„Möchte niemanden rauswerfen“

Einsparkurs beim ÖPNV: Subunternehmen Main-Bus hart getroffen

Die Linien 108 und 120 werden von Main-Bus bedient. 500 000 Kilometer Fahrleistung wurden nun gestrichen.
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Die Linien 108 und 120 werden von Main-Bus bedient. 500 000 Kilometer Fahrleistung wurden nun gestrichen.

Die Einsparungen im Busverkehr Offenbach bringen spürbare Einschnitte mit sich. Besonders für das Subunternemen Main-Bus.

Offenbach – Schweren Herzens habe man Einschnitte im städtischen Busverkehr Offenbach vorgenommen, betonte Mobilitätsdezernentin Sabine Groß (Grüne) bei der Abstimmung in der Stadtverordnetenversammlung. Besonders die Ausdünnung des Taktes in den Abendstunden sei ein erheblicher Eingriff. Vertreter anderer Parteien der Ampel-Koalition jubelten gar, dass die Einschnitte „das Gegenteil eines Kahlschlags“ seien.

Nun, minimalinvasiv sind die Einschnitte in Offenbach nicht. Weder für die Kunden, die nach 20 Uhr nun länger auf den Bus warten müssen – und auch nicht für das Subunternehmen Main-Bus. Knapp 1,6 Millionen Euro der einzusparenden 5,8 Millionen Euro wurden durch Leistungskürzung bei dem in Rosbach ansässigen Unternehmen erzielt. Main-Bus fährt im Rhein-Main-Gebiet für verschiedene Kommunen, in Offenbach bedient es seit Dezember die Linien 108 und 120.

Subunternehmen Main-Bus hat 14 neue Busse für den Linienverkehr in Offenbach bestellt

„Ich habe extra 14 neue Busse für den Linienverkehr in Offenbach bestellt, das ist eine Investition von über viereinhalb Millionen Euro“, sagt Geschäftsführer Gerd Jäger unserer Zeitung. Die Auslieferung der Busse beginne gerade, zurücktreten von dem Auftrag könne er nicht mehr.

Ihn ärgert, dass er vom Großteil der Einsparungen aus der Zeitung erfahren habe. „Mir sagte man nur, dass man rund 25 Prozent Leistung aus dem Vertrag kürzen werde, aber nicht wo und wie.“ Bis zu 25 Prozent darf ihm laut Vertrag gekürzt werden, bei höheren Kürzungen müsste die Stadt eine Strafgebühr an den Unternehmer zahlen – um das zu vermeiden, hatte Stadtwerke-Chef Peter Walther im Haupt- und Finanzausschuss erklärt, dass man Jäger zwischen 22 und 23 Prozent Leistung kürzen würde. „Wie sich das auf den Dienst und die Fahrleistung ab Dezember auswirkt, wurde mir nicht mitgeteilt“, sagt Jäger.

Main-Bus hart von den Einschnitten beim Offenbacher Busverkehr getroffen

Außerdem wurden ihm die vertraglich zugesicherten 500.000 Kilometer Fahrleistung, die seine Busse ab Dezember hätten zusätzlich leisten sollen, gestrichen. Jäger trifft das hart, denn die Zusage für eine halbe Million Kilometer mehr hätte den Wegfall eines Auftrags aus Frankfurt über diese Fahrleistung ausgleichen sollen.

„Gerade für diese halbe Million zusätzlichen Kilometer habe ich die neuen Busse bestellt. Zwei der 14 Busse sind nun eigentlich überflüssig“, sagt er, „umgerechnet über 750 .000 Euro.“

Die Busse einfach für eine andere Stadt fahren zu lassen, wie es ihm OVB-Leiterin Anja Georgi vorgeschlagen habe, sei jedoch nicht möglich. „Es weiß doch auch jeder in unserer Branche, dass sämtliche Busse eigens für die jeweiligen Städte gebaut werden.“ Grund sind die unterschiedlichen Vorgaben der Städte: Jede Kommune verfügt über ein anderes Ampelsteuerungs,- Bezahl-, Fahrgastzählungs-, Pünktlichkeitsabfrage- oder Überwachungssystem.

Neue Busse von Main-Bus könnten nicht einfach wieder verkauft werden

„Die Technik unterscheidet sich von Stadt zu Stadt: Ein Bus, der für Frankfurt gebaut wurde, kann nicht einfach in Offenbach oder Darmstadt eingesetzt werden und umgekehrt“, sagt Jäger. Aufwendige Umbauten seien nötig, um die Busse den Anforderungen der jeweiligen Städte anzupassen. „Da muss auch noch ein Techniker vom Hersteller erst schauen, wie die Verkabelung geführt werden kann – und das kostet.“

Die Busse einfach zu verkaufen, sei auch keine Lösung. „Jeder, der ein Auto gekauft hat, weiß, dass es in dem Moment, da es vom Autohändler auf die Straße rollt, erheblich an Wert verliert.“ Bei ihm käme noch der teure Rückbau der eigens für Offenbach installierten Systeme hinzu. Bei den Bussen handelt es sich um Modelle mit konventionellem Antrieb. „Die Kosten für E-Busse sind für Privatunternehmen zu hoch – da bräuchte es sehr viel längere Vertragslaufzeiten mit Kommunen, damit sich diese Mehrkosten überhaupt rechnen.“

Offenbach: Stadtwerke-Chef Walther mutmaßt, dass Main-Bus jetzt Personal entlassen muss

Im Haupt- und Finanzausschuss mutmaßte Stadtwerke-Chef Walther, dass Main-Bus wohl Personal entlassen müsste in Offenbach – während die Stadt betont, durch Nichtverlängerung von Verträgen, von Fahrern, die in Rente gehen, Entlassungen vermeiden zu können.

„Ich setze alles dran, keine Arbeitsplätze zu verlieren“, sagt Jäger. In seiner Unternehmensgruppe sind rund 140 Mitarbeiter beschäftigt, knapp 60 wären ab Dezember für den Einsatz in Offenbach vorgesehen.

Er müsse nun schauen, wie er die Fahrer einsetze, damit diese die mit ihm vereinbarte Stundenzahl im Monat erreichen. Sie einfach auf andere Linien zu verteilen, sei jedoch schwierig. „Ich möchte niemanden rauswerfen – ich muss erst einmal von der Stadt wissen, wie der Fahrplan ab Dezember für uns aussieht“, sagt Jäger. Er habe Verständnis für die Finanznöte von Kommunen, betont Jäger, „aber man muss einfach mehr partnerschaftlich miteinander umgehen. Und wissen, was man sich leisten kann, bevor man Aufträge ausschreibt.“ (Frank Sommer)

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