36-Jähriger muss sich wegen Zuhälterei verantworten

Morddrohungen gegen die Ex-Freundin

Offenbach - Vor dem Amtsgericht Offenbach muss sich seit gestern ein 36-jähriger Mann wegen Zuhälterei verantworten. Von Julia Radgen 

Die Staatsanwaltschaft wirft Mohamed E. vor, zwischen Januar 2014 und September 2015 seine damalige Freundin, die für ihn anschaffen ging, ausgebeutet und verletzt zu haben. Laut Anklagevertretung soll E. die heute 27-Jährige misshandelt und bedroht haben, um das von ihr erwirtschaftete Geld zu kassieren. Auf ihrem Handy soll er zahlreiche Morddrohungen gegen sie und ihre Familie hinterlassen haben. Er habe ihr Sätze wie „Ich werde dich suchen, finden und töten“ geschickt und damit gedroht, ihren Vater „abzufackeln“, so der Anklagevertreter. Ende September 2015 ging die Frau zur Polizei und erstattete Anzeige. Seitdem sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft.

Vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck lässt E. durch seinen Anwalt dementieren, seine Ex-Freundin ausgebeutet zu haben. Als „arbeitsteiliges Verhalten“ beschreibt Pflichtverteidiger Stefan Kuhl das Arrangement. „Wir haben alles zusammen gemacht“, betont dann E. selbst. Der 36-Jährige räumt ein, sämtliche Nachrichten geschrieben zu haben, um seine Freundin „aufzurütteln“. Als sie nach Streitigkeiten davongelaufen sei, habe sie damit gedroht, sich umzubringen. Ihre Freier soll die junge Frau in der gemeinsamen Wohnung an der Friedrichstraße empfangen haben, manchmal in Hotels. „Sie hat das freiwillig gemacht, bis zum letzten Tag“, beteuert der Angeklagte. Mit der Idee, sich zu prostituieren, sei die junge Frau sogar selbst an ihn herangetreten. Mit dem Geld hätten sie sich eine Zukunft aufbauen wollen.

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Dass es ihre Idee war, gibt die Frau, die vor Gericht als Nebenklägerin auftritt, zu. Sie habe keinen Schulabschluss und sei arbeitslos gewesen. „Das Geld hat mich gereizt.“ Sie habe ihren Verdienst an den Angeklagten abgegeben, damit er ihn verwalte. Schließlich habe sie mit der Prostitution aufhören wollen, doch E. sei damit nicht einverstanden gewesen und habe Druck auf sie ausgeübt weiterzumachen. Die Geschädigte führte weiter aus, sie habe zwar Angst vor E. gehabt, ihn endgültig zu verlassen, dazu habe sie sich aber nicht durchringen können. Die Morddrohungen des Angeklagten gegen ihren Vater seien schließlich der Anlass gewesen, zur Polizei zu gehen.

Rubriklistenbild: © dpa

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