In Deutschland tobt wieder Diskussion um Mülltrennung

Streit um Grünen Punkt und Gelbe Tonne

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Offenbach - Der Streit zwischen den Unternehmen, die für das Einsammeln und Recyceln von Verpackungen zuständig sind, hat die Diskussion über Sinn und Zweck von Grünem Punkt und Gelben Tonnen wieder entfacht. Von Angelika Dürbaum 

Und nun erklärt eine Umfrage der kommunalen Betriebe das System für komplett gescheitert. Es war im Jahr 1991, als die erste Verpackungsordnung in Deutschland in Kraft trat. Ziel war es, die steigenden Mengen an Verpackungsmüll zu verringern und dafür zu sorgen, dass die Verpackungen möglichst wiederverwertet werden. Damit beauftragt wurden Hersteller und Handel – also die Verursacher. Die schufen dafür das Duale System Deutschland (DSD) mit Grünem Punkt und Gelben Sack.

Inzwischen gibt es zehn solcher Systeme – und immer wieder viel Ärger. Aktuell wird um die Kosten gestritten, weil das DSD die Abrechnungsvereinbarungen gekündigt hat. Vorwurf: Mitwerber tricksten mit Mengenanteilen, um ihre Kosten zu senken. BellandVision, das zweitgrößte duale System in Deutschland, prangert dies ebenfalls an und stellt sogar ein Ultimatum: „Sollten sich die zehn dualen Systeme nicht bis zum 30. April über die Finanzierung der Verpackungsentsorgung für das Jahr 2014 einigen, wird BellandVision ohne weitere Kompromisse reagieren.“ Geschäftsführer Thomas Mehl wird in einer Pressemitteilung noch deutlicher: Sollte es „keine tragbare wirtschaftliche Einigung zwischen den Systemen“ geben, „wird es für die duale Entsorgung eng“.

Zusätzlicher Zündstoff

Für zusätzlichen Zündstoff sorgt nun eine gestern vorgelegte Studie des Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU). Demnach würden die Verbraucher die Zuständigkeit für den privat gesammelten Verpackungsmüll mehrheitlich wieder lieber bei den Kommunen sehen. In der repräsentativen Umfrage von Forsa sprachen sich 59 Prozent der Befragten dafür aus, die Abholung, Sortierung und Verwertung von Verpackungsabfällen wieder an die kommunalen Entsorgungsbetriebe zurückzugeben. Nur 28 Prozent sind demnach der Meinung, dass weiter private Unternehmen zuständig sein sollen.

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Jeder dritte Bürger vermutet der Umfrage zufolge, dass die Hälfte des Verpackungsmülls aus der Gelben Tonne oder dem Gelben Sack wiederverwertet wird. Tatsächlich sei die Recyclingquote von Kunststoffen jedoch viel schlechter, erklärte der VKU, der die Umfrage in Auftrag gab. Nur etwa 20 Prozent der eingesammelten Menge an hochwertigem Kunststoff werde wieder eingesetzt.

Das Duale System habe inzwischen ein Akzeptanzproblem, folgert der VKU aus der Studie. Die Bürger trennten ihren Müll ohnehin heute weniger als noch vor wenigen Jahren. Zudem landeten 40 Prozent der Leichtverpackungen in der grauen Tonne, für die die Kommunen zuständig sind, und nicht im Gelben Sack. Gleichzeitig zahlten viele Unternehmen, die Verpackungen in Umlauf bringen, nicht mehr die Lizenzen für das Entsorgungssystem, sondern nutzten gesetzliche Schlupflöcher, was auch die Vertreter des Dualen Systems gewaltig ärgert.

Nach Art des Materials trennen

Die Regelungen für die Mülltrennung seien derzeit „völlig fern von der Lebenswirklichkeit der Bürger“, erklärte der VKU. So hätten sich zwei Drittel der Befragten dafür ausgesprochen, die Regeln zu ändern und künftig nach Art des Materials zu trennen, also zum Beispiel alle Kunststoffe und Leichtmetalle in einer Tonne zu sammeln – egal, ob es um Verpackungen oder alte Zahnbürsten gehe. Das Festhalten an einem „Parallelsystem“ für die Hausmüllentsorgung habe sich nicht bewährt und entspreche auch nicht den Wünschen der Bürger, kommentierte der Verband die Ergebnisse.

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Natürlich geht es auch um viel Geld. Laut VKU kostet allein das Sammeln, Sortieren und Recyclen von Leichtverpackungen 750 Millionen Euro im Jahr. Das duale System sollte einst die Kommunen entlasten – aber die Verpackungsabfälle gelten in Zeiten zunehmenden Recyclings auch als äußerst lukrativ. Der Vize-Präsident des Verbandes kommunaler Unternehmen, Patrick Hasenkamp, argumentierte der Deutschen Presseagentur zufolge bei der Vorstellung der Umfrage zudem, Kommunen könnten im Gegensatz zu Unternehmen auf den Ort zugeschnittene Verwertungssysteme anbieten. „Es gibt auf der örtlichen Ebene das Bedürfnis, dass die Menschen mitentscheiden.“ Außerdem seien dann die Kosten transparenter, da sie über die Müllgebühren erhoben würden.

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