Heiß, wie einst bei Billy Wilder

Offenbach ‐ Mit charmantem Lächeln auf den Lippen und dem berühmten weißen Kleid auf den Hüften stolziert sie auf die Bühne: Marylin Monroe wirft Luftküsschen ins Publikum und winkt. Fast wie in ihren großen Filmen. Von Georg Buschmann

Nur dass unter der blonden Perücke ein Auszubildender steckt, der die Modenschau der Maßschneider-Lehrlinge an der Käthe-Kollwitz-Schule abschließt. Die Schüler des Faches Maßschneiderei zeigen Gästen und Mitschülern anderer Fachbereiche ihre eigene Kollektion.

Vorbild ist Billy Wilders Komödienklassiker „Manche mögen’s heiß“. Der Streifen aus dem Jahr 1959 spielt in den 1920er Jahren, als sich in Chicago Gangsterbanden blutige Kriege liefern. Die Mode dieser Zeit steht Pate. Die Kleider sind selbst entworfen und genäht, die Designer gleichzeitig auch Models. Die Friseure der Schule haben sie für ihren Auftritt geschminkt und frisiert.

Die Modenschau in Bildern:

Modenschau an der Käthe-Kollwitz-Schule

Auf dem gut dreißig Meter langen Laufsteg sind auch männliche Modelle unterwegs, wenn auch nicht alle männlich gekleidet sind. Das passt zu dem Film, in dem Tony Curtis und Jack Lemmon verkleidet in einer Damenband untertauchen, um Mafiaboss „Gamasche“ zu entwischen. In der Schlussszene der Schulschau sehen die Besucher die männliche Marilyn zwischen ihren von jungen Frauen dargestellten Gangster-Begleitern.

Für die berühmte Schlafwagenszene haben die Schüler des ersten Lehrjahrs Schlafanzüge genäht. „Bei den Anfängern machen wir noch einfachere Sachen“, erklärt Lehrerin Sigrid Kreisel. Die Jahrgänge darüber aber schneidern auch schon anspruchsvollere Stücke wie Blusen, Kleider oder Anzüge. „Wir haben uns dazu entschieden, ein Konzept mit Schwarz, Weiß und Pastellfarben festzulegen, damit es kein allzu bunter Haufen wird.“ Wie viel ein Kostüm kosten darf, legt die Schule im Vorfeld fest. „Die oberen Jahrgänge durften natürlich etwas mehr ausgeben als die unteren“, so Kreisel. Nach der Modenschau können die Schülerinnen und Schüler die Stücke für den halben Materialpreis kaufen.

Christina Wenzel erzählt, dass die Vorbereitung für die Modenschau lange gedauert habe. Die 24-Jährige ist im dritten Lehrjahr und legt im Juni ihre Gesellenprüfung ab. In der Prüfung wird sie einen Herrenanzug schneidern müssen. Die Modenschau war für sie und ihre Mitschüler die Generalprobe. Sie fertigten Nadelstreifenanzüge und Hüte im Stil der Chicagoer Gangsterszene.

„Gut ausgebildete Schneider sind gefragt“

„Sechs bis zwölf Wochen haben wir je 18 Wochenstunden mit der Vorbereitung verbracht.“ Die meiste Zeit habe das Schneidern und Anpassen gebraucht. Die Entwürfe hingegen seien schon nach zwei Wochen fertig gewesen.

Wenn sie im Juni mit der Ausbildung an der Käthe-Kollwitz-Schule fertig ist, will Christina ihre Meisterprüfung ablegen und parallel dazu ein Jahr arbeiten. Anschließend hat sie vor, an der Frankfurter Schule für Bekleidung und Mode vier Semester Bekleidungstechnik zu studieren. „Danach stehen mir alle Wege offen.“

Wie Sigrid Kreisel sagt, seien gut ausgebildete Schneider gefragt. Sie könnten für Modehäuser die Produktion von Kleidung im Ausland überwachen. Und in Deutschland steige die Nachfrage: „Erfolgreiche Geschäftsfrauen lassen ihre Kleider für besondere Anlässe wieder anfertigen.“

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