Wochenende fürs Wunderkind

Mozart-Festival: Offenbach auf den Spuren der Klassik

Offenbach - Von frühen Melodien bis zu prachtvollen Messen: Das Festival „Toujours Mozart“ hat Besuchern nicht nur den Facettenreichtum des Musikgenies präsentiert, sondern sie mit in die Vergangenheit genommen. 48 Stunden lang war Offenbach auf Mozarts Spuren unterwegs. Von Sarah Neder

Imposante Stimmgewalt: Das Vokalensemble Prophet, das Israel Mozart Orchestra und die vier Solisten geben zur Eröffnung des zweitägigen Musik-Festes die Krönungsmesse im Jaques-Offenbach-Saal zum Besten.

Zögerlich trauen sich die ersten Frauen und Männer in die Mitte des Foyers, reihen sich schüchtern um den Mann in Schwarz. Tanzmeister Jürgen Schrape wird ihnen heute zeigen, wie die feine Gesellschaft im 18. Jahrhundert übers Parkett schwebte, also zu der Zeit, in der Wolfgang Amadeus Mozart lebte. Im Büsingpalais dreht sich beim Fest „Toujours Mozart“ alles um das einstige Wunderkind. Mehr als 100 Künstler, Musiker und Sänger wirken bei 26 Programmpunkten mit, die sich an zwei Tagen dem Werk und Leben des Komponisten widmen. „Es ist ein großartiges Geschenk für die Kulturszene unserer Stadt“, jubelt Oberbürgermeister Horst Schneider bei der Eröffnung des Mozart-Festes, das vorher etwa in der Wiener Hofburg zu Gast war. Veranstalter sind die internationale Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation aus München sowie das Kulturamt. Horst Schneider begrüßt neben Stifter Erich Fischer auch die Familie André, deren Vorfahren einst die Notenblätter Mozarts veröffentlichten. Alois Senefelders Steindruck machte dem Musikhaus die Vervielfältigung möglich. Das Festival für den mit 35 Jahren verstorbenen Komponisten hat viele internationale Künstler nach Offenbach gebracht. So liefert etwa die israelische Mezzosopranistin Hadas Faran-Asia einen kraftvollen Auftakt bei der Krönungsmesse, den das Offenbacher Vokalensemble „Prophet“ stimmgewaltig begleitet. Einen weiteren Höhepunkt dieser dicht verplanten 48 Stunden bildet der Auftritt des Kinderchors der Bayerischen Staatsoper. Doch das Festival will nicht nur musikalische Prominenz nach Offenbach bringen, sondern auch das Publikum am Programm teilhaben lassen.

Unter dem Motto „Mozart & Jedermann“ können Laien mit dem Schaffen des Noten-Genies in Berührung kommen. Unter diesem Aspekt hat sich auch die Musikschule ins Angebot eingebracht. Deren Leiterin Claudia Zinecker erzählt, sie habe seit vergangenem Oktober Kollegen und Schüler für das Thema mobilisiert. „Die Resonanz war großartig!“ Zinecker findet es wichtig, dass auch Kinder einbezogen werden. Im Bankettsaal zeigen neun Nachwuchsmusiker ihr Können zum Thema „Reich mir die Hand mein Mozart“. Lehrer Jens Barnieck hat mit den Kleinen verschiedene Werke des Salzburgers am Klavier einstudiert, die alle besondere Fingerfertigkeit erfordern. Musikschulleiterin Zinecker ist vom Prinzip begeistert: „Sie sind nicht nur Konsumenten, sondern selber dabei.“

Die Konzert-Höhepunkte des Jahres in der Region

Mitmachen ist auch beim Programmpunkt „Tanzen mit Mozart“ Voraussetzung. Jürgen Schrape hat die rund 30 Teilnehmer in zwei Reihen gegenüber aufgestellt. „Erst die linke Hand, dann die rechte“, leitet er seine Schüler an. Die Männer und Frauen lernen in dieser Stunde nicht nur einander besser kennen. Schrape macht sie vor allem mit traditionellen Schritten und Gepflogenheiten im Rokoko vertraut. Im Hintergrund spielt ein Streichertrio natürlich Melodien des Mannes, um den sich alles an diesem Wochenende dreht: Wolfgang Amadeus Mozart.

Rubriklistenbild: © Georg

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