Sauberkeitsproblem

Ständig Ärger um Müll in Offenbach – Die Corona-Pandemie verschlimmert die Situation

Kein Einzelfall: Wie hier auf unserem Archivfoto sind im Stadtgebiet regelmäßig illegale Müllablagerungen zu finden.
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Kein Einzelfall: Wie hier auf unserem Archivfoto sind im Stadtgebiet regelmäßig illegale Müllablagerungen zu finden.

Illegale Müllablagerungen, übervolle Glas- und Kleidercontainer, Hundekot – das Ärger-Potenzial in Offenbach ist seit Jahren hoch.

Offenbach – Wenn es ein Thema in der Stadt gibt, welches regelmäßig die Gemüter erhitzt, dann ist es die Sauberkeit. Damit es eine Abkühlung gibt, wurde im Oktober 2017 die Stabsstelle „Sauberes Offenbach“ eingerichtet. Die dem Ordnungsamt unterstellte Einrichtung koordiniert die Zusammenarbeit der kommunalen Aktivitäten im Kampf gegen den Müll.

Bei der Frage, nach den bisherigen Erfolgen, bedauert Stabsstellen-Leiter Christian Broos: „Das ist ein ganz schlechter Zeitpunkt, um eine Zwischenbilanz zu ziehen.“ Corona habe in vielen Bereichen Verbesserungen wieder zunichte gemacht. Als Beispiel nennt Broos die in Zeiten der Pandemie beliebte Beschäftigung, endlich mal zu entrümpeln oder zu renovieren. „Das hatte wesentlich mehr Müllaufkommen und damit leider auch mehr illegale Ablagerungen zur Folge.“ Auf einem besseren Niveau als noch vor einigen Jahren sieht Stabsstellenleiter Broos die Stadt beim Thema Hundekot. Die regelmäßigen Kontrollen bis hin zu Observierungen von Gassigehern durch Zivilstreifen gepaart mit der Tütenpflicht hätten Wirkung gezeigt.

Massiver Müll-Ärger in Offenbach: Vor allem Fast-Food-Abfälle sind ein Problem

Ein massives, zum Teil auch Corona geschuldetes Problem, seien die Fast-Food-Abfälle, so Broos. Weil etwa die Burger-Ketten in ihren Filialen nicht hätten bewirten können, seien im Umfeld „Müllablagerungen aus dem Nichts“ entstanden. Broos: „Da helfen selbst Papierkörbe kaum, und die Betreiber der Fast-Food-Gastronomie können wir leider nicht in die Pflicht nehmen.“

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Zu den Schwerpunkten der Stabsstellen-Arbeit zählt Broos nach wie vor die Situation an Glas- und Kleidercontainern. Was das Altglas angehe, sei immer wieder festzustellen, dass nicht alleine Anwohner am jeweiligen Standort ihre Flaschen einwerfen würden, sondern mitunter Quartiersfremde quasi im Vorbeifahren ganze Kofferraum-Ladungen entsorgten. Folge: Die Container quellen über, das Glas wird rundherum abgestellt.

Müll-Ärger in Offenbach: Kleider-Container sind überfüllt

Die gleiche Wirkung mit anderer Ursache ist bei den Altkleiderbehältern zu beobachten. Zum einen werden diese Container immer wieder mal aufgebrochen und nach Verwertbarem durchwühlt, mit der Folge, dass die Reste draußen liegen bleiben. Zum anderen wurden die Container-Betreiber corona-bedingt ihre Klamotten nicht los. „Der Verwertungsprozess kam zum Erliegen, die Lager waren voll, die Behälter wurden zum Teil nicht geleert“, beschreibt Christian Broos.

Die gestiegene Sensibilität der Offenbacher in Sachen Müll spiegelt sich auch in Zahlen: Liefen 2017 über den städtischen Mängelmelder noch 1160 Meldungen ein, waren es laut der jüngsten Statistik vom vergangenen Jahr 2966. Mehr Personal beim Ordnungsamt ist es zu verdanken, dass die Einnahmen aus Bußgeldern gestiegen sind; von 32 841 Euro im Jahre 2019 auf 59 310 Euro in 2020. Zur Bilanz gehört aber auch: „Das Gros der Fälle, in denen Ermittlungen aufgenommen wurden, musste wieder eingestellt werden, weil es keine Hinweise auf die Täter gab.

Leitet die Stabsstelle Sauberes Offenbach: Christian Broos.

Besonders ärgerlich, aber leider der Regelfall ist das bei den ganz großen Müllsündern. „Fast jedes Jahr im Frühjahr und im Herbst werden illegal Altreifen entsorgt. Das waren schon bis zu 300 Stück pro Fund. Und leider haben wir noch nie den Verursacher ermitteln können“, sagt Christian Broos.

Offenbach: „Augen aufhalten und Müllablagerungen an die Stadt melden“

Ein Sonderfall ist für die Stabsstelle die Bahn. Geht es um Schmierereien in den Bahnunterführungen oder bei der Vermüllung von bahneigenem Gelände kann Broos nur konstatieren: „Da beißen wir häufig auf Granit.“ Zum Handeln könne man die Bahn nicht zwingen, es bleibe nur die Möglichkeit, „immer im Gespräch zu bleiben“. Was die Beseitigung von Schmierereien angeht, will man in der Stabsstelle demnächst ein neues Projekt angehen: So sollen betroffene Immobilieneigner mittels städtischer Zuschüsse dazu animiert werden, Graffiti zu beseitigen.

Grundsätzlich hofft Christian Broos beim Thema Sauberkeit auf die Unterstützung aus der Bevölkerung. Sein Appell: „Augen aufhalten und Müllablagerungen an die Stadt melden. Das ist besser, als Frust aufzubauen.“ Der Mängelmelder steht als kostenlose App zur Verfügung, oder man kann sich über die Mängelmelder-Plattform auf www.offenbach.de melden. (Matthias Dahmer)

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