Ein mörderischer Abend

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Jazzmusik aus den 40er und 50er Jahren spielten Blacky Prekel, Tony Jakobi und Ruth Eichhorn.

Offenbach ‐   Ein wenig blutrünstig ging es zu im Wiener Hof. Zuhälter, Gangster, Prostituierte, hartgesottene Polizisten und andere zwielichtige Gestalten im New York der späten 50er Jahre des 20. Jahrhunderts trieben dort ihr literarisches Unwesen. Von Alexandra Bauer

„Wer hat es getan?“ Das war die entscheidende Frage, die sich nach einem Mordfall im Milieu stellte. Das Rätsel wurde pünktlich zum Abschluss der Lesung der Kriminalerzählung des afroamerikanischen Autors Chester Himes gelöst, die der Jazz e. V. Offenbach anlässlich seines 18-jährigen Bestehens organisiert hatte. Der Clou bestand in der Verknüpfung von Literatur und zeitgenössischer Jazzmusik – Auszüge aus der Erzählung wechselten sich mit Musikeinlagen ab, so dass die Gäste einen sinnlichen Gesamteindruck von dieser ereignisreichen Zeit und dem für die Entwicklung des Jazz wichtigen Schauplatz New York erhielten.

Verruchte Hinterhof-Atmosphäre

Die Idee für dieses Konzept entstand eher zufällig: Als Lutz Plaueln, Vorsitzender der Initiative, mit seiner Lebensgefährtin Sabine Kriegsmann, ebenso Vereinsaktive, auf einer Autofahrt in Bayern unterwegs war, hörten sie ein Radiofeature, das aus einer Himes-Lesung mit musikalischer Untermalung bestand. „Das könnten wir doch auch machen“, war die spontane Reaktion der Jazzliebhaber. Und da der Schriftsteller Himes, selbst ein „schwerer Junge“, der Ende der 20er Jahre eine langjährige Gefängnisstrafe wegen eines bewaffneten Raubüberfalls abzusitzen hatte, das Milieu wie seine Westentasche kannte, ist es nicht verwunderlich, dass die Schilderung des Verbrechens besonders realistisch ausfällt.

Plaueln und Kriegsmann ließen sich durch die verruchte Hinterhof-Atmosphäre verzaubern und stellten ein Team zusammen, das die Veranstaltung auf die Bühne bringen sollte. Martina Fuchs, Ruth Eichhorn und Sabine Kriegsmann lasen abwechselnd Passagen aus dem Roman „Fenstersturz in Harlem“, während die musikalische Seite von Rolf Plaueln an der Gitarre, Joni Jakobi an Klavier und Saxofon, Blacky Prekel am Saxofon und Ruth Eichhorn (Gesang und Gitarre) übernommen wurde. Die mit Freude an der Improvisation und viel Herzblut vorgetragenen Stücke orientierten sich zeitlich am Roman: Jazz-Standards der 40er und 50er Jahre wie „Take The A-Train“ oder „All Of You“ luden zum Mitwippen und Genießen.

Trotz der eisigen Temperaturen hatten sich viele Musikfreunde eingefunden, um mit dem Jazz e. V. dessen „Volljährigkeit“ zu begehen und mit einem Glas Sekt auf viele weitere spannende Veranstaltungen zur Erhaltung und Verbreitung des Jazz in der Region anzustoßen.

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