Musikabend der Mathildenschule

Klassik-Klänge in der Kirche

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Rund 120 Schülerinnen und Schüler der Mathildenschule beteiligten sich am Konzertabend in der Marienkirche.

Offenbach - Dass die Mathildenschule jährlich einen Musikabend mit 120 Teilnehmern veranstaltet, hat mittlerweile Tradition. Von Harald H. Richter 

Bei der siebten Auflage gab es nun aber eine Premiere: Erstmals fand das Konzert nicht in den Räumlichkeiten der Schule statt, sondern in der benachbarten Marienkirche. „Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe“, zitiert Monsignore Hans Blamm den indischen Dichter und Philosophen Rabindranath Tagore und wünscht den jugendlichen Mitwirkenden an diesem Donnerstagabend gutes Gelingen. Der katholische Pfarrer von St. Marien hat so manches Konzert in seiner Kirche erlebt, doch dieses ist ein besonderes.

120 Mädchen und Jungen im Grundschulalter bis hinauf zu den oberen Jahrgangsstufen haben sich in den vergangenen Wochen mit ihren Lehrern Eva Peregine Budai, Georg Braun und Domenico Visciani intensiv auf ihre Auftritte vorbereitet. Das Programm mit klassischen Liedern passt perfekt in die 1911 bis 1913 erbaute Kirche.

Zu den Protagonisten des Abends gehört auch Drittklässler Kevin, der eigentlich Schlagzeug spielt. „Heute aber nicht“, sagt der Neunjährige und greift zur Bass-Gitarre. „Der eigentliche Gitarrist ist ausgefallen, also springe ich für ihn ein“, erklärt er und verneint die Frage, ob er denn aufgeregt sei. „Aber die Cornelia hat Lampenfieber“, fügt er grinsend hinzu und deutet auf ein Mädchen in der ersten Reihe der Grundschulband.

Cornelia geht auch in die dritte Klasse und spielt Gitarre. Zum Auftakt des Programms, mit dem die Kinder die etwa 300 Zuhörer – zumeist Eltern, Geschwister, aber auch Ehemalige und Mitglieder des Kollegiums – erfreuen wollen, übernimmt sie für eine erkrankte Mitschülerin zusätzlich den Gesangspart. „Seht und hört, heut’ machen wir Musik, seht und hört ein ganz besond’res Stück. Hört nur die kleine Melodie, die schöne Harmonie, wir alle lieben sie“, singt die Kleine und bekommt dafür den ersten Applaus des Abends.

Die großartige Akustik des Kirchenraums ist beeindruckend und imponiert den jungen Mitwirkenden, die bisher nur in ihrer Schule zu spielen gewohnt waren. Bläser, Streicher, Keyboarder und Vokalisten geben ihr Bestes, sind engagiert und mit großer Leidenschaft bei der Sache. „Kaum einer hat daheim ein eigenes Instrument, sodass ausschließlich in der Schule geprobt werden kann“, betont ihr Leiter Oliver Schröder.

Musikabend der Mathildenschule in Offenbach: Bilder

Das gut einstündige Programm ist mit Bedacht gewählt und nimmt Rücksicht auf den Leistungsstand der jungen Vortragenden. Nicht alle gehören Musikklassen an, der knapp 30-köpfige Grundschulchor etwa, der um eine Bläsergruppe der fünften Jahrgangsstufe verstärkt Beethovens „Ode an die Freude“ intoniert. Das Bläserensemble der sechsten Klasse trägt Marc-Antoin Charpentiers „Te Deum Prelude“ vor, gemeinhin bekannt als Eurovisionsfanfare,

Außerdem erklingen Auszüge aus Werken von Peter Tschaikowsky, George Bizet und Carl Orff und Stücke aus Antonio Vivaldis „Frühling“ und Mozarts Klaviersonate in A-Dur, diesmal allerdings nicht klaviervirtuos, sondern in einem Bläsersatz. Einen starken Eindruck hinterlässt der Klassenchor der 6M mit Michael Praetorius‘ tänzerischem Loblied auf die Musik „Audite silete“, engelsgleich auf Lateinisch vorgetragen und die Herzen des Publikums berührend.

Beschwingt endet der musikalische Abend mit einem fulminanten Verdi-Potpourri, das während des diesjährigen Musik-Camps der Mathildenschule im Heimatland des Komponisten einstudiert worden war. „Im Frühjahr hielt sich eine ausgewählte Gruppe von Schülern am Lago Maggiore auf und hat dort ganz speziell für den heutigen Auftritt geprobt“, erläutert Lehrer Georg Braun.

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