Abfall-Entsorgung

Besser trennen mit Müll-App

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Offenbach - Es ist längst beschlossen und im Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) verankert: Am 1. Januar 2015 wird die Biotonne bundesweit Pflicht. In Offenbach haben sich die Verantwortlichen Zeit genommen und bestehende Systeme begutachtet. Von Martin Kuhn

Am Main setzen sie die gesetzlichen Vorgaben zum 1.  April ’14 um. Das verschafft einen zeitlichen Puffer. Derweil formuliert Bürgermeister Peter Schneider (Grüne) das künftige Ziel: 10.000 Tonnen Biomüll pro Jahr aus Offenbach. Das ist nur mit den Bürgern zu schaffen. Peter Walther, Chef des kommunalen Dienstleisters ESO, bringt es auf den kurzen Nenner: „Die gleiche Menge Müll ist auf mehr Tonnen zu verteilen.“ Für ihn ist die Einführung der braunen Biotonne im nächsten Frühjahr die größte Veränderung der Müllabfuhr seit 1992 – damals wurde die Papiertonne eingeführt. Damals ein Klacks. Zu jeder Restmülltonne gab’s in der gleichen Größe ein grünes Gefäß.

Zum 1. April 2014 wird es ungleich komplizierter; eine Art lokale Tonnen-Arithmetik. Auf Grundlage des jetzigen Restmüll-Volumens errechnen die ESO-Mitarbeiter die künftigen Gebinde. Mögliches Beispiel: Im Mietshaus stehen bislang zwei 240-Liter-Tonnen für Restmüll, künftig sind es eine 240- und 120-Liter-Tonne für Rest- sowie eine 80-Liter-Tonne für Biomüll. Der Leerungsintervall bleibt bestehen, erfolgt aber nicht an den gleichen Wochentagen: „Das ist finanziell nicht abbildbar“, so ESO-Geschäftsführer Markus Patsch.

Eine Million Euro für Tonnen

Der Eigenbetrieb blickt detailliert auf jede Offenbacher Liegenschaft. Die in der Dieselstraße errechneten Vorschläge gehen in der nächsten Woche an etwa 14 .000 Eigentümer.  Der ESO bittet um eine rasche Antwort innerhalb einer bestimmten Frist. Grund: Erst dann bestellt der Eigenbetrieb passgenau gut 17.000 Mülltonnen nach europaweiter Ausschreibung. Kostenvolumen allein dafür: rund eine Million Euro. Hinzu kommen je 175.000 Euro für drei neue Müllfahrzeuge.

Eine weitere Zahl, die aber unter der Zielvorgabe liegt. Die Fachleute erhoffen sich aus den jährlich zirka 28.000 Tonnen Restmüll gut 6000 Tonnen Bioabfall. Laut Analyse liegt der organische Anteil des Restmülls in Offenbach bei etwa 40 Prozent. Die Biomasse soll in eine regionale Biovergärungsanlage gebracht und wieder in Energie verwandelt werden. Solche Anlagen stehen in Frankfurt oder Flörsheim/Wicker. „Ergebnis in etwa sechs Wochen“, verweist Patsch auf laufende Verhandlungen. Mit dem Bioabfall ist indes kein Erlös zu erzielen. Er ist allein weniger teuer in der Entsorgung als Restmüll.

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Um den Bürger auf dem Weg in das Bio-Zeitalter mitzunehmen, setzt der ESO auf Service. So erhält jeder Haushalt ein kostenloses Vorsortiergefäß. Zudem gibt’s eine zusätzliche Internet-Seite, eine Müll-App für das Handy und im kommenden Jahr zwei Abfallkalender. Denn allein mit der Einführung Biotonne zum 1. April 2014 ist es nicht getan. Im Anschluss reduziert der ESO die Restabfalltonnen gemäß Rückmeldung. Das dürfte noch einmal sechs Wochen dauern. Und trennt der Offenbacher fleißig, könnte es sich für ihn rechnen – mit einer leicht reduzierten Müllgebühr. Fein raus sind vor allem diejenigen, die bereits im eigenen Garten komposten. In diesem Fall entfällt die Pflicht zur Biotonne.

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