolle Besucher haben es sich bequem gemacht. Organisatorin und Fachlehrerin Sandra Disser kann beim Anblick voller Sitzreihen zufrieden feststellen: vier Mal ausverkauft! Von KKS-Direktorin Marlies Stülb begrüßt, stimmt Moderator Frieder Arndt sogleich die Zuschauer auf die elegante Mode-Epoche ein.

„Komm ein bisschen mit nach Italien!“

Hinter den Kulissen treten unterdessen über Hundert aufgeregte Schülerinnen und einige junge Männer von einem Fuß auf den anderen, erwarten ihren Auftritt. In acht Themenbildern wollen sie dem Publikum die Mode jener Zeit vor Augen führen, als ein hüftschwingender Peter Kraus zum Teenageridol wird und nicht nur Millionen Mädchen James Deans Unfalltod beweinen.

Der erste Ausbildungsjahrgang ermuntert das Publikum: „Komm ein bisschen mit nach Italien!“ Ein Dutzend charmante Laien-Models, die man in den 50er-Jahren noch Mannequins nannte, präsentieren einen beschwingten, stilvollen Look: Gepunktete Tops und Tellerröcke in den Pastelltönen Rosa und Blau. „Schluss mit Schönheitsschlaf“ bringt anschließend Morgenmäntel in Weiß mit bonbonfarbenen Mustern auf die Bühne.

„Ein Hauch von Marylin“ umweht den Catwalk bei der Präsentation geblümter Tops und Röcken aus leichten Stoffen in Pink und Himmelblau. Dass Frau auch in Küche und Haushalt eine perfekte Figur zu machen vermag, zeigt „Fräulein Wunders Schürzen-Cocktail“. Hier überraschen die angehenden Schneiderinnen vor allem mit geschickt platzierten Extras.

Bilder der Modenschau

Modenschau der Käthe-Kollwitz-Schule

Der zweite Ausbildungsjahrgang bringt den Sommer auf die Bühne. Modisch geht’s leicht und beschwingt zu. Frau zeigt sowohl einteilige Strandanzüge, als auch Kombinationen von kurzen Hosen und Oberteilen, die baumwollenen Kleider in schmaler Silhouette sind uni und gemustert. Der umschwärmte Charmeur kommt in sandfarbenen Hosen mit Weste und klassischem weißen Hemd daher.

„Trés chic Bonbon“ präsentiert gemusterte Oberteile, pastellfarbene Blusen und die auch weiterhin beliebten Tellerröcke. Doch erstmals sorgen in den Modemagazinen jener Zeit weich fallende Hosen mit hochgeschnittener Taille für Aufsehen. Sie fehlen bei dieser Schau ebenso wenig wie eine Auswahl Kostüme aus hoffnungsvollem Grün und wunderbarem Blau. Das Schlussbild des dritten Jahrgangs begleitet „Fräulein Wunder“ durch den Tag, unterstreicht deren modische Vielseitigkeit und perfektes Styling bei wechselnden Anlässen.

Zu sämtlichen Auftritten von Mitschülern der Abteilung Körperpflege passend frisiert und mit dem richtigen Make-up versehen, treten die mehr als Hundert Vorführenden zum großen Schlussbild noch einmal ins Rampenlicht und empfangen warmen Beifall des Publikums.

Das Erlebte wirkt nach – hinterher im lockeren Gespräch im Foyer. Dort wartet die Abteilung Ernährung mit Häppchen und Bluna auf. Nur „Toast Hawaii“ sucht man vergebens, wird aber trotzdem satt.

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