Morgennebel gelichtet

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Geber und Nutznießer mit dem neuen Röntgengerät namens Veradius. Professor Arend Billing (links) hat Gefäßpatient Erich Fath am Dienstag operiert. Gestern saß der Senior schon beim Sponsorenempfang, um mit Medizinern und Medizinsponsoren anzustoßen.

Offenbach ‐ Nicht, dass Professor Arend Billing jemals blind in den Schlagadern seiner Patienten herumgestochert hätte. Aber seit vor zwei Wochen der „Veradius“ geliefert wurde, denkt der Chefarzt der Gefäßchirurgie am Klinikum Offenbach nur noch sehr widerwillig an „das Operieren in leichtem Morgennebel“ zurück, das bisher Standard gewesen ist. Von Marcus Reinsch

Der Veradius ist ein Röntgengerät. Es liefert den Chirurgen, die per Fernsteuerung filigrane Metallprothesen („Stents“) beispielsweise in zugesetzte Adern implantieren müssen, hochaufgelöstere und unverzerrte Innenansichten des Patienten als je zuvor. Im Vergleich zu den stets von milchigen Schatten getrübten Bildern, die die alte Gerätegeneration übertrug, ein Riesenfortschritt. „Wir operieren jetzt bei klarer Bergsicht, wie der Bayer sagen würde“, frohlockt Billing.

Und dabei würden sich selbst die meisten seiner bayerischen Medizinerkollegen nach Billings neuer Bergsicht die Finger lecken. Das Offenbacher Klinikum ist deutschlandweit eins der ersten, das den Veradius bekommen hat. Was Billing nun „mehr Spaß macht“, auch und vor allem aber natürlich gut für die Patienten ist.

Verkettung glücklicher Umstände: Klarere Bilder von der Anatomie der Kranken und der Position der Gefäßprothese bedeuten weniger Bilder. Bedeuten weniger gefährliche Strahlung und Kontrastmittel, bedeuten kürzere Operationszeiten. Und damit auch die Möglichkeit zum Verzicht auf Vollnarkose und intensivmedizinische Betreuung nach dem Eingriff.

Aus Klinik-Kasse nicht zu bezahlen

Beispiel Erich Fath: Der Senior hatte seine Aorta-OP mit Veradius-Unterstützung und lokaler Betäubung („Habe nur irgendwas gehört, aber nichts verstanden“) am Dienstag. Gestern Vormittag fand er sich nicht auf der Intensivstation wieder, wie das früher gewesen wäre, sondern zum Anstoßen mit einigen Herren in Billings Bürotrakt.

Der dankbare Professor hatte Gesandte der Unternehmen und Institutionen um sich versammelt, die das neue Röntgengerät bezahlt haben. Aus der klammen Klinik-Kasse wären die 70.000 Euro nicht zu bezahlen gewesen. Aber die städtischen Konzernableger ESO, EVO und GBO, die Areva NP GmbH, Picard Lederwaren Obertshausen, der Lions-Club Lederstadt, die Sparda-Bank, der Gerätehersteller Philips und die Unternehmen Medtronic und Cook sprangen ein.

Und natürlich der Förderverein des Klinikums, der anfängliche Bedenken, ob es denn wirklich ein im Vergleich zur bisherigen alten Gerätegeneration doppelt so teurer Apparat sein muss, den Vorteilen untergeordnet hatte. Zumal der Blick nicht weit in die Vergangenheit schweifen muss, um den Veradius für eine Art Schnäppchen zu halten: Für eine ähnlich gute Röntgenbildqualität, wäre vor kurzem noch eine Million Euro fällig gewesen.

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