Die „Müllschwein“-Plage

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Ohne Not haben Unbekannte Styroporberge in den Wald geworfen. Die Entsorgung im Wertstoffhof wäre legal und kostenlos gewesen.

Offenbach - Als neue Tierart werden die Kreaturen, deren Spuren ein Heusenstammer im Wald an der verlängerten Dietzenbacher Straße entdeckt hat, sicher nicht registriert. Auch wenn der Mann sie in einer Mail an offizielle Stelle zu „Müllschweinen“ erklärt hat. Von Marcus Reinsch

Aber: Wohl jeder mit einem halbswegs innigen Verhältnis zu Mutter Natur würde Kreaturen, die mit hässlicher Regelmäßigkeit ihren Müll einfach in die Natur werfen, zumindest eine Plage nennen. Erst am Wochenende ist’s wieder passiert: Unbekannten, die definitiv nur zwei Beine, dafür aber wahrscheinlich vier Räder zur Verfügung hatten, ist es „wieder einmal gelungen, ohne Probleme ihren Dreck im Wald abzuladen“, schreibt der Heusenstammer an Christian Broos.

Broos ist im Ordnungsamt Offenbach Sachgebietsleiter für Sicherheit, Sauberkeit, Ordnung und Abfallrecht. Mit „Verstößen gegen das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz“, wie illegal platzierte Müllhaufen im Juristendeutsch heißen, hat er immer wieder zu tun. Längst haben sich in Wegwerfkreisen bestimmte Ecken wie der tote Stummel der B 448 und eben die Wälder und Parkbuchten nahe der Müllverbrennungsanlage herauskristallisiert. Abgelegene und mit wenig Personal kaum zu kontrollierende Orte, an denen Sündern kaum Entdeckung droht, selbst wenn sie mit einem vollgestopften Transporter vorfahren.

Sobald das Amt vom nächsten Frevel erfährt, alarmiert es den Revierförster und schickt seinen Außendienst los. Diese „Mülldetektive“ schaffen entweder selbst Ordnung. Oder sie rufen den Stadtdienstleiter ESO, der den Unrat korrekt entsorgt.

Vor allem aber durchforsten die Leute vom Amt die Hinterlassenschaften nach Hin- und Beweisen. Ist immerhin schon passiert, dass sich in einem Müllsack ein aus Versehen mit weggeworfener Briefumschlag mit Name und Adresse des mutmaßlichen Täters fand. Dann wird weiter recherchiert, was für Erwischte mehr als unangenehm, heißt: teuer werden kann.

Absperrung offen

Im jüngsten Fall war die Spurensuche gestern noch nicht abgeschlossen. Und wohl auch nicht viel versprechend. Denn die illegale Ablagerung bestand im Wesentlichen aus großen Styroporblöcken. Auch nach Jahren nicht verrottendes Verpackungsmaterial vermutlich und nichts, was die Identität seines ursprünglichen Besitzers verraten könnte.

Per Rucksack ist sowas nicht bis in den Wald zu bringen, was schlussfolgern lässt, dass ein Auto im Spiel war. Das mehrt den Ärger des Beschwerdeführers. Eigentlich können nur Förster, Waldarbeiter und die Feuerwehr die Schranke an der Zufahrt zum Waldweg passieren. Die Absperrung sei am Wochenende aber „einladend offen“ gewesen, schreibt der Heusenstammer.

Auch für Broos ist das nicht der empfehlenswerteste Zustand. Aber zum einen werde die Öffnung einen guten Grund gehabt haben. Zum anderen werde jemand, der seinen Müll illegal entsorgen will, sicher nicht von einer geschlossenen Schranke dazu bekehrt, zum Wertstoffhof zu fahren. Das Problem verlagere sich erfahrungsgemäß nur entweder vor die Schranke oder an einen anderen verbotenen Ort.

Mit Logik ist den Tätern offensichtlich kaum beizukommen. Denn logisch wäre in der Tat der Weg zum ESO-Wertstoffhof. Der nimmt von privaten Offenbachern die meisten Abfälle bis zu einer üppig bemessenen Höchstgrenze kostenlos an.

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