Aktuell keine Kulanzregelungen

Morgendliche ÖPNV-Kontrolle in Offenbach sorgt für reichlich Groll bei Eltern

Schwarzfahren in Bus oder Bahn ist teuer. Eine lokale Variante sorgt aktuell für reichlich Verdruss bei einem Offenbacher Familienvater. Symbol
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Schwarzfahren in Bus oder Bahn ist teuer. Eine lokale Variante sorgt aktuell für reichlich Verdruss bei einem Offenbacher Familienvater. Symbol

Nach Monaten des Fern-Unterrichts fahren zahlreiche Schüler wieder in die Schule. Kontrollen bleiben da nicht aus.

Offenbach – Pierre Hellenthal ist sauer, gelinde gesagt. Als sein Sohn nach monatelangem Fern-Unterricht wieder mit einem OVB-Bus in die Schule fährt, wird dieser morgens kontrolliert. Da er ohne Fahrschein unterwegs ist, erhält er ein ganz anderes „Ticket“. Das möchte Hellenthal so nicht akzeptieren, stellt in einem Brief das aktuelle Kontrollsystem in Frage. Die OVB bemühen sich, die Wogen halbwegs zu glätten.

Der Vorfall, den Pierre Hellenthal zum Anlass für eine General-Abrechnung mit dem lokalen ÖPNV nimmt, liegt einige Tage zurück. Zu einer Zeit, als die Corona-Inzidenzwerte von Stadt zu Landkreis teils deutlich variieren. „Es ist in Hessen / Offenbach ein ewiges Hin und Her, was unter anderem die Schulen betrifft“, schreibt er. Die jeweiligen Regeln seien nicht deutlich und planbar kommuniziert. „Da kann es doch sein, dass ein Kind mal sein Schülerticket vergisst.“ Selbstverständlich habe sein Sohn ein Jahresticket, das er monatelang nicht nutzen konnte. Gleichwohl habe „der RMV und sicherlich nachgelagert die OVB einiges an Geld bekommen“.

Und dann holt Hellenthal in seinem Schreiben an die OVB-Spitze aus: „Auffallend ist, dass Ihre Kontrolleure am frühen Tag unterwegs sind, und zwar zu Zeiten, wenn ja angeblich jeder im Homeoffice ist und die Frühschicht in Unternehmen längst begonnen hat. Zu späteren Zeiten habe ich, der auch ab und an den ÖPNV in Offenbach nutzt, noch nie einen Kontrolleur gesehen.“

Offenbach: Kontrolleure erreichen durch Kinder „Fangquoten“

„Die Kinder haben in aller Regel ein Schülerticket, aber sie wehren sich nicht. Das ist bequem für Ihre Kontrolleure und diese erreichen so ihre ,Fangquoten’!“ Diese sollten sich aber auch trauen, „diejenigen zu kontrollieren, die offensichtlich ohne Fahrschein unterwegs sind“. Es sei logischerweise ein Fehlverhalten und es sei Strafe zu zahlen, „aber es ist auch nicht in Ordnung, dass Haltestellen aussehen wie nach einem Atomschlag und riechen, als ob ein toter Waschbär in der Ecke liegt (Hellenthal meint explizit die Haltestelle Mathildenplatz, Anm. d. Red.)“. Es wäre erstrebenswert, wenn die Strafgebühr wenigstens in die Beseitigung dieser Missstände fließen würden.

Die OVB widersprechen der Einschätzung, dass das Prüfpersonal nur morgens unterwegs sei. „Es wird zu allen Tageszeiten gleichermaßen in unseren Fahrzeugen eingesetzt.“ Der Prüfer könne nicht ersehen, ob ein Schüler im Besitz einer gültigen Fahrkarte ist und muss daher jeden Fahrgast ohne gültigen Fahrausweis erfassen. „Da natürlich auch mal etwas vergessen gehen kann, hat jeder Fahrgast die Möglichkeit, persönliche Fahrkarten wie etwa das Schülerticket Hessen in der Mobilitätszentrale nachträglich vorzuzeigen. Das erhöhte Beförderungsentgelt wird dann selbstverständlich von 60 auf sieben Euro reduziert.“ Diese Bearbeitungsgebühr erhebe übrigens der RMV. „Dies ist in den Beförderungsbedingungen festgelegt und die Offenbacher Verkehrs-Betriebe haben hierauf keinen Einfluss.“

Offenbach: ÖPNV-Kontrolle sorgt für Groll

Das gilt auch für eine wie auch immer geartete Kompensation bezüglich Jahres- oder Monatskarten: Zu Beginn der Pandemie 2020 habe es hierzu RMV-weit noch eine Kulanzregelung gegeben, weil die Fahrgäste beim Erwerb einer Zeitkarte nicht wissen konnten, dass diese nicht in vollem Umfang nutzbar sein könnte. „Davon ist 2021 aber nicht mehr auszugehen. Alle jetzt gültigen Karten sind in Kenntnis etwaiger Pandemie-Einschränkungen erworben worden. RMV-weit gibt es daher keine Kulanzregelung mehr,“ heißt es aus der Hebestraße.

Die Problematik der Haltestelle Mathildenplatz ist bekannt. „Daher kontrolliert unser Haltestellenbeauftragter diese Haltestelle entsprechend öfter und beseitigt Verunreinigungen bzw. informiert die hierfür zuständige Straßenreinigung.“ (Von Martin Kuhn )

In Offenbach sind die Kosten für den Nahverkehr deutlich gestiegen. Die Ampel-Koalition kündigt deshalb spürbare Einsparungen an.

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