Ein Freudentag mit ungewissen Aussichten

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Engagiert für die MTA-Schule: Eva Matlachowski, Röntgenpuppe Irma und Helga Herrmann.

Offenbach - Röntgenpuppe Irma hat schon viel mitgemacht. Täglich ist sie mehr oder weniger geübten Schülerhänden und radiologischer Strahlung ausgesetzt. Von Veronika Szeherova

Trotzdem hat die alte Dame sich für den heutigen Tag herausgeputzt – mit schicken Klamotten, glitzerndem Partyhut und einer Schleife mit der Zahl 50. Schließlich feiert die Robert-Gustav-Hufnagel-Schule , in der Irma „wohnt und arbeitet“, ihr 50-jähriges Bestehen.

Im April 1962 ist es gewesen, als zehn aufgeregte Schülerinnen erstmals in der neu eröffneten Schule für Medizinisch-Technische Assistenten (MTA) der Städtischen Kliniken Offenbach an den Bänken Platz nahmen. Die MTA-Schule war somit die erste Einrichtung dieser Art an einem kommunalen Krankenhaus in Hessen. Seitdem wurden dort 1000 Schüler in 46 Lehrgängen als MTA für die Gebiete Radiologie und Labor ausgebildet. „Damals war das ein Höhere-Töchter-Beruf“, erzählt die langjährige Schulleiterin Helga Herrmann schmunzelnd. Das hat sich mittlerweile geändert. „Im diesjährigen neuen Lehrgang sind erstmals die Hälfte der Schüler männlich“, freut sich Eva Matlachowski, die 2010 die Nachfolge von Herrmann als fachliche Schulleiterin überommen hat – und ihre Schülerin war.

Grundvoraussetzungen: Chemie und Physik

Damals wie heute sind MTA-Berufe sehr gefragt, die Ausbildung ist quasi Garant für einen Arbeitsplatz. Doch die Bekanntheit ist in weiten Teilen der Bevölkerung nicht sehr hoch, was die beiden Frauen bedauern. Die Bezeichnung „Assistent“ sei zudem auch nicht korrekt. „Wir arbeiten eigenständig neben dem Arzt“, stellt Herrmann klar. Aus diesem Grund nennen sich die MTA intern mittlerweile „Technologen und Analytiker in der Medizin“. Doch bis diese Bezeichnung offiziell wird, sind noch viele gesetzliche Hürden zu überwinden.

Die Aufgaben umfassen für Labor-MTA alle analytischen Arbeiten rund ums Labor. Chemie und Physik sind absolute Grundvoraussetzungen, ebenso wie für die Radiologie-MTA. Diese beschäftigen sich mit Strahlentherapiegeräten wie Röntgen, EKG, MRT und CT. „Die technische Weiterentwicklung war in den letzten Jahrzehnten enorm“, so Herrmann. Deshalb wurde 1994 die Ausbildung um ein Jahr auf drei Jahre verlängert.

Der Unterricht in der MTA-Schule fand lange unter erschwerten Bedingungen statt. Nach den ersten zehn Jahren in Behelfsräumen im alten Klinikbau ging es für 22 Jahre in die „Baracke“. Das Holzgebäude war ebenfalls nur als Provisorium gedacht. „Sehr eng“, sagt Herrmann, die dort von 1974 bis 1976 lernte. „Vom Klinikum selbst war ich sehr beeindruckt, es war so modern“, erinnert sie sich an ihre Eindrücke vom heutigen Altbau.

Ungewisse Zukunft trübt Stimmung

1982 hinterließ Anni Hufnagel der Stadt eine Erbschaft von einer Million Mark. Sie verfügte, dass das Geld dem Klinikum zugute kommt. Es wurde zum Segen für die MTA-Schule, die 1984 in die ehemalige Infektionsstation auf dem Klinikgelände umzog und seitdem nach dem Vater der Stifterin Robert-Gustav-Hufnagel-Schule heißt. 2011 wurde der Fachbereich Labor geschlossen – aus Platzmangel und finanziellen Gründen.

„Das Gemeinschaftsgefühl und die Verbundenheit mit den Ärzten war früher ganz toll, wir haben viel gefeiert“, sagt Herrmann. „Heute ist es wie in einer Tretmühle, die Ärzte sind im Stress, manche wissen nicht mal, dass es uns gibt und was wir tun.“ 30 Jahre lehrte sie an der MTA-Schule, 25 Jahre leitete sie diese. Die Entwicklung im Klinikum bereitet ihr Sorgen. „Für die finanzielle Situation können wir jedenfalls nichts“, versucht sie sich zu trösten. „Wir waren immer sparsam.“ So erinnert sie an 2003, als sie ein ausrangiertes Röntgengerät aus Essen bekam – umsonst. „Ein Glücksfall für die Schule. Eigentlich hätte es noch viel Geld gekostet.“

Die Vorfreude auf die Feier ist wegen der ungewissen Zukunft getrübt. „Wir sind traurig und ein bisschen geschockt“, sagt Matlachowski. „MTA werden benötigt. Natürlich wollen wir, dass es weitergeht. Unsere Schule hat schon so viel geleistet.“

Jubiläumsfeier mit Festprogramm ist heute ab 9.30 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses. Eva Matlachowski: „Wir hoffen, dass die Schule auch in 50 Jahren noch Grund zum Feiern hat.“

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