Multikulti-Mikrokosmos

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Garanten für den Erfolg des Kulturfestes sind die internationalen Speisen und ein buntes Bühnenprogramm.

Offenbach - „Das ist Offenbach“, ruft Oberbürgermeister Horst Schneider begeistert über den Wilhelmsplatz und meint damit das bunte Treiben auf dem Kopfsteinpflaster, das sich seit etwa zehn Jahren „Kulturfest der Nationen“ nennt. Von Katharina Skalli

Zum 24. Mal eröffneten er, Magistratskollegen und Abdelkader Rafoud, Vorsitzender des Ausländerbeirats, die Feier, die 1975 als „Tag des ausländischen Mitbürgers“ ins Offenbacher Leben gerufen wurde und seit dem fester Bestandteil des Kulturangebots ist.

Bis heute „ist es eine Bereicherung für unsere liberale und multikulturelle Stadt“, stellt Rafoud zur Begrüßung fest. Allein das kulinarische Angebot macht die Vielfalt der Stadt erlebbar. Würziger Duft von frisch gegrilltem Fleisch breitet sich in einer rauchigen Wolke über den Platz. Souvlaki, Cevapcici, mit Koriander gewürzte Frikadellen, Kichererbsen-Bällchen in Fladenbrot, Gyros, Tsatsiki und mit Käse und Kräutern gefüllte Fladen machen die Auswahl schwer. 24 Vereine haben für zwei Tage ihre Mitglieder mobilisiert und präsentieren ihren Mitbürgern ein Stück Heimat. Auch das Wetter spielt mit. „Es passt zum mediterranen Flair de Platzes“, meint Abdelkader Rafoud. Bereits am frühen Samstagabend sind nahezu alle Plätze belegt. Auf Bänken und an kleinen, runden Bistrotischen haben sich die Offenbacher niedergelassen. Auch die Mitte des Wilhelmsplatzes wird genutzt. Hier hat der Ausländerbeirat, der an einem Stand über seine Arbeit informiert, Bänke und Tische platziert. Ein Rondell der Begegnung.

Impressionen vom Kulturfest der Nationen

Kulturfest der Nationen

Als sich das Gremium 1984 aus dem bereits 1973 entstandenen Koordinierungskreis ausländischer Arbeitnehmer bildet, werden die ersten Vertreter noch zum Teil benannt. 1987 folgt die erste Wahl des Ausländerbeirats. Seit dieser Zeit besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Beirat, als beratendes Organ für die Stadt und den ausländischen Vereinen.

Die Männer und Frauen, die sich damals auf neue Wege begaben, bemühten sich, dass Fremde den Menschen in ihrer neuen Heimatstadt näher zu bringen. Heute sitzen ihre Töchter und Söhne an den Tischen auf dem Karee und stehen hinter den Ständen, reichen Fladenbrot und Minztee und verraten Rezepte aus dem Heimatland ihrer Eltern. Die nächste Generation ist hier geboren, fühlt sich am Main heimisch. Sie ist mit der Vielfalt der Stadt aufgewachsen. Das Gefühl fremd zu sein, von dem ihre Eltern berichten, kennen sie nicht. Nur das Empfinden, manchmal ein wenig anders zu sein. „Wer in Offenbach geboren ist, ist Offenbacher“, sagt Stephan Färber. Das Fest präsentiere den gesellschaftlichen und kulturellen Reichtum der Stadt in Ausschnitten, meint der ehrenamtliche Stadtrat.

Auf der Bühne eröffnen die Griechen am Samstag den Tanz. In schneeweißen Blusen und schwarzen Hosen präsentieren die Jüngsten wie man in dem Land ihrer Familien tanzt. Vor der Bühne strecken stolze Eltern ihre Kameras in die Höhe, Omas wischen sich über die feuchten Augen, als wäre der beißende Rauch der Grills hineingeraten.

Bierwagen sind nicht erlaubt

Das Publikum zuckt mit den Füßen, wippt ein wenig mit und der blaue Himmel über dem sich die ausgefransten Kondensstreifen spannen, tut sein übriges zur Urlaubsstimmung mitten in der Stadt. „Wir haben immer Glück mit dem Wetter“, sagt Waltraud Schäfer, die Geschäftsführerin des Ausländerbeirats. Etwa ein halbes Jahr dauert die Vorbereitung. Bierwagen sind nicht erlaubt. „Das macht den besonderen Charme des Festes aus“, erklärt sie.

Die portugiesisch-katholische Gemeinde hat einen zentralen Platz erwischt. Zwischen Binodon Bangla und dem Freundschaftsverein Türkei kredenzen sie in ihrem „Café Azulejo“ Wein aus Portugal, Kaltgetränke, Espresso und Süßes. „Wir sind eigentlich in jedem Jahr dabei“, sagt Gracinda Dos Santos und reicht einem Besucher einen weißen Pappteller mit Patéis de Nata. Kleine Puddingtörtchen mit Vanille. „Die kommen bei den Besuchern am besten an.“ Alles sei selbstgebacken verspricht sie mit einem Lächeln. Mit dem Erlös bessern die Vereine ihre Kassen auf.

Auch wenn das Fest gut besucht und Gäste und Veranstalter bei bester Laune sind, mahnt Abdelkader Rafoud zum Weitermachen. „Das ist ein Appel, dass wir für die Integrationsarbeit noch mehr leisten müssen“, sagt er und verliest noch eine Presseerklärung zum zehnten Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001: „Diese Angriffe auf unsere demokratischen und freiheitlichen Werte einer offenen Gesellschaft dürfen wir nicht dadurch abwehren, dass wir Andere (...) ausgrenzen. Wir müssen unsere Werte verteidigen, indem wir die gemeinsamen Nenner der Demokratie, Freiheit, Gerechtigkeit und Toleranz stets aufrecht erhalten.“

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