Das Murren der Zaungäste

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Start der Umbauarbeiten am Wilhelmsplatz: Wenige Stunden nach dem ersten Baggerbiss gestern Morgen wurden - für die beteiligten Fachleute nicht überraschend - Knochen gefunden. Bis 1866 befand sich auf dem heutigen Wilhelmsplatz ein Friedhof, die letzte Bestattung wurde dort 1832 vorgenommen. Wie bei solchen Funden üblich, wurde die Polizei unterrichtet. Zusammen mit den beteiligten städtischen Ämtern und dem Bauleiter verständigte man sich darauf, die Funde mit Sand zu bedecken und am Ort zu belassen. Laut Friedhofsverwaltung wird auch bei der Neuanlage von Grabfeldern so verfahren.

Offenbach - Die gute Nachricht vorab: Das befürchtete Chaos blieb aus. Doch davon zu berichten, dass alles in Butter war am ersten Wochenmarkttag nach dem Baubeginn für die Umgestaltung des Wilhelmsplatzes - das würde vermutlich nur dem Oberbürgermeister gefallen. Von Matthias Dahmer

Mehr noch als die Marktbeschicker, die sich mit den Verhältnissen wohl weitgehend arrangiert haben, moserte die Kundschaft übers umbaubedingte Zusammenrücken der Stände in der südlichen Hälfte des städtischen Kleinods.

9.10 Uhr gestern Morgen: Der Bauzaun ist die Demarkationslinie des Meinungsbildes. Während die Offiziellen auf dem eingezäunten und zur Sanierung anstehenden Areal zum begeisterten „Baggerfahrer“ Horst Schneider hoch blicken und die von ihm gelenkte Schaufel historisches Pflaster aufreißt, wird bei den Zaungästen außerhalb Unmut laut: „Der mecht unsern Magd kabutt“. „Dafür iss es Geld da“, tönt es dem wieder hinabgestiegenen OB entgegen.

Der verlautbart, dass es nun „vollbracht“ ist und ein „befreiendes Gefühl“ aufkommen wird, wenn auf der Nordhälfte des Platzes künftig keine Autos mehr parken. Im Februar, wenn alles fertig ist, „werden auch die letzten Skeptiker überzeugt sein“, ist sich Schneider sicher. Auch die zur Kasse gebetenen Anwohner, hofft er, werden bis dahin befriedet sein.

Immerhin räumt er ein, dass es am frühen Morgen nicht ganz so reibungslos gelaufen ist, wie geplant. „Die neuen Zeiten haben noch nicht alle mitbekommen“, formuliert der OB. Und berichtet davon, dass einige Autos abgeschleppt werden mussten, die auf der für den Markt vorgesehenen Fläche standen.

Man findet sich kaum noch zurecht

Marktbesucher können unterdessen mühelos weitere Unzulänglichkeiten aufzählen: Zu wenig Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, die Wege entlang des Bauzauns sind wegen der ungepflasterten Aussparungen für die Bäume echte Stolperfallen und überhaupt: Man findet sich ja kaum zurecht auf dem Markt.

Zahlen, Fakten

Bis zum Februar 2010 wird der Wilhelmsplatz für rund 1,86 Millionen Euro umgestaltet. Im ersten Bauabschnitt wird bis November die nördliche Hälfte erneuert. Ab November ist der südliche Teil dran. Der Wochenmarkt rückt dann auf der Nordseite zusammen. Der zweite Bauabschnitt umfasst die umstrittene Umgestaltung der Straßen östlich und westlich des Platzes. Er wird voraussichtlich am Donnerstag vom Stadtparlament beschlossen.

Die Beschicker sind da wesentlich entspannter: „Das wird sich einspielen. Ich bin für den Umbau, das ist die Zukunft“, sagt etwa Ingrid Mack, die von ihrem Kartoffelstand einen wunderbaren Ausblick auf die bis November laufenden Bauarbeiten in der Nordhälfte hat. Und auch „Tomatenprinzessin“ Heidi Jung, will aus der Zwangs umsiedlung ihres Gemüsestandes „das Beste machen“. „Später haben wir dafür einen schönen Platz“, sagt sie. Das Problem mit umher irrender Kundschaft hat sie erst gar nicht aufkommen lassen. „Ich habe an alle Zettel verteilt, auf denen steht, wo ich jetzt zu finden bin.“

Grund zum Klagen hat indes Peter Petzold. Mehr als die Hälfte der sonst üblichen dienstäglichen Kundschaft sei seinem Brotstand fern geblieben, berichtet er. Und einige, die gestern bei ihm eingekauft haben, hätten angekündigt, vorerst überhaupt nicht mehr auf den Offenbacher Wochenmarkt zu kommen. „Ich hoffe, dass es schnell vorbei ist“, meint Petzold.

Ein Schulterzucken erntet man am Gemüsestand von Ines Berkfeld und Kay Welfenbach. Am ersten Tag könne man einfach noch nicht sagen, wie sich die Bauarbeiten auf den Markt auswirken, lautet ihre realistische Einschätzung.

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