28 Monate für bulgarische Heroin-Dealer

Offenbach - (mcr) Treffen sich ein Automechaniker und ein Elektriker in Bulgarien… Was wie ein derber Handwerkerwitz beginnt, hat auch ein derbes Ende gefunden. Allerdings kein witziges, was der Schauplatz des Finales, das Offenbacher Schöffengericht, schon nahe legt.

Der Vorsitzende Richter Manfred Beck fand es kein bisschen amüsant, dass der 36-jährige Mechaniker und der 32-jährige Elektriker aus ihrem Heimatland Bulgarien nach Offenbach gekommen waren, um im Auftrag einer seit einigen Jahren im Rhein-Main-Gebiet tätigen Dealerorganisation Heroin an Süchtige zu verkaufen. Beide Sünder müssen für zwei Jahre und vier Monate ins Gefängnis.

Die Verurteilten hatten sich in Bulgarien als sogenannte Läufer, Straßendealer, anwerben lassen. Im April dieses Jahres bekamen die Offenbacher Drogenfahnder Wind von der Sache, observierten die Verdächtigen bei ihren Geschäften unter anderem im Dreieichpark und am Mainufer.

Dafür - und dass die Beobachter auch dokumentierten, wie die Dealer Nachschub aus einem Bunker holten - zollte der Richter den Polizisten Respekt: „Eine solche längere Observation, die ja nicht entdeckt werden darf, erfordert Fleiß und großes taktisches Geschick der Beamten.“

Deren Geschick reichte auch noch, um festzustellen, in welcher Wohnung in der Bleichstraße die Männer lebten.

20 Gramm reines Heroin sichergestellt

Dort schnappte die Falle für die Bulgaren völlig unerwartet zu, als sie gerade das Haus verlassen wollten. Im Appartement stellten die Fahnder 20 Gramm reines Heroin sicher, dazu 450 Gramm Streckmittel und rund 2000 Euro Bargeld. Das Heroin, das schon fertig portioniert war, hatte einen Verkaufswert von etwa 3000 Euro. Offensichtlich hatten die Männer eine Nachlieferung hochwertigen Heroins erwartet und das Streckmittel schon gebunkert. Nach Erkenntnissen der Polizei werden Läufer regelmäßig aus der mittleren Ebene der Organisation mit neuen Drogen beliefert und müssen im Gegenzug die Einnahmen abliefern. Im Monat können sie 2000 Euro für sich behalten und wenn sie sehr gut verkaufen auch mehr.

Vor Gericht waren die Angeklagten geständig, drückten allerdings auf die Tränendrüse und verlangten Bewährung. Sie hätten das Geld dringend gebraucht; zuhause würden die Familien darben. Dass es mit dem Hunger nicht allzu weit her gewesen sein kann, hielt Beck ihnen mit Hinweis darauf vor, dass beide in Offenbach Besuch von ihren Angehörigen bekommen haben. So eine Reise sei ja auch nicht umsonst zu haben.

Überdies hätten sie sehr genau gewusst, dass sie mit einer sehr gefährlichen Droge gehandelt hätten.

Rubriklistenbild: © dpa

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