Museumstag in Offenbach

Spinnen strengt an

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Zauberhexe Nudeltraud sorgte für viel Spaß bei den jungen Besuchern des Museumstags im Haus der Stadtgeschichte

Offenbach - Zum Internationalen Museumstag boten die Offenbacher Museen ein buntes Programm. Das Haus der Stadtgeschichte zielte dabei vor allem auf junges Publikum. Von Claus Wolfschlag 

Drachen, Menschen und Hexen buhlten um neue Anhänger. Doch nicht der „Herr der Ringe“ hatte die Offenbacher Museen erobert, sondern der seit 1978 traditionell am dritten Mai-Sonntag stattfindende Internationale Museumstag. Unter dem Motto „Der rote Drachen spreizt seine Klauen“ standen im Deutschen Ledermuseum Vorträge und Führungen zur Tradition und Heilkunde Chinas. Museumsleiter Christian Rathke eröffnete die neu gestaltete China-Ausstellung. Flankiert wurde das Ereignis durch Vorträge zum Schattentheater und dem meditativen Bewegungsprogramm Qigong.

Im Klingspormuseum stand der Offenbacher Künstler Bernd Fischer für Gespräche zu seiner dort gezeigten Ausstellung „Menschen“ zur Verfügung. Die Schau zeigt gerasterte Porträts von 18 Menschenrechtsverbrechern unterschiedlichster Ideologien.

Das Haus der Stadtgeschichte bot hingegen ein vor allem auf junge Besucher zugeschnittenes Programm. Wie bereits in den Vorjahren begeisterte die „Zauberhexe Nudeltraud“ mit einer interaktiven Theatervorführung eine ganze Schar kleiner Zuschauer. Gemeinsam mit den Kindern und dem magischen Spruch „Hex hex hex – Zibri Zabri Zum“ zauberte die Hexe ein Suppenhuhn aus dem Kochtopf, bewarf einen skeptisch wirkenden Vater mit Konfetti und jonglierte mit drei Scheuerbürsten. Am Ende wurde gemeinsam mit dem Bücherwurm Friedrich Flatterzahn ein Mahl eingenommen.

Großzügiger Ausstellungsraum

Hinter der Zauberhexe versteckt sich die im Hunsrück lebende Sozial- und Theaterpädagogin Irene Englmeier. Mit ihren Programmen tingelt sie regelmäßig durch den deutschen Westen zwischen Rheinland und dem Raum Stuttgart. Gern macht sie dabei auch in Offenbach Halt. „Mir gefällt hier vor allem der nahe Fluss. Ich mag Städte, die an Flüssen liegen“, bekannte Englmeier. „Und dieses schöne Museum lerne ich auch immer besser kennen. In dem großzügigen Ausstellungsraum könnte ich mir sogar vorstellen zu wohnen.“

Nach der Theatervorführung konnte die Kinderschar in Birgit Grüns Klangwerkstatt lustige Musikinstrumente selbst bauen. Ein Klang-Memory-Spiel, ein Tamburin und eine Schuhkarton-Gitarre konnten aus Pappteilen und Schellen gebastelt und anschließend nach eigenen Vorstellungen bemalt werden. Daran beteiligten sich auch bereits musikalisch fortgeschrittene Kinder. Ein Junge erklärte, dass er Gitarre spiele. Sein Instrument verfüge aber über sechs, nicht nur über die drei Saiten in Grüns Repertoire. Birgit Grün ist als Programmbereichsleiterin für kulturelle Bildung bei der Volkshochschule tätig. Bereits seit Jahren engagiert sie sich in der Musikpädagogik.

Nacht der Museen 2014

Nacht der Museen

Fast wie aus einem Märchen gefallen zeigte sich währenddessen die Seligenstädterin Ingeborg Dittler, die einsam an einem alten Spinnrad ihre Socken selbst zu produzieren begann. „Mir ist immer kalt an den Füßen“, sagte sie lächelnd. Die ehemalige Leiterin des Dreieich-Museums betreibt das Hobby des Spinnens nun seit fast 40 Jahren. Ebenso lange mag sie bereits mit dem Zusammensuchen ihrer Fingerhut-Sammlung beschäftigt sein. „Im 18. und 19. Jahrhundert waren Fingerhüte beliebte Liebesgaben. Mit einem Geschenk meiner Großmutter hat dann meine Sammlung angefangen“, erzählt Dittler.

250 Stücke, gut die Hälfte ihres Fundus, waren in einer Kabinettausstellung zu bewundern – goldene und silberne, bemalte und mit Steinen besetzte Exemplare, ebenso lederne Schlaufen aus Asien. Ein junger Mann gesellte sich schließlich zu ihr ans Spinnrad, probierte sich aus und hatte seine Mühe mit dem alten Gerät. „Ich sitze das erste mal an einem Spinnrad. Das wird aber hier auch nichts mehr mit mir“, sagte er erschöpft. „Nur Geduld, das wird schon“, schienen Dittlers milde blickenden Augen mitzuteilen.

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