Modernste Technik für die alten Pilze

Offenbach - In Freiburg erstrahlt das Münster in neuem Licht. Und in Peking werden drei Stadtviertel mit LED-Straßenleuchten ausgestattet. Von Martin Kuhn

Naturgemäß ist in Offenbach alles etwas bescheidener: Hier wird künftig die Bahnunterführung Bieberer Straße innovativ ausgeleuchtet. Und der Stadtteil Lauterborn ist vermutlich nur ansatzweise mit den Dimensionen in der chinesischen Hauptstadt zu vergleichen. Aber die moderne Technik ist die gleiche.

Was sich die Stadt verordnet, ist Energiesparen im großen Stil: Von den etwa 20.000 Lampen in Offenbach sind derzeit gut 13.000 Quecksilberdampflampen (HQL) und 7 000 Natriumdampfhochdrucklampen (NAV). Ziel der Stadtentwicklung ist der Wechsel zur fortschrittlichen Leuchtdiode. Die Stadt rechnet vor: Allein durch den Austausch von HQL zu LED spare Offenbach die Hälfte der Betriebskosten. Ein schöner Batzen, den der neue Stadtkämmerer sparen könnte. Allerdings will sich die Kommune nicht allein auf die Versprechen der Industrie verlassen.

Gut also, dass es die Energieversorgung gibt, an denen die Stadt Anteile hält. In einem Pilotversuch testet die EVO im Auftrag der Stadt und anderer Gemeinden an verschiedenen Standorten. An 16 Stellen sind das zusammen 65 LED-Leuchten. Erfreulich: Die bisherigen Messungen ergaben eine hundertprozentige Lichtstromkonstanz. Auch die Zufriedenheit der Bürger (Etwa: „Wie sicher fühlen sie sich nachts bei diesem Licht?“) wurde per Fragebogen abgeklopft.

Inzwischen ist das Projekt in die zweite, in die so genannte Langzeitphase übergegangen. EVO-Sprecher Harald Hofmann: „Jetzt geht es darum, die Haltbarkeit zu ermitteln.“ Gleichwohl habe der Energieversorger bislang „sehr positive Erfahrungen“ gesammelt. Das vorläufige Fazit lässt sich so zusammenfassen: Die meisten von der EVO geprüften Produkte haben das gehalten, was die Hersteller versprochen haben – und sogar noch etwas mehr Energie gespart.

Energieverbrauch reduziert sich um etwa 60 Prozent

Im Vergleich zu herkömmlichen Leuchtmitteln habe sich der Verbrauch um etwa 60 Prozent reduziert. Das haben die Mitarbeiter mit aufwändigen Testreihen geprüft. Aber kappt sich der lokale Energieversorger da nicht ein doch einträgliches Geschäftsfeld? „Nein“, sagt Hofmann, „es war schon immer unser Interesse, dass die Energie sinnvoll verbraucht wird.“

Das wird demnächst im Stadtteil Lauterborn der Fall sein, wenn die Stadtverordneten der Magistratsvorlage zustimmen. Die geplante Umrüstung von Leuchten auf LED-Beleuchtungs-, Steuer- und Regelungstechnik kostet 450 000 Euro. Für die Maßnahme wird ein Antrag beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gestellt. Die zu erwartende Förderung: etwa 110 000 Euro. Grundlage ist ein Beschluss aus dem Jahr 1998. Damals beauftragten die Parlamentarier die Stadt, energiesparende Lampen bei einer „Erneuerungen der Straßenbeleuchtung“ zu verwenden.

Seitdem erfolgte die fortlaufende Leuchtenumrüstung von Quecksilberdampf- auf Natriumdampf-Hochdrucktechnik. Derzeit stehen in Lauterborn noch HQL- Leuchten, für die ab 2015 ein Verbot erwartet wird. Also: Raus damit. In der Vorlage heißt es nun: „Der Stadtteil eignet sich insbesondere als LED-Umrüstungsprojekt, da es sich hierbei durch die umgebenden Hauptverkehrsstraßen um eine abgeschlossene Einheit handelt und somit bei einer gebietsumfassenden Umrüstung auf LED-Beleuchtungs-, Steuer- und Regelungstechnik eine homogene Wirkung der Straßenbeleuchtung erwirkt wird.“

Informationen gibt es auch auf der Internetseite der EVO

Derzeit sind in den Zufahrtsstraßen Kofferleuchten mit einer Bestückung von 2 x 125 Watt (HQL) montiert. Die Anliegerstraßen sind mit der klassischen Pilzleuchte 2 x 80 Watt (HQL) bestückt. Für ein einheitliches Gesamtbild der Beleuchtungsanlagen sollen die derzeit vorhandenen Leuchten durch eine Herstellerfamilie unter Beibehaltung der Masten und Standorte ersetzt werden: 1 x 30 Watt für die Zufahrtsstraßen, 1 x 20 Watt für die Anliegerstraßen. Aufgrund der benötigten neuen Regelungstechnik ist dann zusätzlich eine stufenlose Dimmung der Anlagen möglich. Durch die Umrüstung von 258 Kofferleuchten und 281 Pilzleuchten auf LED ergibt sich eine CO2-Minderung von 219  482 Kilogramm im Jahr.

Natürlich wurde eine andere Variante durchgerechnet. Eine bislang übliche Umrüstung von Quecksilber- auf Natriumdampf-Leuchten würde 312 000 Euro kosten, „eine Förderungsmöglichkeit besteht nicht“, schreibt der Magistrat. Dennoch ist bei der Entscheidung Eile geboten: Die Antragsfrist für die Zuschüsse endet am 31. März...

Rubriklistenbild: © dpa

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