Ärger über illegalen Müll

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Bis zu 50 angemeldete Spermülltermine müssen Mitarbeiter des ESO täglich abarbeiten.

Offenbach - Es ist eine wundersame Vermehrung der ärgerlichen Art: Wenn jemand abends seinen ordnungsgemäß angemeldeten Sperrmüll zur kostenlosen Abholung rausstellt, ist der Müllberg bis zum anderen Morgen oft um ein Vielfaches gewachsen. Von Matthias Dahmer

Gleiches passiert auch, wenn sich weniger korrekt verhalten wird, und unangemeldet das eine oder andere auf der Straße landet. 30 Kubikmeter und mehr seien keine Seltenheit, sagt Oliver Gaksch, Sprecher des für die Sperrmüllabfuhr zuständigen Stadtdienstleisters ESO, für den das Problem immer drängender wird. Hinzu kommt: „Häufig müssen wir feststellen, dass die einst gemeldeten Gegenstände kaum noch zu finden sind“, weiß Gaksch zu berichten.

Dann haben, das ist kein Geheimnis, Resteverwerter unserer Wohlstandsgesellschaft wieder mal ganze Arbeit geleistet. Noch brauchbare Möbel werden mitgenommen, Elektrogeräte an Ort und Stelle ausgeschlachtet. Nur: Die Arbeit wird für den ESO dadurch nicht weniger. Denn oft liegen die Abfälle nicht mehr fein säuberlich auf einem Haufen, sondern sind auf dem Gehweg und teilweise bis auf die Straße verteilt. Besonders schwierig wird es, wenn Kleinabfälle, Papier oder die Glassplitter vom zerlegten TV-Gerät mühsam per Hand aufgelesen werden müssen.

„Unsere Mitarbeiter wurden schon mit den unterschiedlichsten Fremdstoffen konfrontiert“, erinnert sich ESO-Sprecher Gaksch. Mit Salzsäure gefüllte Behälter zählen ebenso dazu wie mit Asbest verseuchte Bauabfälle oder auch mit Essensresten gefüllte Kühlschränke.

Bedenklich ist für ihn auch der Trend, dass immer mehr Haushalte versuchen, Hausmüll zum Sperrmüll zu legen, um so gebührenpflichtige Restmülltonnen zu sparen. Sinkende Müllmoral und steigende Abfallmengen wirken sich auf mehreren Ebenen aus: Der ESO muss seinen Routenplan über den Haufen werfen und kann viel weniger abfahren als vorgesehen. Noch gravierender ist: „Für die Allgemeinheit gehen mit den steigenden Abfallmengen Kosten einher, die über den Gebührenhaushalt aufgefangen werden müssen“, sagt Oliver Gaksch.

Illegalen Hausmüll stehenlassen

Eine Lösung zu finden, ist schwer. In größeren Wohneinheiten will der ESO künftig eine härtere Tour fahren. Wo Hausmeister oder Objektverwalter bekannt sind, soll zumindest illegal dazugestellter Hausmüll stehen bleiben und der Zuständige in die Pflicht genommen werden.

Bei den unangemeldeten Abfallbergen arbeitet der ESO seit Jahren mit dem Ordnungsamt zusammen. „Über kurze Wege stehen wir mit den Ordnungshütern im Kontakt, die vor Ort ermitteln und nach Hinweisen auf Verursacher suchen“, erläutert Gaksch. Das Dazustellen, sagt er, ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Ordnungswidrigkeit, die pro Kubikmeter mit rund 500 Euro Bußgeld geahndet werden könne.

Ansonsten kann der ESO nur darauf hinweisen, dass bei der Terminvergabe durch den Kundenservice genau angegeben werden muss, was und wie viel aus dem eigenen Haushalt herausgestellt wird. Gaksch rät, sich bereits vor Terminvergabe eine Liste zu schreiben, auf der Art und Menge des Sperrmülls aufgeführt sind. Dabei ist man in Offenbach ohnehin großzügig. Laut Satzung sind zehn Kubikmeter erlaubt, „eine Größenordnung, die nicht in jeder Stadt zulässig ist“, betont der ESO-Sprecher.

Die ESO-Mitarbeiter kümmern sich täglich um den Sperrmüll. Mit einem Pressmüllfahrzeug und einem Pritschenwagen sind sie unterwegs, um bis zu fünfzig angemeldete Haufen am Tag aufzuladen. Insgesamt fünf Sammelgebiete fahren sie in der Woche an.

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