Mütze auf, Präsenz zeigen

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Radeln in der Fußgängerzone verboten: Die Stadtpolizisten Thomas Schuster und Bernd Zeisler klären auf.

Offenbach ‐ Die Schicht beginnt mit einem Ölfleck. Feldschutzhauptmeisterin Manuela S. kniet sich vor die Motorhaube des Golfs und leuchtet unter das Auto. Pechschwarz schillert die klebrige Flüssigkeit im Schein der Taschenlampe. Von Denis Düttmann

Wenn das Öl ins Grundwasser kommt, schadet es der Umwelt“, sagt Kollege Tobias D. Der herbei gerufene Halter ist überrascht: „Da ist ja wirklich ganz schön viel rausgetropft.“ Doch er weiß schon eine Lösung: „In drei Tagen kommt das Auto sowieso in die Werkstatt, dann kann ich das gleich mit erledigen lassen.

Katzenstreu und Wanne drunter

Die beiden Mitarbeiter der Stadtpolizei weisen den jungen Mann an, die Öllache mit Katzenstreu zu bedecken und eine Wanne unter das Leck zu stellen. „Wir kommen noch mal zur Nachkontrolle“, kündigen sie bei der Verabschiedung an. Sonst bleibt der Verstoß gegen das so genannte Kreislauf-, Wirtschafts- und Abfallgesetz jedoch fürs Erste ungeahndet.

Weiter geht es Richtung Buchrainweg. In einem Waldstück hat eine Joggerin bereits mehrmals herrenlose Hunde gesehen und sich bei der Stadtwache beschwert. Doch schon auf dem Weg dorthin bemerkt Manuela S. einen Radfahrer auf dem Bürgersteig. Sie stoppt den Streifenwagen und weist den jungen Mann an, auf die viel befahrene Sprendlinger Landstraße zu wechseln. „Die Autos rasen hier so, da habe ich Angst, dass ich über den Haufen gefahren werde“, verteidigt sich der Radler. Mag sein, doch Vorschrift ist Vorschrift und erwachsene Fahrradfahrer haben auf dem Fußweg nichts verloren.

Unrat mit Digicam fotografiert

Von den Hunden ist im Wald nichts zu sehen, dafür entdecken die Stadtpolizisten einen Müllhaufen am Wegesrand. Eine ausrangierte Friteuse, Geschirr und eine Handvoll Stofffetzen sind notdürftig hinter einem Baum versteckt. Tobias D. fotografiert den Unrat mit der Digitalkamera und macht sich ein paar Notizen. „Wir geben das an den ESO weiter, dann wird der Müll abgeholt“, erklärt er.

Zurück in der Innenstadt heißt es: Mütze auf und Präsenz zeigen. In der Fußgängerzone gilt es vor allem, das Radfahrverbot durchzusetzen. Wer von den Hilfspolizisten angehalten wird, bekommt ein Kärtchen mit den entsprechenden Bußgeldern in die Hand gedrückt: Radeln im Fußgängerbereich kostet zehn Euro, Rotlicht missachten 45 Euro, und wer auf dem Fahrrad telefoniert, muss 25 Euro berappen. „Bin mal gespannt, ob es etwas bringt“, sagt Manuela S. „Meine Erfahrung ist eher: Je mehr ich montags vom Rad hole, desto mehr rasen am Dienstag wieder durch die Fußgängerzone.

Park-Knöllchen schreibt eine Sicherheitsfirma

Die Stadtpolizei hat in Offenbach zahlreiche Aufgaben: Gaststättenüberprüfung, Durchsetzung der Gefahrenabwehrverordnung, Verkehrsregelung bei Demonstrationen und Sportveranstaltungen, Patrouillen auf Volksfesten und Geschwindigkeitsmessungen. Die zwölf Mitarbeiter im Außendienst werden aber auch zu verwahrlosten Wohnungen gerufen, bringen Leute, die sich selbst gefährden, in die Psychiatrie und sind für Abschiebungen zuständig. Nur das Schreiben von Strafzetteln - für die meisten wohl die klassische Aufgabe der Hipos - ist ausgelagert worden: Knöllchen schreiben in Offenbach nur noch Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Securitas. „Häufig beschweren sich Leute bei uns, dass die Hilfspolizisten nur Falschparker aufschreiben, aber nichts gegen lärmende Jugendliche oder unangeleinte Hunde machen“, sagt Abteilungsleiter Jens Teschner. „Wenn ihnen etwas auffällt, melden die Securitas-Mitarbeiter Ordnungswidrigkeiten natürlich an uns weiter, selbst dürfen sie jedoch nicht einschreiten.

Ganz anders die Stadtpolizisten - sie verfügen über die Befugnisse von Polizeibeamten. „Der Unterschied liegt lediglich in der Zuständigkeit. Die Landespolizei kümmert sich um Strafsachen und wir um Ordnungswidrigkeiten“, erklärt Teschner. In ihrer Ausbildung durchlaufen die kommunalen Polizisten einen achtwöchigen Grundlehrgang sowie weitere Spezialmodule wie Verkehrsregelung, Anhalten von Fahrzeugen, Sondersignalfahrten sowie einen Dokumentenfälschungslehrgang. „Unsere Mitarbeiter sind hoch qualifiziert. Hinzu kommt, dass die meisten bereits über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen und eine gute Portion Menschenkenntnis mitbringen“, so Teschner.

Mal wieder im Martin-Luther-Park nach dem Rechten sehen

Die Spätschicht beginnt um 15 Uhr. In der Stadtwache am Marktplatz holen sich Oliver E. und Boris M. ihre Aufträge ab. In Bieber muss eine Gaststätte überprüft werden, am Landgrafenring hat sich eine Anwohnerin über Lärm auf dem Bolzplatz beschwert und im Martin-Luther-Park muss mal wieder nach dem Rechten gesehen werden.

„Wir überprüfen, ob die Notausgangstür offen ist und genügend Feuerlöscher vorhanden sind“, erklärt Boris M., als der den Streifenwagen vor der Kneipe parkt. Alles ist in Ordnung und die beiden wollen gleich weiter, doch der Wirt hat noch etwas auf der Seele. Er schimpft über die Brandschutzbestimmungen, klagt über seinen Verpächter. Und so bleiben sie eben noch ein bisschen länger und hören sich die Sorgen an. „Das ist auch Teil unseres Jobs“, sagt Boris M.

„Verboten ist es trotzdem.“

Im Martin-Luther-Park stoppen die beiden eine Frau, die einen Spitz an der Leine führt. „Der ganze Park ist für Hunde gesperrt“, erklärt Oliver E. Eine Diskussion mit der Dame, die anführt, dass andere auch hier ihre Hunde Gassi führten, erstickt er im Keim. „Auch wenn andere das tun, verboten ist es trotzdem.“ Weiter geht es zu einer Gruppe Männer, die auf einer Parkbank Bier trinken. Man kennt sich, hält ein kurzes Schwätzchen. „So lange sie den Platz sauber hinterlassen, ist das in Ordnung“, sagt Oliver E. Dann macht sich das Team auf zur Stadtwache: Berichte schreiben und Dienstplan für morgen abholen, bevor es in den Feierabend geht.

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