Comedy-Duo im Capitol

„Mundstuhl“: Zielsicher unter der Gürtellinie

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Äußerst derb und niemals politisch korrekt: Ande Werner und Lars Niedereichholz im Capitol.

Offenbach - 15 Jahre und kein bisschen zahm: Seit 1997 stehen Ande Werner und Lars Niedereichholz als Comedy-Duo „Mundstuhl“ auf der Bühne. An Gags und deftigen Zoten, ihrem Markenzeichen, mangelt es den beiden nach wie vor nicht. Von Maren Cornils

Und so treffen sich auch in ihrem neuen Programm „Ausnahmezustand!“ – am Samstag im Capitol zu sehen – all jene Kunstfiguren wieder, denen „Mundstuhl“ zu Kultstatus verholfen hat. Die beiden sächselnden Grazien Peggy und Sandy dürfen da ebenso wenig fehlen wie „C- und F-Hörnchen“, „Trinkhallen-Andi“, „Grill-Schorch“ und natürlich „Dragan und Alder“, die vom Publikum mit frenetischem Applaus begrüßt werden. Bevor es so weit ist, dürfen Lars und Ande Michael Holms Hit „El Lute“ anstimmend, darüber rätseln, ob der spanische Volksheld, der „nie das Licht der Sonne erblickt“ vielleicht als Grubenarbeiter tätig war.

Sie lästern darüber, dass bei Natascha Kampbuschs ORF-Show die Quoten „im Keller“ sind, um sich dann minutenlang über die Vorteile einer Pinguin-Heizung zu unterhalten und das Publikum ganz nebenbei über den Unterschied zwischen den Brennstoffen Robbe und Pinguin aufzuklären: „Man erkennt das ganz leicht: Eine Robbe liegt, ein Pinguin steht.“ Politisch korrekt ist das alles nicht, auch wenn Lars Niedereichholz versichert, mit dieser voll natürlichen Heizart ökologisch auf der sicheren Seite zu sein.

Behinderte, Homosexuelle, Senioren, Ostdeutsche – es gibt so gut wie keine Bevölkerungsgruppe, die bei „Mundstuhl“ ungeschoren davonkommt, und so blödeln sich Lars und Ande von der Osteuropäer-Fraktion („Polnischer Triathlon: zu Fuß zum Schwimmbad und mit dem Rad zurück“) bis zur Verkaufsshow, in der ein stinknormaler Toaster in hanebüchenem US-Kauderwelsch als „healthy handmaker“ und der Wasserkocher als „healthy selfkastrator“ angepriesen wird.

„Ausnahmezustand“ ist „Mundstuhl“ in Bestform

Das Publikum amüsiert sich königlich über den schrägen Witz und die zielsicher unter die Gürtellinie abgefeuerten Pointen, steuert bei „Peggy und Sandy“ einen Zwischenapplaus bei, um sich bei „Dragan und Alder“, die wie alte Bekannte begrüßt werden, vor Lachen zu biegen. Dass die Kultfiguren mittlerweile vom 3er- auf den 5er-BMW umgestiegen sind, „Aperol Schipirizz“ genießen („Hey Du Arschlöcher, hast Du jetzt eine Helly-Kitty-Brotbox?“) und über ein Jahr Open-Air in Paraguay nachdenken, um ihr „asoziales Jahr“ abzuleisten, zeigt: Auch die beiden durchgeknallten Kanak-Gesellen gehen mit der Zeit und haben ihren Tellerrand mittlerweile „ordentlich erweitert“.

Mehr als zehn Minuten palavern sich Dragan und Alder durch eine Konversation, die so sinnfrei wie abstrus ist – „Kennst Du den Witz mit dem Co-Boy? Geht ein Co-Boy zum Friseur, ist dem Pony weg“ -, bei der sie jedoch die Lacher auf ihrer Seite wissen. Das Gleiche gilt für das debile Gespann Siegfried und Rollator-Roy, das danach seinen großen Auftritt hat.

„Ausnahmezustand“ ist „Mundstuhl“ in Bestform: Ein Haufen durchgeknallter Typen arbeitet sich zwei Stunden mit derbstem Humor und jeder Menge schlüpfriger Kalauer durch ein Programm, das von der ersten bis zur letzten Minute auf zwei Komiker setzt, denen jedes Mittel und jede Pointe Recht ist und das ob des geballten Unsinns immer wieder Gefahr läuft, vor Lachen den Faden zu verlieren.

Mundstuhl im Ausnahmezustand

Das hessische Comedy-Duo „Mundstuhl“ ist wieder auf Tournee. Ande Werner und Lars Niedereichholz haben uns einen Vorgeschmack auf ihr Programm "Ausnahmezustand" gegeben.

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