Kronen für alle Frauen

Glööckler zeigt sich und seine Designs auf der Lederwarenmesse

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Geschminkt, gestylt, geschmückt: Harald Glööckler ist eine Kunstfigur. Doch der Mann in Schwarz zeigt bei seinem Besuch auf der Offenbacher Lederwarenmesse auch eine andere Seite – hinter Mascara und Lip-Gloss.

Offenbach - Prunk für jedermann: Harald Glööckler will mit seinen Kreationen Luxus demokratisieren. Auf der Lederwarenmesse zeigt der Modeschöpfer eine extravagante, aber dennoch erschwingliche Taschen-Kollektion und erklärt, wieso jede Frau eine Prinzessin sein sollte. Von Sarah Neder 

Wer Harald Glööckler, gebürtig nur mit einem Ö, treffen will, muss ganz hoch hinaus. In das oberste Stockwerk der Offenbacher Messe: Abschnitt D2, Stand D02. Unter Neonröhrenbeleuchtung stellt der Meister des Kitschs seine frisch produzierte Kollektion vom Schlüssel-Etui bis zum Rollkoffer vor. Prunkvolles Design zum fairen Preis, so will es der Designer, und seine Kundinnen wollen es auch. Zirka 100 Glööckler-Fans, die meisten davon Frauen jenseits der 40, viele mit praktischen Frisuren, drängen sich an das Absperrband. Die Handys sind gezückt. Aber es ist kein Promi in Sicht. Stattdessen steht dort ein goldener Thron mit rotem Samt. Er ist umgeben von Taschen, großen und kleinen, schwarzen, braunen und bunten. An einer Wand hängt eine riesige Weltkarte, darauf, kohleschwarzer Bart und glänzender Schmollmund, das Konterfei des Designers, der verträumt in die Ferne zu blicken scheint.

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Der echte steckt irgendwo zwischen Flughafen und Offenbach im Stau, lässt der Pressesprecher wissen. „Es wird sich alles etwas verzögern.“ Und mit „alles“ meint er den Auftritt Glööcklers, eine eigentümlich aufgesetzte Choreografie, irgendetwas zwischen Pantomime und Live-Teleshopping. Solange er also noch nicht da ist, vertreiben sich die Moderatoren auf der Bühne die Zeit und reden über ihn, „den Künstler“, „den Designer“, „den Glööckler“. Immer wieder sagen sie etwas Französisches. Denn das alles ist so très chic. Dann die ersehnte Information: Ja, er ist angekommen, sagt der Mann am Mikrofon. Die Frauen johlen, es wird geklatscht. Mit einer Entourage an PR-Leuten, Maskenbildnerin und Sicherheitsmännern schiebt sich der Glööckler an seinen Fans vorbei, betritt die Bühne.

Der schrille Mann kommt in Schwarz, der Anzug verspielt paspeliert. An den Füßen schwarze Samtslipper, an den Fingern Ringe mit pflaumengroßen Edelsteinen. Glööckler erinnert an Rokoko. Alles übertrieben. Pompöös, immer ein Ö zu viel. Das gilt auch für Glööcklers Make-Up: Aufgeklebte Wimpern, die Lider schwarz geschminkt, und auch der Bart scheint nachgezeichnet zu sein. Klassische italienische Musik spielt – der Startschuss für die Glööckler-Show: Der Designer wirbelt umher, greift in die Regale, zieht eine Reisetasche heraus, wendet und dreht sie am Henkel, öffnet den Reißverschluss, schaut verzückt ins leere Innere, spitzt die Lippen, schaut mal ganz nett und mal fast zornig. Dann geht er zum nächsten Regal, holt eine Handtasche, wedelt damit, schaut sie sich an, wirft sie sich über die Schulter. So geht das einige Minuten, ein Spektakel für die Fotografen. Jeder Schuss ein Treffer. Der Glööckler ist eben Profi.

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Und hinter dem ganzen Mascara und Lip-Gloss sogar ein recht bescheidener. „Ein schöner Tag ist für mich, wenn ich einmal keine Termine habe und mich morgens ganz früh mit meinem Hund auf die Bank vor dem Haus setze“, findet der gebürtige Badener, der mit Mann und Hund erst vor Kurzem von Berlin in die Pfalz gezogen ist. Dort auf dem Land findet er Inspiration in sich selbst. Ideen für neue Designs, Muster, Ornamente. Markenzeichen des 50-Jährigen ist die Krone, sie ist auf alle Taschen gedruckt. „Ich habe mit sieben Jahren beschlossen, jede Frau zu einer Prinzessin zu machen. Und Prinzessinnen brauchen eine Krone“, erzählt Glööckler.

Grund dafür, sagt er, sei seine schwere Kindheit. Aus Talkshows ist bekannt, dass sein Vater die Mutter jahrelang verprügelt und sie, als Glööckler noch ein Junge war, die Treppe hinunter gestoßen haben soll. Sie ist an den Folgen des Unfalls gestorben. „Ich habe erlebt, dass Frauen sehr gepeinigt wurden, und ich wollte ihnen das Leben schöner machen“, sagt der schillernde Promi-Gast nach seinem Auftritt. Und für diesen Moment ist der Mann in Schwarz nicht mehr Rokoko, nicht mehr Teleshopping, sondern einfach der Harald Glöckler, und kein Ö zu viel.

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