Familie im Mittelpunkt

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Irene Englmeier verzauberte als „Zauberhexe Nudeltraud“ das junge Publikum im Haus der Stadtgeschichte.  

Offenbach - Konzentriert blickt Anna auf die weiße Weltkarte. Die Kontinente brauchen Farbe. Schon nimmt die Vierjährige den Buntstift und erschafft eine Welt in rosa mit Glitzer-Aufklebern. Von Veronika Szeherova

Die Kinder um sie herum gestalten ebenfalls bunte Weltkarten, andere wuseln durch die Räume des Hauses der Stadtgeschichte. Dieses ist gestern wie in jedem Jahr am Museumstag fest in Kinderhänden.

Das freut Museumsleiter Dr. Jürgen Eichenauer: „Dieser Tag ist eine gute Gelegenheit, die nächste Generation anzusprechen und sie neugierig zu machen aufs Thema Museum.“ Seit das Haus 2004 eröffnet wurde, beteiligt es sich an dem internationalen Tag – stets mit Familienprogramm im Mittelpunkt. Dieses Konzept hat sich bewährt. „Im letzten Jahr kamen um die 200, diesmal etwa 300 Besucher“, berichtet Eichenauer zufrieden. Für das Haus eine beachtliche Menge, liegt die Zahl an gewöhnlichen Tagen deutlich drunter. „Es können 30 Besucher am Tag sein, an schlechteren Tagen nur fünf bis zehn“, so der Museumsleiter. „Es hängt immer von der Ausstellung ab.“ An den Wochenenden sei es voller. Im Jahr empfängt das Haus der Stadtgeschichte rund 10.000 Besucher.

Gerade für kleine Häuser wie das in Offenbach werde der Museumstag eine immer wichtigere Maßnahme, um den Einrichtungen Aufmerksamkeit zu verschaffen. „Als freiwillige Leistungen in den Etats der Kommunen sind die Häuser heute gefährdeter denn je“, sagt Ulrike Adamek vom hessischen Museumsverband in Kassel.

Beatrix Piezonka erläuterte im Ledermuseum, wie das Haus „Provenienzforschung“ betreibt zur Herkunft der Exponate, die während der NS-Zeit in seinen Besitz kamen.

Eichenauer bemüht sich, den Staub vom Image der Museen zu pusten. „Das Museum ist ein besonderer Ort, an dem man ungewöhnliche Dinge sieht und erlebt.“ Den Kindern erleichtere eine spielerische Herangehensweise wie Mitmach-Theater und Basteln den Zugang zu den Ausstellungen. Auch wenn es nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich sei. „Eine Zauberhexe mag im Museum zunächst fremd erscheinen“, so Eichenauer. „Dabei ist sie hier gut aufgehoben, denn Hexe ist ein Begriff, der seit Jahrhunderten auftaucht und Teil der europäischen Kulturgeschichte ist.“ Wenn die Kinder im Museum zum ersten Mal einer „Hexe“ begegnen, könne es sie neugierig machen, sich ernsthafter mit dem Thema auseinander zu setzen. Und dafür wieder ins Museum zu kommen.

Dieser Bogen wurde bereits vor einiger Zeit im Museum Speyer geschlagen, wo „Zauberhexe“ Irene Englmeier anlässlich einer Hexenausstellung auftrat. Seit vier Jahren gehört die Theaterpädagogin fest zum Museumstag-Programm im Haus der Stadtgeschichte. Auch gestern bringt sie Klein und Groß zum Staunen – mit einer Mischung aus Theater, Magie, Bauchreden und Jonglage.

Premiere für „Bunterkund“

Ihre Premiere hat die Kinderwerkstatt „Bunterkund“, bei der Kinder „Welten malen“, Perlenketten machen und Kerzen basteln. Die Werkstatt wird ab 21. Mai zu einem festen wöchentlichen Angebot im Haus der Stadtgeschichte, jeweils dienstags von 14 bis 15 Uhr. „Wir zeigen den Kindern, was sie alles selbst machen können, ohne viel Material und Aufwand“, so die Kulturmanagerin Rebekka Riedl. Über das große Interesse gestern freut sie sich: „Erwartet habe ich es nicht ganz so, sicher kam uns auch das Wetter entgegen.“

Zufrieden ist auch Mutter Petra Rau, die mit ihren drei Kindern gekommen ist. „Ich bin ein Sonderfall“, sagt sie lächelnd, „als Theaterpädagogin gehe ich mit meinen Kindern oft in Museen.“ Ins Haus der Stadtgeschichte kam die Familie aus Frankfurt bereits zum vierten Mal. „Das Angebot hier am Museumstag gefällt den Kindern sehr gut.“

Außer dem Haus der Stadtgeschichte bot auch das Ledermuseum freien Eintritt und zwei Sonderführungen an. Passend zum Motto des 36. Museumstags „Vergangenheit erinnern? Zukunft gestalten. Museen machen mit!“ ging es in einer Führung um Erforschungen zur Herkunft von Exponaten, in der anderen um laufende Restaurierungsarbeiten. „50 bis 60 Personen“ kamen nach Anfrage unserer Mediengruppe bis zum Nachmittag.

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