Mühsamer Prozess um Datenklau

Offenbach - Körbeweise Aktenordner und unergiebige Zeugenaussagen machen die Klärung um den Vorwurf des gemeinschaftlichen Computerbetrugs vor dem Offenbacher Amtsgericht zu einer zähen Angelegenheit.

Am zweiten Verhandlungstag um zwei mutmaßliche InternetKriminelle aus Offenbach hat das Schöffengericht um Richter Manfred Beck sich in einer dreieinhalbstündigen Sitzung detailliert mit zwölf der insgesamt mehr als 120 im Raum stehenden Fällen auseinandergesetzt. Der Kleinunternehmer Daniel T. (Name von der Redaktion geändert) und sein ehemaliger Praktikant Rudi S. (Name von der Redaktion geändert) sollen über Monate hinweg mit geklauten Daten im Netz eingekauft und die Ware an Paketstationen im Umkreis geschickt haben, deren Zugangsdaten sie ebenfalls gehackt hatten. Hierfür soll S. in Administratorenbereiche von diversen Webshops eingedrungen sein und sich Zugriff auf Kreditkartennummern, Anschriften und Zugangsdaten verschafft haben. Gesamtschaden: Mehrere zehntausend Euro.

Nach der Anhörung dreier Zeugen aus dem Umfeld von Raja S. geht das Gericht mit der damals ermittelnden Kommissarin einzelne Bestellungen durch: Hier Kleidung für 270 Euro, dort für 635 Euro; Handys für mehr als 1000 Euro, 340 Euro für Grafikkarten, Bahntickets für 250 Euro, Friseurbedarf für 420 Euro. Die Masche war immer die gleiche: Besteller und Empfänger waren nie identisch. Die für die Abholung nötigen Sendungsnummern sollen J. und S. in Chats miteinander ausgetauscht haben, zudem fanden sich die verwendeten Daten auf einem USB-Stick in S.s Wohnung.

Während die Pflichtverteidiger darauf beharren, dass es für viele registrierten Fälle keine Beweise für die Beteiligung ihrer Mandanten gebe, beharrt die Staatsanwaltschaft auf deren Schuld: „Es geht immer um die gleichen Läden, die gleiche Vorgehensweise und ähnliche Artikel.“ Die Verhandlung wird am Dienstag fortgesetzt. Dann soll auch der zuständige Kriminalhauptkommissar gehört werden. 

(jb)

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion