Mütter ein Jahr lang begleiten

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Das Pro-Familia-Team vorm neuen Domizil (von links): Florian Schmidt, Bärbel Gathof, Sunay Caliskan, Bettina Witte de Galbassini, Ria Ellers, Perihan Öksüz-Akbas, Helga Bockemühl, Brigitte Kordts-Szustak.

Offenbach - (siw) Mehr Gruppenangebote für Mütter sowie mehr Fortbildungsangebote will Pro Familia künftig offerieren. Möglich machen das neue Räumlichkeiten, in denen jetzt anders gearbeitet werden kann.

Ende März ist die Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung in die Domstraße 43 gezogen. Erst gestern wurde offiziell eingeweiht. „Der Umzug musste schnell gehen, es hat lange gedauert, bis alles fertig war und dann kam die Sommerpause“, erklärt Brigitte Kordts-Szustak.

Fast 33 Jahre lang war die Beratungseinrichtung an der Bahnhofstraße zu finden, wechselte dort vor zehn Jahren von der Hausnummer 35 zur 37. Es sei nicht unproblematisch, wenn eine solch eingeführte Anlaufstelle umziehe, räumte Ria Ellers ein, doch die Umstände am alten Standort hätten dies mit sich gebracht. Die Räume waren durch Wasserschäden und Schimmel beeinträchtigt und hätten saniert werden müssen. Weil der Mietvertrag auslief, hätten sie die Chance zum Umzug genutzt.

Jetzt sitzt das achtköpfige „multi-professionelle Team“, wie Ria Ellers sagt, in der 240 Quadratmeter großen 3. Etage an der Domstraße quasi um die Ecke und ist dank Fahrstuhl auch für Frauen mit Kinderwagen gut zu erreichen. Das neue Domizil ist hell, freundlich und etwas „feiner“. Mit wechselnden Ausstellungen (derzeit von den Praunheimer Werkstätten) wurden die Räume ansprechend gestaltet.

„Offenbach-spezifische“ Zusammenstellung der Mitarbeiter

Offenbach-spezifisch“ sei die Zusammensetzung der Mitarbeiter, so Ellers. Zwei türkische Kolleginnen tragen dazu bei, die Hemmschwellen bei Migrantinnen in Fragen der Familienplanung und Kindererziehung abzubauen. Was zunächst vorübergehend gedacht war, ist jetzt fest verankert. „Das hat eingeschlagen wie eine Bombe“, erzählt Ellers. Immerhin haben von den etwa 2 100 Personen, die im vergangenen Jahr Hilfe suchten, etwa zwei Drittel einen Migrationshintergrund. Offensiv sei Perihan Öksüz-Akbas auf ausländische Kultur- und Moscheevereine zugegangen, um die Frauen zu erreichen. Veranstaltungen wie „Baby verstehen“ auf türkisch sowie Mundpropaganda sind dafür verantwortlich, dass Migrantinnen nun mit ihren Problemen kommen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Pro-Familia-Arbeit sei die Vernetzung in Sachen „frühe Hilfen“, mit denen vermieden werden soll, dass Mütter nicht mehr weiter wissen und die Kinder dies zu spüren bekommen, erzählt Kordts-Szustak. Deswegen sollen die Frauen gestärkt und sicherer gemacht werden. So bietet die Einrichtung ab 22. September regelmäßige Treffen für Alleinerziehende mit Kindern unter einem Jahr an. Außerdem soll eine möglichst internationale besetzte Gruppe von Frauen mit Kindern im ersten Lebensjahr entstehen, die ein Jahr lang begleitet wird (Kontakt: Tel. 069 85096800).

Beraten wird auch rund ums Thema sexuelle Gewalt, die bei Jugendlichen per Handy verbreitet wird. Hilfen bekommen Kinder, Eltern und Pädagogen. Kordts-Szustak lobte das städtische Engagement, mit der sozial Schwache bei der Familienplanung unterstützt würden: Mit Nachweis bekommen an die 300 Frauen jährlich kostenlos die Pille oder die Spirale. Pro Familia rechnet dann mit der Stadt ab - so wird den Betroffenen erspart, das Thema mit ihrem Sachbearbeiter verhandeln zu müssen.

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